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Vorwürfe gegen Polens Ex-Präsident
Lech Walesa will nicht für Geheimdienst gearbeitet haben

Lech Walesa will nicht für Geheimdienst in Polen gearbeitet haben
Der frühere polnische Präsident Lech Walesa. FOTO: dpa
Warschau. Der frühere Präsident Polens, Lech Walesa, bestreitet Vorwürfe, er habe mit dem kommunistischen Sicherheitsdienst zusammengearbeitet. Er habe aber Fehler gemacht, teilte der legendäre Solidarnosc-Führer mit.

Er "habe einen Fehler gemacht - aber nicht, wie es gesagt wird", erklärte Walesa am Freitag. Er habe allerdings sein "Wort gegeben", nicht darüber zu sprechen. "Ich habe mich im Dezember 1970 nicht brechen lassen, ich habe nicht mit dem SB zusammengearbeitet", versicherte Walesa. Auch habe er "weder Geld angenommen noch schriftlich oder mündlich Bericht erstattet".

Sein Schweigeversprechen über die damaligen Vorgänge werde er "derzeit sicher" nicht brechen - es sei denn, andere ergriffen das Wort. Der Urheber der Affäre sei "noch am Leben" und solle sich äußern, erklärte Walesa.

Das polnische Institut für Nationales Gedenken (IPN) hatte am Donnerstag angegeben, es sei "eine handschriftliche Zusage zur Zusammenarbeit" Walesas mit dem SB entdeckt worden, unterschrieben mit "Lech Walesa" und dem Tarnnamen "Bolek". Auch lägen Quittungen über Honorarzahlungen vor. Walesa wies die Anschuldigungen umgehend zurück. "Es können keine von mir stammenden Dokumente vorliegen", erklärte der 72-Jährige.

Bereits früher war dem Friedensnobelpreisträger Walesa in zwei IPN-Büchern vorgeworfen worden, in den 70er Jahren Werftkollegen für den SB bespitzelt zu haben. Ein Sondergericht sprach ihn aber vor mehr als 15 Jahren von allen Vorwürfen frei. Walesa zählt zu den herausragenden Persönlichkeiten Polens in den vergangenen Jahrzehnten, um die Bewertung seines Wirkens wird seit langem erbittert gestritten.

Walesa hatte angegeben, nach einer Festnahme bei der Polizei "ein Papier" unterzeichnet zu haben. Er nannte es aber "absurd", ihn der Kollaboration mit dem Geheimdienst zu beschuldigen. Die neuen Papiere wurden im Erbe des früheren Innenministers und Geheimdienstchefs Czeslaw Kiszczak gefunden. Erbitterter politischer Gegner Walesas ist Jaroslaw Kaczynski, Chef der rechtskonservativen Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit.

(hebu/dpa/afp)
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