Zu geringe Truppenstärke: Kritik an Irak-Strategie der USA wächst
zuletzt aktualisiert: 01.05.2006 - 09:02Washington (rpo). Die Kritik an der Militärstrategie der US-Regierung zu Beginn des Irak-Krieges wächst. In einem Fernsehinterview hat sich nun auch der ehemalige Außenminister Colin Powell kritisch zu der Invasion geäußert. Die Truppenstärke sei deutlich zu gering gewesen.
Er habe der Regierung noch vor der Invasion im März 2003 empfohlen, mehr Truppen in den Irak zu senden. Entsprechend habe er sich in Anwesenheit von US-Präsident George W. Bush gegenüber dem damals für die Invasion zuständigen General Tommy Franks und Verteidigungsminister Donald Rumsfeld geäußert.
Man habe seine Argumente angehört, die Verantwortlichen hätten aber entschieden, dass die Truppenstärke angemessen sei, erklärte Powell in dem am Sonntag ausgestrahlten Interview.
US-Außenministerin Condoleezza Rice, damals nationale Sicherheitsberaterin, bestätigte die Ausführungen Powells nicht, sie dementierte sie aber auch nicht. Sie sagte dazu im US-Fernsehen, sie erinnere sich im Einzelnen nicht an ein solches Gespräch.
Sie sei aber sicher, dass es viele Diskussionen darüber gegeben habe, wie die Mission im Irak am besten zu erfüllen sei. Sie habe keinen Zweifel daran, dass all dies berücksichtigt worden sei, erklärte Rice im Sender CNN. Letztlich sei der Präsident aber seinen militärischen Beratern gefolgt, die den Plan ausführen mussten.
Im Januar hatten Pentagon-Vertreter eingeräumt, dass der damalige Leiter der US-Zivilverwaltung im Irak, Paul Bremer, eine deutlich höhere Zahl von US-Soldaten gefordert hatte. Bremer erklärte, in einem Schreiben an Rumsfeld habe er im Mai 2004 erklärt, eine halbe Million Soldaten würden gebraucht, um den Aufstand effektiv zu bekämpfen - mehr als drei Mal so viele, wie damals tatsächlich im Irak stationiert waren. Sein Rat sei aber verworfen worden.
Powell sagte, die Militärberater des Präsidenten seien der Ansicht gewesen, dass die Truppenstärke angemessen sei. "Vielleicht glauben sie das immer noch. Ich nicht", sagte Powell. Die Berater, auf die Bush gehört habe, hätten eine andere Situation unmittelbar nach dem Fall von Bagdad vorhergesagt. "Sie war dann nicht ganz so, wie sie das erwartet hatten."
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum