Parlamentswahl im Kosovo: Kosovo: Serben boykottieren Wahl
zuletzt aktualisiert: 23.10.2004 - 15:56Pristina (rpo). Überschattet von Boykottaufrufen serbischer Politiker wählen die Menschen in der hauptsächlich von Albanern bewohnten südserbischen Provinz Kosovo ein neues Parlament. Es ist die zweite Wahl, seitdem das Kosovo 1999 unter UN-Verwaltung gestellt wurde.
Bis zum Mittag beteiligten sich nur wenige serbische Bürger an der Abstimmung. "Das ist nicht unsere Wahl, und sie ist nicht in unserem Interesse", kritisierte der Politiker Milan Ivanovic. Serben stellen nur etwa zehn Prozent der zwei Millionen Einwohner des Kosovo.
Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) rief noch kurz vor Öffnung der Wahllokale zur Teilnahme an der Abstimmung auf. "Das ist Eure Zukunft, sie liegt in Euren Händen und in diesen Urnen", sagte OSZE-Sprecher Pascal Fieschi. Die Wahl sei wichtig für das Kosovo und für das gesamte Europa. In Zvecan nördlich von Pristina besuchten serbische Politiker jedoch demonstrativ einen Gottesdienst, statt ihre Stimme abzugeben. "Wir bemerken nicht einmal, dass heute gewählt wird", sagte Ivanovic.
Auch fünf Jahre nach dem Krieg, dem rund 10.000 Menschen zum Opfer fielen, ist der künftige Status des Kosovos noch nicht geklärt. Die Albaner dringen auf Unabhängigkeit von Serbien-Montenegro, die Serben wollen, dass die Provinz Teil des Nachfolgerstaates von Jugoslawien bleibt. Die serbische Minderheit lebt weitgehend in eigenen Enklaven, immer wieder kommt es zu Gewalt zwischen den Bevölkerungsgruppen. Bei den bislang schwersten Ausschreitungen im März wurden 19 Menschen getötet und mehr als 900 verletzt.
Rund 10.000 Polizisten sollten für Sicherheit während der Wahl sorgen, außerdem wurde das Kontingent der NATO-geführten internationalen Schutztruppe KFOR um 1.500 Soldaten auf 19.300 Mann aufgestockt. 13.000 Wahlbeobachter waren im Einsatz.
Insgesamt 20 der 120 Sitze im Regionalparlament sind serbischen Abgeordneten und Vertretern anderer Minderheiten vorbehalten. Um den Einzug ins Parlament bewarben sich 33 politische Gruppierungen und unabhängige Kandidaten. Wahlberechtigt waren 1,3 Millionen Menschen. Die Wahllokale öffneten um 07.00 Uhr und sollten um 20.00 Uhr schließen. Vorläufige Ergebnisse wurden am Montag erwartet.
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