Obama und Angehörige empört: Konfetti für den Lockerbie-Bomber
zuletzt aktualisiert: 21.08.2009 - 12:33Washington (RPO). Der todkranke Attentäter von Lockerbie ist mit begeistertem Jubel in seiner Heimat Libyen empfangen worden. Tausende feierten ihn als Volksheld. 270 Menschen kamen 1988 bei dem Terroranschlag im schottischen Lockerbie ums Leben. Die Angehörigen der Opfer fühlen sich verhöhnt. Auch US-Präsident Barack Obama zeigt sich empört. Er will dafür sorgen, dass der ehemalige libysche Agent unter Hausarrest gestellt wird.
Massive Kritik In den USA und Großbritannien stieß der begeisterte Empfang für den tödlich an Krebs erkrankten Attentäter Abdelbasset Ali Mohammed el Megrahi auf scharfe Kritik. "Er ist ein Terrorist, kein Held", sagte ein Sprecher des Außenamtes am Donnerstagabend in Washington. Wenn Libyen ihn nun zum Helden stilisiere, dann werde dies Konsequenzen für das künftige Verhältnis haben. Der Sprecher des Weißen Hauses, Robert Gibbs, bezeichnte al Megrahi als Massenmörder.
Präsident Obama sprach von einem Fehler. "Wir stehen jetzt in Kontakt mit der libyschen Regierung und wollen sicherstellen, dass er nicht willkommen geheißen, sondern unter Hausarrest gestellt wird", sagte Obama am Donnerstag in einem live geführten Radio-Interview.
Der Anschlag von Lockerbie
Am 21. Dezember 1988 explodierte eine Bombe an Bord einer Boeing 747 der US-Fluggesellschaft Pan Am über der schottischen Ortschaft Lockerbie. Alle 259 Insassen sowie elf Menschen am Boden wurden dabei getötet.
Auch der britische Außenminister David Miliband zeigt sich empört. Es sei "äußerst bedauerlich und erschütternd", wie ein Massenmörder in der libyschen Hauptstadt als Held willkommen geheißen werde, sagte Miliband am Freitag dem Radiosender BBC.
Freudiger Empfang in Tripolis Al Megrahi war nach seiner vorzeitigen Entlassung am Donnerstag von Schottland nach Libyen zurückgekehrt. Die schottische Regierung hatte ihn vorzeitig aus der Haft entlassen. Statt 27 musste er nur acht Jahre hinter Gittern verbringen. Aus humanitären Gründen, wie der schottische Justizminister Kenny MacAskill begründete. Der 57-Jährige leidet an Prostata-Krebs im Endstadium. Er hat nach Ansicht von Medizinern noch drei Monate zu leben.
Tausende winkten Al Megrahi zu, als der auf dem Flughafen von Tripolis das Flugzeug verließ. Der Sohn von Staatsführer Muammar el-Gaddafi begrüßte den 57-Jährigen an der Gangway und drückt ihn an sich. Konfetti flog durch die Luft, am Flughafen herrschte Volksfeststimmung. Die Menge schwenkte mit schottischen und libyschen Fahnen. Plakate mit dem Gesicht des ehemaligen Geheimdienstagenten wurden in die Luft gereckt.
Megrahi als Sündenbock Viele Libyer glauben, dass Al Megrahi unschuldig ist und betrachten ihn als Sündenbock. Im Jahr 2000 war er in einem internationalen Strafprozess nach schottischem Recht verurteilt worden. Hauptbelastungszeuge war damals ein Ladenbesitzer aus Malta, der ihn als Käufer von Kleidungsstücken identifizierte, die zu dem Koffer gehörten, in dem die Bombe versteckt war. Megrahi zeigte sich damals erstaunt über den Vorwurf der Agententätigkeit.
Doch während sein Mitangeklagter Fhimah freigesprochen wurde, wurde Megrahi 2001 wegen Massenmordes zunächst zu lebenslanger Haft verurteilt. Später wurde die Strafe, die er im Greenock-Gefängnis in der Nähe der schottischen Stadt Glasgow verbüßte, auf mindestens 27 Jahre herabgesetzt.
Viele Opfer sind entsetzt Al Megrahi beteuerte bei seiner Ankunft nicht nur seine Unschuld. Zudem äußerte er Mitgefühl für die Angehörigen der Opfer. Bei diesen löste die Freilassung gemischte Gefühle aus. Der Präsident der Vereinigung der Opfer der Pan-Am-103 äußerte Verständnis für die Entlassung. Megrahi stehe kein leichtes Ende bevor, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. Der Mann solle zu Hause sterben.
Andere Angehörige sehen die Rückkehr des verurteilten Attentäters weit weniger gelassen. Mehrere Hinterbliebene zeigten sich empört. Stephanie Bernstein, deren Mann zu den 270 Opfern des Flugzeugabsturzes zählte, bezeichnete die Entscheidung des schottischen Justizministers Kenny MacAskill als "naiv". Im US-Nachrichtensender CNN zeigte sie sich bestürzt über den herzlichen Empfang des Libyers bei seiner Rückkehr nach Tripolis.
Auch in Libyen nicht nur Freude "Wir sprechen von einem Massenmörder", sagte die Hinterbliebene Susan Cohen ebenfalls in CNN. Jemand, der so viele unschuldige junge Menschen umgebracht habe, könne nicht auf Mitgefühl hoffen. Cohen, deren 20-jährige Tochter bei dem Anschlag kurz vor Weihnachten starb, unterstellte wirtschaftliche Interessen in dem Urteil. "Da geht es ums große Ölgeschäft", mutmaßte sie. Kathleen Flynn, die ihren 21-jährigen Sohn verlor, sagte auf Fox-News, sie sei geschockt, dass ein einziger Mensch eine solche Entscheidung treffen könne.
Auch in Libyen selbst stößt Al Megrahis Rückkehr nicht nur auf Gegenliebe. Sie erinnert das Land an eine Zeit, die sie lieber vergessen möchte. Vor 20 Jahren bombte sich Libyen durch mehrere Terroranschläge, darunter auch in Deutschland, in den Status eines Parias. Staatschef Muammar Gaddafi versucht die Beziehungen zum Westen zu verbessern. Im vergangenen Jahr hat das Land 1,5 Milliarden Dollar in einen Fonds zur Entschädigung von Terrorismus-Opfern eingezahlt. Die Gelder kommen hauptsächlich den Angehörigen von Opfern des Lockerbie-Attentats zu Gute.
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