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Ein Komiker mischt die Polit-Elite auf: Leck-mich-Rebellion verändert Italien

VON PHILIPP STEMPEL - zuletzt aktualisiert: 13.09.2007 - 15:35

Düsseldorf (RPO). Beppe Grillo ist für Italiens Politiker der real existierende Alptraum. Der populäre Komiker hat mit Hilfe seines Internet-Blogs eine Bewegung in Gang gebracht. Jüngster Höhepunkt: Der Leck-mich-Tag. In 220 Städten Italiens kam es zu Massenprotesten. Jetzt zittert Italiens Polit-Elite.

„V-Day“, hießt die Kampagne Grillos im Original. Das „V“ steht dabei für „Vaffanculo“. Zu deutsch „Leck mich am Arsch“. Der Komiker greift damit eine weit verbreitete Stimmung auf. Italiens Wähler haben die Nase von ihren Politikern gestrichen voll. Unfähigkeit, Überalterung und Korruption, so einige der üblichen Vorwürfe.

Am vergangenen Wochenende kam es zum „V-Day“. Der Protest, den Beppe Grillo mit seinen Auftritten und seinem viel besuchten Blog um sich gesammelt hatte, materialisierte sich auf den öffentlichen Plätzen von 220 Städten. Allein in Bologna, wo der „Michael Moore aus Genua“ auf der Protestbühne stand, kamen 50.000 Menschen zusammen. In seinem Blog spricht Grillo begeistert von der Geburt der „V-Generation“.

Ihr gemeinsames Ziel geht über den bloßen Protest hinaus. Die miese Stimmung bündelt sich in der Forderung nach einer umfassenden Säuberung des politischen Establishments. Rechtskräftig verurteilten Politikern wollen sie ein Parlamentsverbot erteilen. In Form eines Gesetzes. Im Rahmen des V-Days kamen 300.000 Unterschriften zusammen.

Urheber der Initiative: Beppe Grillo. „Clean up Parliament“ heißt das dann bei ihm, das Logo zeigt einen Besen auf der grün-weiß-roten Nationalflagge. In seinem Blog hat er eine Liste zusammengestellt, die alle verurteilten Politiker erfasst. Benennung der Straftat inbegriffen.

Die Politik ist nach den Massenprotesten aufgeschreckt. „Die Parlamentarier erleben eine Rebellion gegen die Politik, die ernstgenommen werden muss“, zitiert die Süddeutsche Zeitung die italienische Familienministerin Rosy Bindi. In den 90er Jahren habe die Bewegung „Saubere Hände“ sich gegen einzelne korrupte Politiker gerichtet. Nunmehr richte sich die Wut gegen die ganze politische Klasse.


 
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