Auf Drängen der USA: Konferenz verwässert Weltklimabericht
zuletzt aktualisiert: 06.04.2007 - 12:27Brüssel (RPO). In letzter Minute haben sich die Regierungsvertreter im Weltklimarat auf eine gemeinsame Fassung verständigt. In den zähen Verhandlungen waren vor allem Passagen umstritten, die die Folgen des Klimawandels beschreiben. Vor allem die USA, China und Saudi-Arabien bestanden nach Angaben von Delegierten auf einer entschärften Fassung.
Die Regierungen dieser Länder hätten einige Abschnitte des Berichtes insbesondere zu den Wirkungen des Klimawandels als zu weitgehend beanstandet.
Worum es geht
Der Bericht befasst sich mit der erwarteten Ausrottung von Tier- und Pflanzenarten. Bei den einwöchigen Verhandlungen des Weltklimarats (IPCC) in Brüssel ging es auch um die Empfehlungen für die Politik mit einem Umfang von 21 Seiten. Es handelt sich um den zweiten von insgesamt vier Berichten, die der IPCC in diesem Jahr vorlegen wird.
In dem von Wissenschaftlern erstellten Entwurf für den Bericht heißt es, dass etwa 20 bis 30 Prozent aller Arten von unumkehrbarer Auslöschung bedroht sind, wenn die globale Durchschnittstemperatur um 1,5 bis 2,5 Grad steigt. Diese Stelle sei bei den Beratungen für die Endfassung verwässert worden, kritisierte Ian Burton vom Stockholmer Umweltinstitut, der an den Beratungen teilnahm.
Beratungen auf des Messers Schneide
Die Beratungen der Delegierten aus 120 Staaten erstreckten sich bis in die Nacht zum Freitag. Im Mittelpunkt stehen die Auswirkungen der globalen Erwärmung auf die Tier und Pflanzenwelt. Strittig war auch die Frage, ob eine Schätzung zu den finanziellen Kosten der Klimakatastrophe in den Bericht aufgenommen werden soll oder nicht.
Die Experten schlossen ihre Beratungen erst am Freitag ab. Die Diskussionen über einzelne Formulierungen währten bis zur letzten Minute. Schließlich einigten sich die Mitglieder des IPCC mit Verzögerung auf den Bericht, der eigentlich bereits um 10.00 Uhr hätte vorgelegt werden sollen.
Ernste Mahnungen
Unter dem Klimawandel haben nach Einschätzung der internationalen Experten vor allem die Armen zu leiden. Nach dem am Freitag in Brüssel veröffentlichten zweiten Teil des Weltklimaberichts gilt dies für die "armen Bevölkerungen auch in wohlhabenden Gesellschaften". Die Wissenschaftler warnten: "Die Ärmsten sind auch am wenigsten in der Lage, sich anzupassen."
Der Bericht sagt voraus, dass Milliarden von Menschen durch den Klimawandel unter Wasserknappheit leiden werden und hunderten Millionen Menschen Nahrung fehlen wird. Betroffen seien vor allem die ärmsten Regionen der Welt, die am wenigsten für die Erderwärmung durch das Verbrennen fossiler Brennstoffe verantwortlich seien.
Der Weltklimarat IPCC warnte in seinem Bericht eindringlich vor einem dramatischen Artensterben: Bis zu 30 Prozent der Tier- und Pflanzenarten seien vom Aussterben bedroht, wenn die Temperaturen um 1,5 bis 2,5 Grad stiegen.
Der Anfang Februar in Paris vorgestellte erste Bericht stellt die Verantwortung des Menschen für die Erderwärmung so deutlich heraus wie kein Report zuvor: Als sehr wahrscheinliche Ursache des Temperaturanstiegs wird der von Menschen verursachte Ausstoß von Treibhausgasen genannt. Anders seien die Veränderungen in der Atmosphäre und den Weltmeeren sowie das Abschmelzen der Pole nicht zu erklären.
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