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  Foto: AFP
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Südossetien-Krise eskaliert: Krieg im Kaukasus

zuletzt aktualisiert: 08.08.2008 - 12:52

Tiflis (RPO). Die Krise im Kaukasus eskaliert: Georgische Truppen haben in der Nacht eine Offensive gegen die abtrünnige Provinz Südossetien gestartet. Die Regierung in Tiflis rief alle Soldaten zu den Waffen. Auch Moskau mischt sich in den Konflikt ein. Russlands Ministerpräsident Putin droht mit Vergeltung.

Georgien und Russland stehen im Konflikt um die Region Südossetien am Rande eines Krieges. Georgische Truppen begannen am Freitag mit einer Großoffensive zur Rückeroberung der seit 16 Jahren abtrünnigen Region, die enge Beziehungen zu Russland unterhält. General Mamuka Kuraschwili sagte, die georgischen Truppen hätten begonnen, die verfassungsmäßige Ordnung wiederherzustellen. Der russische Ministerpräsident Wladimir Putin kündigte daraufhin Vergeltung an. Der georgische Präsident Michail Saakaschwili ordnete die Mobilmachung und die Einberufung der Reservisten an.

Saakaschwili sagte in einer Fernsehansprache, georgische Truppen seien bei ihrer Offensive in die Außenbezirke von Zchinwali eingerückt, der Hauptstadt der abtrünnigen Region. Sie kämpften nun um das Stadtzentrum. Saakaschwili warf Russland vor, Kampfflugzeuge hätten georgische Orte und Einrichtungen bombardiert. Dabei seien Menschen verletzt worden. "Eine offene Aggression ist gegen Georgien gestartet worden", sagte Saakaschwili. Sein Land werde sein Territorium aber nicht aufgeben und auf seine Freiheit nicht verzichten.

Info

Südossetien

Die im Kaukasus gelegene Region Südossetien ist etwa eineinhalb Mal so groß wie Luxemburg. Rund 70.000 Menschen leben in dem an Russland grenzenden Gebiet, das offiziell ein Teil Georgiens ist. Die Osseten sind ein iranisches Volk, die Mehrheit von ihnen lebt in dem zu Russland gehörenden Nordossetien.

Anfang der 90er Jahre, in der Zeit nach der Auflösung der Sowjetunion, erklärten sich Südossetien und eine weitere georgische Region, Abchasien, für unabhängig. Die Regierung von Südossetien versuchte, dies mit Volksabstimmungen - 1992 und zuletzt 2006 - zu untermauern. International wird die Unabhängigkeit aber nicht anerkannt. Das Gebiet unterhält enge Beziehungen zu Russland. Versuche, eine politische Lösung für den Konflikt zu finden, scheiterten immer wieder.

Saakaschwili hat schon länger erklärt, dass er Südossetien und eine weitere seit Anfang der 90er Jahre abtrünnige Region, Abchasien, wieder unter Kontrolle der Zentralregierung in Tiflis bringen will.

Putin droht mit Vergeltung

Auch Russland mischt sich jüngsten Meldungen zufolge in den Konflikt ein. Der russische Ministerpräsident Wladimir Putin kündigte Vergeltung an. Der georgische Präsident Michail Saakaschwili erklärte, russische Kampfflugzeuge hätten georgische Orte und Einrichtungen bombardiert. Dabei seien Menschen verletzt worden. "Einer der Kampfflieger warf zwei Bomben nahe der Polizeistation in Kareli ab", teilte ein Sprecher des georgischen Innenministeriums am Freitag in Tiflis mit. Kareli liegt auf georgischem Gebiet nahe der Grenze zu Südossetien. 

Das russische Außenministerium wies diese Berichte jedoch zurück. "Das ist Unsinn", sagte ein Sprecher des Ministeriums in Moskau. "Die Information, dass russische Flugzeuge nach Georgien geflogen sind und dass ein russisches Flugzeug abgeschossen wurde, entsprechen nicht der Realität."

UN-Sicherheitsrat kommt zusammen

Auf Dringen Russlands kam der UN-Sicherheitsrat zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen. Auf eine Erklärung konnten sich die Vereinten Nationen aber offenbar noch nicht verständigen. Der Sicherheitsrat sei noch nicht in der Lage, zu der Situation Stellung zu nehmen, erklärte der belgische UN-Botschafter Jan Grauls, der in diesem Monat den Sicherheitsrat leitet.

In einer von Russland vorgeschlagenen Erklärung sollten Georgien und die abtrünnige Region aufgefordert werden, ihre Kampfhandlungen sofort zu beenden. Die USA, Großbritannien und andere Länder hatten sich aber dagegen ausgesprochen, dass beide Seiten aufgefordert werden, Gewalt zurückzuweisen. Die USA wollten auch verhindern, dass Russland Soldaten in diesen Konflikt entsendet.

Die Europäische Union erwartet von den Konfliktparteien laut Diplomaten eine sofortige Einstellung der Gewalt. Die EU sei über die "dramatische Entwicklung" der Lage "sehr beunruhigt", sagte ein europäischer Diplomat am Freitag in Brüssel. Die Gemeinschaft sei in Kontakt mit allen Parteien und verfolge die Entwicklung sehr genau. Konsultationen mit der französischen EU-Ratspräsidentschaft und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) seien im Gange. Die EU wiederhole den Appell des EU-Außenbeauftragten Javier Solana vom Vortag an die Adresse aller Parteien, die Gewalttätigkeiten umgehend zu beenden.

Ebenfalls forderte die Nato die umgehende Einstellung aller Waffengewalt - von beiden Seiten. Die Allianz verfolge die Entwicklung des Konflikts genau, sagte ein Sprecher der transatlantischen Verteidigungsgemeinschaft am Freitag in Brüssel. Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer sei über die Lage in der Region "tief beunruhigt".

Quelle: afp

 
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