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Afghanistan Koran verbrennung Proteste Panorama, AP 2010-0910
  Foto: AP, AP
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Proteste gegen Koran-Verbrennung: Krawalle vor Bundeswehrlager in Afghanistan

zuletzt aktualisiert: 10.09.2010 - 16:04

Kundus (RPO). Wegen der angekündigten Koran-Verbrennung in den USA ist es am Freitag zu Protesten und Unruhen in Afghanistan gekommen. In mehreren Teilen des Landes gingen Tausende wütende Gläubige nach den Gebeten zum Ende des Fastenmonats Ramadan auf die Straße. Bei Krawallen vor einem Bundeswehrstützpunkt wurde den Behörden zufolge ein Demonstrant erschossen. Die Bundeswehr bestätigte den Todesfall nicht.

Die Demonstranten vor dem Bundeswehrlager in Faisabad versammelten sich nach dem Freitagsgebet zu den Protesten, wie der Vizechef der Polizei in der Provinz Badachschan, Sajed Hassan Dschafari, der Nachrichtenagentur AFP sagte. Die Menge skandierte demnach "Tod den USA" und warf Steine auf das Bundeswehrlager. Einige Menschen, darunter auch Polizisten, seien verletzt worden.

Ein Sprecher des Einsatzführungskommandos in Potsdam bestätigte die Demonstration sowie die Aussagen über mehrere Verletzte. Das Todesopfer wurde jedoch nicht bestätigt. Bundeswehrsoldaten seien auerdem nicht unter den Verletzten. Die Proteste würden in die Bewertung der Sicherheitslage einfließen, fügte der Sprecher hinzu. Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hatte zuvor noch der "Passauer Neuen Presse" vom Freitag gesagt: "Ich hoffe besonders in Ländern, in denen wir mit zivilen und militärischen Kräften engagiert sind, auf Besonnenheit statt radikaler Reflexe."

Die Demonstration in Faisabad war in Afghanistan die dritte und bislang größte gegen die angedrohte Koran-Verbrennung durch die radikale Christengemeinde im US-Bundesstaat Florida. Auch in der pakistanischen Stadt Multan protestierten am Freitag mehrere hundert Menschen gegen die angedrohte Aktion.

Auch aus weiteren Provinzen wurden Demonstrationen gegen angekündigte Koran-Verbrennung gemeldet. "Wenn sie das tun, werden wir amerikanische Stützpunkte angreifen und die Straßen dichtmachen, über die die amerikanischen Truppen versorgt werden", sagte der Kleriker Sahidullah in Nangahar der Nachrichtenagentur Reuters. Bei einer Predigt in Kabul erklärte ein Geistlicher, die Muslime seien bereit "ihre Söhne, Väter und Mütter für den Islam und den Koran zu opfern". Die Gläubigen antworteten mit "Gott ist groß"-Rufen.

Petraeus warnt vor Folgen

Zuvor hatte der Nato-Oberkommandierende für Afghanistan, General David Petraeus gewarnt, die Pläne des Pastors aus Florida könnten die Sicherheit der westlichen Streitkräfte gefährden. Die Nato hat um die 130.000 Soldaten am Hindukusch stationiert, darunter auch rund 4000 deutsche.

Der afghanische Präsident Hamid Karsai erklärte in einer Feiertagsbotschaft, man habe gehört, dass der Pastor sein Vorhaben aufgegeben habe: "Wir sagen ihm, er solle nicht einmal daran denken." Im Nachbarland Pakistan war es bereits am Donnerstag zu Massenprotesten gekommen. Gerüchte, dass Ausländer den Koran entweiht hätten, hatten in Afghanistan bereits in der Vergangenheit zu blutigen Straßenprotesten geführt.

Jones mit widersprüchlichen Aussagen

Der Pastor der radikalen Kirchengemeinde, Terry Jones, sorgte mit widersprüchlichen Aussagen zu dem Vorhaben für Verwirrung. "Wir haben akzeptiert, auf das Ereignis zu verzichten, das wir am Samstag organisieren wollten", sagte er am Donnerstag vor seiner Kirche in Gainesville, rückte wenig später aber von dieser Aussage wieder ab. Grund sei die Weigerung eines Imams, einen umstrittenen Moschee-Bau am Ground Zero in New York aufzugeben, dem Ort des Anschlags auf das World Trade Center vor neun Jahren. Schließlich setzte er die Koran-Verbrennung erneut aus. Die Aktion sei "im Augenblick nicht geplant", sagte er am Freitag dem US-Fernsehsender ABC News.

Die evangelikale Gruppe Christian Dove World Outreach Center hatte angekündigt, am Samstag rund 200 Koran-Ausgaben zu verbrennen. Das Vorhaben hatte weltweit Empörung ausgelöst. US-Präsident Barack Obama sprach von einer "destruktiven Geste". US-Verteidigungsminister Robert Gates warnte Jones in einem Telefongespräch, die Aktion könne US-Soldaten im Irak oder Afghanistan in Lebensgefahr bringen.

Obwohl Jones nun einen Verzicht auf die Aktion in Aussicht stellte, äußerten sich muslimische Politiker weltweit weiter empört. "Nun, obwohl wir erfahren haben, dass sie das doch nicht tun wollen, sagen wir ihnen, dass sie nicht einmal daran denken sollten", sagte Afghanistans Staatschef Hamid Karsai. Der indonesische Präsident Susilo Bambang Yudhoyono warnte, solch ein Vorhaben gefährde "den Frieden und die internationale Sicherheit". Indonesien hat die größte muslimische Bevölkerung der Welt.

Quelle: AFP/RTR

 
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