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Kolumbien
Friedensvertrag mit Farc-Rebellen unterzeichnet

Kolumbien: Friedensvertrag mit Farc-Rebellen unterzeichnet
Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos (l.) und der Chef der Farc-Rebellen, Rodrigo Londono Echeverri, unterzeichneten den Friedensvertrag. FOTO: dpa, cem cda jma
Cartagena. Tränen, Händeschütteln und Musik: Kolumbien feiert die Unterzeichnung des Friedensabkommens mit der Farc-Guerilla, das fünf Jahrzehnte Bürgerkrieg beenden soll. Doch ein letzter Schritt steht noch aus.

Die Regierung Kolumbiens hat Frieden mit der linken Rebellengruppe Farc geschlossen. Präsident Juan Manuel Santos und Farc-Chef Rodrigo Londono setzen am Montag in Cartagena an der Karibikküste ihre Unterschriften unter ein 297 Seiten langes Vertragswerk, das dem jahrzehntealten Konflikt ein Ende bereiten soll. Zu der Zeremonie waren etwa 2500 Würdenträger und Spitzenpolitiker angereist, darunter UN-Generalsekretär Ban Ki Moon.

Händedruck statt Umarmung

Viele der Gäste hatten Tränen in den Augen, als Santos und Londono den Vertrag unterschrieben. Sie forderten die Beiden auf, sich zur Versöhnung zu umarmen, doch Santos und Londono beließen es bei einem Händedruck und der Farc-Chef steckte sich eine weiße Taube an, wie sie Santos schon seit Jahren als Friedenssymbol am Revers trägt.

Zu der Zeremonie gehörte eine Schweigeminute für die mehr als 220.000 Opfer des Bürgerkrieges. Die Teilnehmer hatten sich als Symbol des Friedens in Weiß gekleidet. Ban beendete seine Rede mit dem Ruf: "Es lebe Kolumbien". Nach der Unterzeichnung donnerten fünf Flugzeuge über die Versammlung und hinterließen am Himmel die Nationalfarben des Landes.

Im ganzen Land gab es Friedenskonzerte und Straßenfeste. In der Hauptstadt Bogotá wurde die Unterzeichnung live auf einem riesigen Bildschirm übertragen. In den Rebellenhochburgen versammelten sich Guerillas.

Entwicklungsarbeiten statt Strafe

Der in vierjährigen Verhandlungen zustande gekommne Vertrag sieht vor, dass die 7000 Farc-Kämpfer ihre Waffen im Laufe der nächsten sechs Monate in 28 ausgewiesenen Zonen an Beobachter abgeben. Für Verbrechen sollen sie anschließend Wiedergutmachung in Form von Entwicklungsarbeiten in vom Konflikt stark betroffenen Gebieten leisten.

Die Regierung will sich dem Problem der ungleichen Landverteilung stellen und soll zudem alternative Entwicklungsmöglichkeiten für Zehntausende Familien bereitstellen, die vom Kokainhandel abhängig sind. Die Farc soll in eine politische Organisation überführt werden, der in den kommenden Jahren eine bestimmte Zahl von Parlamentssitzen reserviert wird.

Kritiker: "Weg Kolumbiens in eine linke Diktatur"

Kritiker protestierten noch kurz vor der Unterzeichnung gegen den Vertrag. Ex-Präsident Álvaro Uribe sagte vor einigen Hundert Demonstranten, das Abkommen ebne den Weg Kolumbiens in eine linke Diktatur. "Warum muss Kolumbien die Wahl von denjenigen erlauben, die 11.700 Kinder entführt und 6800 Frauen vergewaltigt haben?", fragte er.

Am kommenden Sonntag soll das Abkommen in einer Volksabstimmung ratifiziert werden. Umfragen sagen eine sichere Mehrheit der Befürworter voraus, doch könnte eine geringe Beteiligung die spätere Umsetzung erschweren.

Darauf wies auch Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin in einem Gottesdienst vor der Unterzeichnung hin. "Alle heute hier Versammelten sind sich der Tatsache bewusst, dass die Verhandlungen zu Ende sind, aber auch ein noch offener Prozess des Wandels beginnt, der den Beitrag und den Respekt aller Kolumbianer erfordert", sagte er.

Die USA wollen die Farc nun möglicherweise von der Liste der Terrororganisationen streichen. Die Europäische Union hat derweil bereits die Sanktionen gegen die Farc ausgesetzt. Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini hatte das Aussetzen der Sanktionen gegen die Farc bereits im Vorfeld der Unterzeichnung des Friedensvertrages in Aussicht gestellt. Sie kündigte zudem die Gründung eines Treuhandfonds mit einem Umfang von 600 Millionen Euro an, an dem sich viele EU-Staaten beteiligen wollten.

(lai/ap/dpa)
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