Rückkehr der Flüchtlinge: Libanesen kehren in ihre zerstörten Dörfer heim
zuletzt aktualisiert: 16.08.2006 - 12:15Beirut (rpo). Am dritten Tag der Waffenruhe sind zehntausende Libanesen auf dem Heimweg. Jede Stunde setzen sich 6000 Flüchtlinge in Bewegung. Obwohl die israelische Regierung von der Rückkehr abgeraten hat, hält die Menschen nichts in den Flüchtlingslagern. In schwer beladenen Autos kriechen sie über die zerstörten Straßen. Ihr Zuhause liegt nicht selten in Schutt und Asche.
Insgesamt war eine halbe Million vor den israelischen Bomben geflohen, 200.000 davon hatten den Libanon verlassen. Auf allen Verbindungsstraßen zwischen den Hafenstädten Tyrus und Sidon und der Hauptstadt Beirut, in der ostlibanesischen Bekaa-Ebene sowie von der syrischen Haupstadt Damaskus nach Beirut haben sich kilometerlange Schlangen von schwer beladenen Autos, Kleinlastern und Lkws gebildet. Eine Autofahrt zwischen Beirut und Tyrus dauerte am Dienstag sechs Stunden - gewöhnlich reicht eine Stunde. Lange Autokolonnen gab es selbst auf den schwierigen Ausweichpfaden über das Schufgebirge, die Hochburg der Drusen.
Rund 300 mit Erde beladene Lastwagen versuchen des nachts, wenigstens die größten Bombenkrater auf der Küstenstraße zwischen Sidon und Beirut wieder aufzufüllen. Um nach der Zerstörung der Brücken nördlich von Tyrus wenigstens vorübergehend die Überquerung des Litani-Flusses zu ermöglichen, schaufelten Bagger an einigen Stellen das Flussbett zu, wie AFP-Korrespondenten berichteten. Nach ihren Angaben beobachteten israelische Flugzeuge von der Luft aus den Treck der heimkehrenden Flüchtlinge.
Hilfsdienste sind im Dauereinsatz
Das Internationale Rote Kreuz mahnt trotz des offensichtlich anhaltenden Waffenstillstands zur Vorsicht. Die Waffenruhe sei noch "sehr neu", sagte IKRK-Vertreter Andreas Wigger. Er bezeichnet die Situation in den 210 Dörfern mitten im Kriegsgebiet südlich des Litani-Flusses als immer noch "ziemlich dramatisch". Es fehle an Wasser und medizinischer Grundversorgung, immer noch müssten Leichen geborgen werden. Wigger schätzt, dass etwa zweihundert- bis dreihunderttausend Menschen im Südlibanon auf Hilfe angewiesen seien. Nach jüngsten UN-Angaben wurden während der fast fünfwöchigen Kämpfe allein auf libanesischer Seite 1109 Menschen getötet und knapp 3850 verletzt.
Care Deutschland, fordert "ein klares Mandat, einen raschen Aufbau und einen zügigen Einsatz der UN-Schutztruppe für den Libanon. Gemeinsam mit der libanesischen Armee muss die jetzt bereits im Libanon anwesende UNFIL schnellstmöglich die notwendige Sicherheit herstellen, die die erweiterte UN-Truppe dann langfristig sichern muss." Nur so könnten die Hilfsorganisationen dem Süden des Landes "endlich die Hilfe in dem Umfang bringen, die die Menschen dort dringend brauchen. Jede Verzögerung treibt die Menschen noch mehr in die Arme von Extremisten, die aus der humanitären Katastrophe Kapital schlagen wollen."
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