Erstürmung der Roten Moschee: "Letzte Phase läuft"
zuletzt aktualisiert: 11.07.2007 - 12:02Islamabad (RPO). Bei der Erstürmung der Roten Moschee in Islamabad läuft die letzte Phase. Pakistanische Spezialeinheiten treffen nur noch auf wenig Widerstand. Dennoch sollen die Belagerer noch immer Geiseln in dem Gebäudekomplex halten.
Bis zum Mittwochnachmittag erschütterten Explosionen und Schüsse das Gelände, während Soldaten im Inneren nach Sprengfallen suchten. Die Islamisten hielten weiterhin Frauen und Kinder sowie junge Männer fest. Verwandte warteten verzweifelt auf deren Befreiung.
"Die letzte Phase läuft", sagte Militärsprecher Generalmajor Waheed Arshad dem Fernsehsender Geo. Die Truppen stießen nur an wenigen Orten noch auf Widerstand. Die Streitkräfte haben sich nicht dazu geäußert, wie viele Menschen sich noch in der Moschee und der angrenzenden Koranschule aufhalten. Es hieß lediglich, seit dem 3. Juli seien 1.300 Menschen aus dem Gebäude geflüchtet.
Bei der Erstürmung der Moschee durch die Streitkräfte am Dienstag wurden nach amtlichen Angaben neun Soldaten und mehr als 50 Aufständische getötet, darunter auch der radikale Geistliche Abdul Rashid Ghazi. Er galt als ein Anführer der Bewegung, die in Pakistan ein islamistisches System nach dem Vorbild der gestürzten Taliban in Afghanistan errichten will. Sein Leichnam wurde nach Angaben des Innenministeriums im Kellergeschoss der Koranschule für Frauen gefunden. Der Tote sei dem Innenministerium übergeben worden, sagte Generalmajor Arshad. Ghazi hatte sich bis zuletzt geweigert aufzugeben.
Den Unruhen, die mit Straßenschlachten vor der Moschee am 3. Juli begannen und zur Belagerung seitens der Streitkräfte führten, sind insgesamt mehr als 80 Menschen zum Opfer gefallen. Die Rote Moschee gilt als Hochburg des Widerstands gegen den USA-freundlichen Kurs des pakistanischen Präsidenten Pervez Musharraf.
Im benachbarten Afghanistan forderte der ranghohe Taliban-Kommandeur Mansur Dadullah die Muslime auf, Selbstmordanschläge auf die pakistanischen Sicherheitskräfte zu verüben. Die Erstürmung der Moschee sei ein grausamer Akt, sagte er der Nachrichtenagentur AP. "Ich hätte 10.000 Mudschahedin geschickt, um die Schüler (in der Roten Moschee) zu unterstützen", erklärte Dadullah weiter. Allerdings gebe es in Afghanistan viel zu tun und Islamabad sei weit weg. "Ich wünschte, ich hätte selbst hingehen können, um sie zu unterstützen."
Die USA stellten sich hinter die Entscheidung Musharrafs, die Moschee zu stürmen. Den Extremisten sei genug Zeit eingeräumt worden, erklärte das Außenministerium in Washington. Präsident George W. Bush bekräftigte sein Vertrauen in den Kampf Musharrafs gegen Extremisten.
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