| 12.07 Uhr

Toter Kriegsverbrecher Slobodan Praljak
Staatsanwaltschaft ermittelt nach Gift-Suizid vor Gericht

UN-Tribunal: Angeklagter nimmt sich vor Gericht das Leben
Den Haag. Nach dem Suizid des verurteilten Kriegsverbrechers Slobodan Praljak in Den Haag hat die Staatsanwaltschaft Ermittlungen eingeleitet. Praljak hatte im Gerichtssaal Gift getrunken - die Ermittlungen sollen unter anderem klären, wie er an die Substanz gelangen konnte.

Slobodan Praljak hatte vor dem Haager UN-Tribunal für das ehemalige Jugoslawien Gift aus einer kleinen Flasche getrunken. Bei den Ermittlungen sollen unter anderem die Fragen beantwortet werden, woran Praljak starb und ob er bei der Beschaffung des mutmaßlichen Gifts Hilfe von außen gehabt habe, erklärte die niederländische Staatsanwaltschaft am späten Mittwochabend in Den Haag.

Inzwischen haben die Ermittler Spuren des Gifts feststellen können. "Es handelt sich um einen chemischen Stoff, der für Menschen tödlich sein kann", berichtete ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Welcher Stoff es war, sagte er nicht.

Gerätselt wird derzeit, wie es dem zu 20 Jahren Haft Verurteilten gelingen konnte, das Fläschchen trotz strenger Sicherheitsauflagen in das Gericht zu schmuggeln. Auch ist unklar, wie Praljak im Haager UN-Haftzentrum die fragliche Flüssigkeit bekommen konnte.

20-jährige Haftstrafe bestätigt

Praljak hatte zunächst lautstark protestiert, als der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) in dem Berufungsverfahren die Haftstrafe gegen ihn bestätigte. Dann zückte er ein braunes Fläschchen und trank es aus.

Zunächst wurde das Verfahren fortgesetzt, doch dann rief die Anwältin Praljaks: "Mein Mandant sagt, er habe Gift genommen." Das Verfahren wurde unterbrochen, der 72-Jährige wurde ins Krankenhaus gebracht, wo er kurze Zeit später starb.

Praljak war unter anderem für schuldig befunden worden, im November 1993 die Zerstörung der alten Brücke von Mostar aus osmanischer Zeit angeordnet zu haben. Dadurch sei der muslimischen Zivilbevölkerung "unverhältnismäßig großer Schaden" entstanden, hatten die Richter im ersten Prozess geurteilt.

Die zerstörte Brücke von Mostar war zu einem Symbol des bosnisch-kroatischen Krieges geworden, die Stadt selbst war der Schauplatz der schwersten Gefechte, in deren Verlauf fast vier Fünftel des Ostens der Stadt zerstört wurden.

Heldenverehrung in der Heimat

Trotz der ihm vorgeworfenen Verbrechen gilt Praljak vielen in seiner Heimat bis heute als Held. Kroatiens Regierungschef Andrej Plenkovic kondolierte der Familie des verurteilten Kriegsverbrechers. Zugleich kritisierte er die Arbeit des Gerichtshofs scharf.

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Am Mittwoch zeigte sich auch die Stadt Mostar einmal mehr gespalten: während auf der kroatischen Seite hunderte Menschen Kerzen für den Toten anzündeten und beteten und die Flaggen auf halbmast waren, war der bosnische Osten der Stadt am Abend wie leergefegt.

 

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(jco/AFP)
 
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