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Streit um Michelle Obama: Kritiker lästern über ihre Oberarme

VON FRANK HERRMANN - zuletzt aktualisiert: 09.03.2009 - 21:22

Washington (RP). Für das konservative Amerika ist Michelle Obama eine Provokation, allein wegen ihres Modegeschmacks. Die First Lady liebt ärmellose Kleider. Auch auch auf dem offiziellen Foto des Weißen Hauses trägt sie ein solches Modell. Kritiker empören sich. Zu viel Haut, zu viel Muskeln, zu wenig Würde. Das Land streitet nun über die Rolle einer First Lady.

Soll Michelle Obama nun vor allem elegante Repräsentantin sein, vor allem sozial engagiert oder mehr politisch einflussreich? Sie selbst definiert sich über ihren Einsatz für die Armen. Ihre Kritiker lassen sich lieber über ihre Oberarme aus und lästern über ausgeprägte Muskeln.

Die Vorrede spart sie sich. Ein paar nette Worte für Arne Duncan, den Bildungsminister, das muss reichen. Nach drei Sätzen spricht Michelle Obama von gleichen Chancen für alle, auch für Kinder, die im Ghetto aufwachsen. Eindringlich beschwört sie den Gemeinsinn, hält eine Laudatio auf die staatlichen Schulen.

"Ich bin ja selbst ein Produkt Ihrer Arbeit", bedankt sie sich bei den Lehrern, die in Washington auf den Stuhlreihen vor ihr sitzen. "Ich bin ein Produkt von Leuten, die jeden Tag investiert haben in die Bildung normaler Kids." Ihr Weg, erinnert sie ihr Publikum, habe von der South Side Chicagos, den Kleine-Leute-Vierteln im tristen Süden der Wolkenkratzerstadt, über die Eliteschmieden von Princeton und Harvard nach oben geführt. So müsse es noch viel öfter gelingen. "Wir werden investieren, wir werden über 10 000 Schulen renovieren und modernisieren."

Nicht mehr als vier Löffel im Elternhaus

Im Übereifer sagt die First Lady "wir", wo sie ein Kabinett meint, dem sie gar nicht angehört. Sie bemerkt ihren Versprecher: "Na ja, vielleicht ist das nicht ganz richtig, ich spreche natürlich vom Wir unserer Regierung". Herzlicher Applaus belohnt ihren Enthusiasmus, mag er ruhig überschäumen.

Im Bildungsministerium zeigte sich die echte Michelle Obama, die Powerfrau, die schon den Wahlkampf an der Seite ihres Mannes prägte. Genauso eloquent wie Barack, frei redend, ohne Notizen, mindestens ebenso bedacht aufs Soziale. Oft spricht sie von den Silberlöffeln im Mund, dem Bild, das für verwöhnten Millionärsnachwuchs steht, mit denen sie eben nicht zur Welt kam. Der Fernsehsatiriker Stephen Colbert fragte sie einmal im Scherz, wie viele Silberlöffel es denn bei den Robinsons, ihren Eltern, gegeben habe. "Wir hatten vier Löffel", kam schlagfertig als Antwort. "Und dann bekam mein Vater eine Lohnerhöhung, da hatten wir fünf." Es passt zu diesem Stolz auf die eigene Lebenserfahrung, wie selbstverständlich sie dieser Tage in einer Washingtoner Suppenküche Pilzrisotto und Broccoli an Obdachlose austeilte.

First Lady - eine schwierige Rolle

Michelle Obama, prophezeit ihre Biografin Liza Mundy, werde noch erheblichen Einfluss auf die Regierungsarbeit nehmen. Ohnehin bespreche ihr Gatte alles mit ihr, keineswegs nur Privates. Ähnlich war es bei Hillary Clinton, die Bills wichtigste Präsidentenberaterin war. Laura Bush gab dann eher die stille Bibliothekarin, die im Weißen Haus ihre Nische fand, indem sie der Nation ans Herz legte, wieder mehr Bücher zu lesen.

Nur muss sich Lauras Nachfolgerin eben auch mit dem Rollenverständnis arrangieren, wie es ihre Landsleute mit einer First Lady verbinden. Glamourös wollen sie sie, wie Jackie Kennedy, zugleich bodenständig. Souveränität soll sie ausstrahlen, aber sie darf nicht auftreten wie eine Königin, das würde in der Republik schnell mit Häme bestraft. Idealerweise soll sie eine Mode-Ikone sein, aber keine zu ausgefallene, keine Avantgardistin. Es ist eine Art Slalomlauf zwischen Tretminen, was die Harvard-Juristin denn auch schnell am eigenen Leibe erfuhr.

Für das konservative Amerika ist Michelle Obama eine Provokation, allein wegen ihres Modegeschmacks. Sie mag ärmellose Kleider. Prompt folgte die reichlich skurrile Debatte, ob die Arme der Ersten Dame nicht zu muskulös seien, um sie derart generös zur Schau zu stellen. Nebenbei erfuhr man mehr über das strenge Fitnessregime an der Pennsylvania Avenue: Halb sechs steht die Hausherrin auf, um an Hanteln und auf dem Laufband zu trainieren, manchmal anderthalb Stunden, angeleitet von ihrem persönlichen Trainer.

Das konservative Amerika empört sich über die Oberarme von Michelle Obama. Zu viel Haut, zu viel Muskeln, zu wenig Würde. Unsere Bilderstrecke zeigt Ihnen die Aufnahmen, die die Konservativen auf die Barrikaden treiben.

Quelle: RP

 
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