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Zu politisch für die Boy Scouts
Leitung der US-Pfadfinder entschuldigt sich für Trumps Rede

Leitung der US-Pfadfinder entschuldigt sich für Trumps Rede
US-Präsident Donald Trump winkt am 24. Juli in Glen Jean während eines Pfadfindertreffens, dem "2017 National Scout Jamboree", der Menge zu. FOTO: dpa, CK hjb
New York. Mit einer politisch aufgeheizten Rede vor Pfadfindern löste Donald Trump kürzlich einen Sturm der Entrüstung aus - nun hat sich der Vorsitzende der männlichen Pfadfinderorganisation der USA für den Auftritt des Präsidenten entschuldigt.

Er wolle seine "aufrichtige Entschuldigung" an alle aussprechen, die sich durch die "politische Rhetorik" bei der Veranstaltung vor rund 40.000 hauptsächlich Jugendlichen beleidigt fühlten, erklärte Pfadfinder-Chef Michael Surbaugh am Donnerstag. Dies sei nie die Absicht der Organisatoren gewesen.

Den Präsidenten nannte Surbaugh in seiner schriftlichen Stellungnahme nicht beim Namen. Er betonte aber, seine Organisation sei politisch unabhängig, und habe eine lange Tradition, den jeweils amtierenden Präsidenten einzuladen.

Wütende Kommentare in sozialen Medien

Der amerikanische Präsident steht vor einer riesigen Flagge der USA, als er seine Rede vor 40.000 amerikanischen Pfadfindern hält. FOTO: dpa, CK hjb

Vor allem zum Missfallen von anwesenden Eltern hatte Trump harte Rhetorik gegen seine politischen Gegner verwendet - normalerweise sprechen amerikanische Präsidenten vor den Boy Scouts eher über nicht-politische Themen. Seit Trumps Auftritt bei der nationalen Versammlung der Boy Scouts of America am Montag im Bundesstaat West Virginia wird die Seite der Organisation im Onlinenetzwerk Facebook von verärgerten und wütenden Kommentaren überflutet.

Auch auf dem Kurznachrichtendienst Twitter machten viele, die die Rede hörten, ihrem Unmut Luft. Nicht wenige zogen Vergleiche mit Veranstaltungen vor Jugendlichen in Deutschland und Italien vor und während des Zweiten Weltkrieges.

Länger über Einladung Trumps nachgedacht

Zuvor hatte auch bereits der Präsident der Pfadfinder-Organisation, Randall Stephenson, seine Bedenken über die Rede Trumps geäußert. "Wenn ich nahelegen würde, dass ich über die Bemerkungen des Präsidenten überrascht war, dann wäre ich nicht ehrlich", sagte Stephenson der Nachrichtenagentur AP.

Die Boy Scouts würden seit der Amtszeit Franklin D. Roosevelts jeden amtierenden Präsidenten zu einer Rede einladen. Roosevelt war von 1933 bis zu seinem Tod 1945 im Amt. Bei Trump habe die Leitung der Organisation aber länger über die Einladung nachgedacht. "Jeder weiß, dass seine Reden hochpolitisch werden - wir haben erwartet, dass das der Fall sein könnte", so Stephenson.

Als Statist "missbraucht"

Viele Internetnutzer, darunter Eltern von Pfadfindern, bezeichneten es als unangemessen, dass der Präsident den Auftritt für Attacken auf die Medien, seinen Amtsvorgänger Barack Obama und seine Wahlkampfrivalin Hillary Clinton genutzt hatte. Ihr Sohn sei ebenso wie tausende andere Pfadfinder von Trump als Statist "missbraucht" worden, kommentierte eine Mutter. Es gab allerdings auch Nutzer, die Trumps Rede als großen Moment für die Pfadfinder verteidigten.

Kritik und Spott zog Trump auch deshalb auf sich, weil er vor den Kindern und Jugendlichen von einer Cocktail-Party mit den "heißesten Leuten in New York" sowie von den "interessanten Dingen" erzählt hatte, die ein anderer Unternehmer auf einer Jacht getan habe - der Präsident beließ es bei vagen Andeutungen, was dies für "Dinge" waren. "Ihr seid Pfadfinder, ihr kennt das Leben", sagte er dazu.

"Hat dieser Typ gerade 40.000 Jungen im Kindesalter mit der Geschichte eines alten Immobilienmoguls ergötzt, der Sex auf einer Jacht hat?" kommentierte dies der Fernsehkomiker Trevor Noah. Trump habe bei der Rede "weniger wie ein Präsident und mehr wie ein betrunkener Stiefvater geklungen", spottete der TV-Talker.

(sbl/ap)
 
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