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Kritik von Angehörigen der Opfer: Lockerbie: Libyen stimmt Entschädigung für Hinterbliebene zu

zuletzt aktualisiert: 14.08.2003 - 21:56

London (rpo). Vor 15 Jahren kamen bei dem Anschlag auf ein Passagierflugzeug über dem schottischen Lockerbie 256 Menschen ums Leben. Jetzt stimmte die lybische Regierung der Einrichtung eines Entschädigungsfonds für die Hinterbliebenen der Opfer zu. Dieses Schuldeingeständnis ist eine wichtige Voraussetzung für die Aufhebung der Sanktionen gegen das Land.

Nach elfstündigen Verhandlungen wurde ein entsprechendes Abkommen am Mittwoch in New York unterzeichnet, wie Anwälte der Hinterbliebenen mitteilten. Der Fonds soll insgesamt 2,7 Milliarden Dollar (2,4 Milliarden Euro) umfassen.

Hinterbliebene von Opfern kritisierten, die Vereinbarung lenke von einer vollständigen Untersuchung der Ereignisse aus dem Jahr 1988 ab. Der Entschädigungsfonds sei zwar ein Schritt für Libyen, wieder in die "normale Gesellschaft" zurückzukehren, sagte einer der Angehörigen dem Radiosender BBC.

Die Hinterbliebenen waren sich jedoch einig, an ihrer Forderung nach einer "umfassenden und unabhängigen Untersuchung" des Anschlags festhalten zu wollen. Ein Sprecher amerikanischer Hinterbliebener kritisierte, der libysche Staatschef Muammar el Gaddafi könnte sich durch die Einrichtung des Fonds seiner Verantwortung für den Anschlag entziehen.

Die libysche Regierung erklärte, sie habe mit der Vereinbarung die Bedingungen des Weltsicherheitsrats für ein Ende der internationalen Sanktionen erfüllt. Voraussetzung war die Zahlung von Entschädigungen an die Hinterbliebenen der Opfer und die Verurteilung des Terrorismus. Der vereinbarte Fonds soll in Kürze bei einer Schweizer Bank eingerichtet werden. Vorgesehen ist eine Zahlung von zehn Millionen Dollar für jedes Opfer.

Zudem muss Tripolis die Verantwortung für den Anschlag auf die Pan-Am-Maschine über der schottischen Ortschaft Lockerbie übernehmen, bei dem im Dezember 1988 alle 259 Insassen und elf Menschen am Boden ums Leben kamen. Libyen übernehme "die zivile Verantwortung" für den Bombenanschlag, sagte Außenminister Abdel Rahman Schalkam der Nachrichtenagentur AP.

Da es keine Anklage gegeben habe, sei das aber keine Verantwortung in krimineller Hinsicht. Sollten die USA ihre bereits 1986 erhobenen Sanktionen gegen Libyen nicht aufheben und das Land nicht von der Liste der Staaten streichen, die ihrer Ansicht nach den Terrorismus unterstützten, werde man den amerikanischen Opfern jedoch nur die Hälfte der vorgesehenen Entschädigungssumme zahlen, teilte Schalkam mit.

Libysche Anwälte rechneten mit einer baldigen Aufhebung der Sanktionen, Diplomaten der USA und der UN zeigten sich jedoch skeptisch. Mit den Sanktionen erhöhte der Weltsicherheitsrat 1992 den Druck auf Libyen, die mutmaßlichen Lockerbie-Attentäter auszuliefern. Die Strafmaßnahmen schließen ein Verbot von Waffenexporten nach Libyen und den Stopp von Flugverbindungen ein. Nach der Auslieferung eines verdächtigen libyschen Geheimagenten wurden die Sanktionen auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Der Angeklagte wurde 2001 von einem schottischen Gericht zu lebenslanger Haft verurteilt, ein zweiter Libyer wurde freigesprochen.


 
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