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Geiseldramen in Afghanistan: Leiche wird obduziert

zuletzt aktualisiert: 26.07.2007 - 06:30

Kabul/Berlin (RPO). Auf dem Militärflughafen Köln-Wahn ist das Flugzeug mit der Leiche des in Afghanistan in Geiselhaft verstorbenen deutschen Bauingenieurs eingetroffen. Das teilte ein Presseoffizier der Luftwaffe, Markus Laisiepen, mit. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes soll der Leichnam am Donnerstag obduziert werden.

Ursprünglich hatte der Transport bereits am Dienstag stattfinden sollen. Der Abflug hatte sich jedoch laut Außenministerium aufgrund von Abläufen in Kabul verzögert. Der Ingenieur war vergangene Woche zusammen mit einem deutschen Kollegen und fünf Afghanen südlich von Kabul verschleppt worden. Er starb aus noch nicht geklärter Ursache während der Geiselhaft.

Sein Kollege befindet sich anscheinend noch immer in den Händen der Geiselnehmer. Die Bemühungen der Bundesregierung dauern an. Korrespondentenberichten zufolge verlaufen die Verhandlungen zäh. Ein Erfolg ist derzeit nicht absehbar. Der Bauingenieur ist nach ARD-Informationen körperlich geschwächt, aber immer noch bei Kräften. Wer hinter der Entführung, zu der sich die radikalislamischen Taliban bekannt haben, tatsächlich steckt, bleibt unklar.

Südkoreanische Geisel hingerichtet

Unterdessen hat die südkoreanische Regierung die Ermordung einer Geisel durch die Taliban bestätigt. Am Mittwoch hatten die Taliban eine ihrer ursprünglich 23 südkoreanischen Geiseln, einen 42-jährigen Geistlichen, ermordet. Nach der Tötung stellten sie ein neues Ultimatum: Wenn die Regierung in Kabul die Forderungen der radikalislamischen Bewegung nicht bis 22.30 Uhr MESZ erfülle, würden die Entführer weitere Geiseln töten, sagte Taliban-Sprecher Ahmadi. Die Taliban forderten einen Austausch von acht Geiseln gegen acht inhaftierte Kämpfer.

Die südkoreanische Regierung verurteilte die Hinrichtung scharf. "Die Ermordung eines unschuldigen Zivilisten kann niemals gerechtfertigt werden", erklärte Präsident Roh Moo Hyun. Die Geiselnehmer trügen die "volle Verantwortung für diesen unmenschlichen Akt". Nach Informationen des südkoreanischen Zeitung "Korea Times" hinterlässt die ermordete Geisel eine kleine Tochter.

Die Polizei barg am Mittwoch die von Kugeln durchsiebte Leiche eines entführten Mannes. Der Leichnam weist zehn Einschüsse in Kopf, Brust und Bauch auf. Ein dänischer Journalist afghanischer Herkunft, der zunächst mit einem "Stern"-Reporter verwechselt wurde, konnte seine Entführung verhindern. Die Luftwaffe flog unterdessen den Leichnam eines in Geiselhaft ums Leben gekommenen Ingenieurs zurück nach Deutschland.

Ein mutmaßlicher Taliban-Sprecher hatte vor dem Fund des koreanischen Mannes in der Provinz Ghasni erklärt, eine der 23 Geiseln sei getötet worden, weil die Forderung nach Freilassung von inhaftierten Gesinnungsgenossen nicht erfüllt worden sei. Taliban-Erklärungen gelten jedoch als unzuverlässig. Ein Polizeisprecher berichtete, die geschwächte Geisel sei getötet worden, weil sie nicht mehr habe laufen können.

Verwirrung gab es über die angebliche Freilassung von acht der koreanischen Geiseln: Die Nachrichtenagentur Yonhap berichtete unter Berufung auf Regierungskreise, acht der Verschleppten seien auf freien Fuß gesetzt worden und würden zu einem US-Militärstützpunkt in Ghasni gebracht. Dagegen sagte Provinz-Gouverneur Maradschudin Pathan der AP, dass niemand freigelassen worden sei. "Sie sind noch immer in der Hand in der Taliban." Diese hätten ihm eine Liste von acht Gefangenen übermittelt, deren Freilassung sie forderten.

Die Koreaner, unter ihnen 18 Frauen, wurden am vergangenen Donnerstag in Ghasni verschleppt. Nach Angaben örtlicher Behörden forderten die Kidnapper zuletzt Geld für die Freilassung. Zunächst hatten sie verlangt, dass im Austausch gegen die 23 Südkoreaner 23 inhaftierte Taliban auf freien Fuß gesetzt werden sollten.

Der Fall des Dänen in der ostafghanischen Unruheprovinz Kunar führte zunächst zu erheblicher Verwirrung, da Regierungsstellen zunächst eine Entführung durch Taliban-Kämpfer bestätigt und später die Freilassung der Geisel meldeten. Zu der Zeit wurde noch von einem deutschen Opfer ausgegangen. Das dänische Außenministerium teilte mit, dass sich der Journalist aus einer Polizeistation telefonisch bei der dänischen Botschaft in Kabul gemeldet habe.

Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes

Angesichts der Entführungen appellierte Kanzleramtsminister Thomas de Maizière an Bürger, die Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes ernst zu nehmen. "Das ist nicht Jux und Tollerei", sagte der CDU-Politiker der "Leipziger Volkszeitung".

"Sowohl im Irak als auch in Afghanistan gibt es eine Entführungsindustrie. Es lässt sich während der Entführung und manchmal auch nicht einmal danach feststellen, ob es sich um eine politisch motivierte oder um eine kriminelle Tat handelt."

Keine neue Entwicklung gab es zunächst im Fall des im Bergland von Ghasni festgehaltenen deutschen Ingenieurs. Allerdings wurde nach einem Bericht der "Münchner Merkur" Kritik an Außenminister Frank-Walter Steinmeier laut, der in einem TV-Interview zur Geiselkrise den vollen Namen des lediglich als Rudolf B. bekannten Deutschen nannte. Das Haus seiner Familie bei München werde seither von Journalisten belagert.

Quelle: ap

 
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