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Flucht aus Venezuela
Maduro will Interpol gegen frühere Staatsanwältin einsetzen

Maduro will Interpol gegen frühere Staatsanwältin einsetzen
Die ehemalige Generalsstaatsanwältin Luisa Ortega Díaz am Flughafen in Brasilien. FOTO: rtr, UM/yh
Caracas. Venezuelas Präsident Nicolás Maduro hat angekündigt, Interpol gegen die ehemalige Generalsstaatsanwältin Luisa Ortega Díaz einzuschalten. Diese ist nach Kolumbien geflohen und möchte in Brasilien bald belastende Beweise gegen Maduro präsentieren.

Ortega habe im Geheimen mit Washington zusammengearbeitet, um die venezolanische Regierung zu schädigen, sagte Maduro am Dienstag (Ortszeit). Sie sei ein Justizflüchtling und solle ruhig bei den kolumbianischen "Oligarchen" und putschierenden Brasilianern bleiben, sagte Maduro. Er werde die internationale Polizeiorganisation Interpol gegen Ortega einschalten.

Die ehemalige Generalsstaatsanwältin hatte zuvor bekannt gegeben, dass sie an einem Treffen des südamerikanischen Handelsblocks Mercosur in Brasilien teilnehmen werde, wo sie belastende Beweise gegen Maduro vorlegen wollte. Die Handelskooperation hatte Venezuela Anfang August suspendiert.

Ortega führte gegen Maduro Ermittlungen wegen Bestechung  

Ortega war vergangene Woche gemeinsam mit ihrem Ehemann Germán Ferrer nach Kolumbien geflohen, nachdem die Maduro-treue Verfassungsgebende Versammlung sie abgesetzt und die Staatssicherheit ihr Haus durchsucht hatte.

Ortega nannte zunächst keine Details zu den Vorwürfen gegen Maduro. Am vergangenen Freitag sagte sie einer Gruppe lateinamerikanischer Staatsanwälte jedoch, die venezolanische Regierung habe sie wegen Ermittlungen absetzen lassen, die Maduro und seinem engen Vertrautenkreis Verbindungen zum Odenbrecht-Bestechungsskandal in Brasilien nachweisen könnten.

Chile gab zudem bekannt, dass das Land fünf venezolanischen Richtern, die in der chilenischen Botschaft in Caracas Zuflucht gesucht haben, Asyl gewähren würden. Sie waren bedroht worden, nachdem sie von dem von der Opposition kontrollierten Parlament ans höchste Gericht berufen worden waren.

Richter erhalten Asyl in Chile 

Der chilenische Außenminister Heraldo Muñoz sagte am Dienstag, den fünf Richtern in der Residenz des Botschafters werde Asyl in Chile gewährt. Maduro sei offiziell gebeten worden, sie ausreisen zu lassen. Das nun von der Verfassungsgebenden Versammlung entmachtete Parlament hatte Ende Juli 33 Richter für den Obersten Gerichtshof ernannt. Dieser hatte das als illegale Machtanmaßung abgelehnt.

Panama kündigte hingegen an, Venezolaner ab Oktober nur noch mit einem Visum einreisen zu lassen. Angesichts der jüngsten Ereignisse in Venezuela müsse er die Sicherheit seines Landes schützen, sagte Präsident Juan Carlos Varela am Dienstag. Zudem werde der Status der rund 25.000 Venezolaner, die sich bereits in Panama befinden, reguliert. Der Schritt erfolgte nach einem Besuch von US-Vizepräsident Mike Pence, der in Südamerika für ein härteres Vorgehen gegen die venezolanische Regierung warb.

Die Verfassungsgebende Versammlung hatte am Freitag ein Dekret beschlossen, mit dem sie vom Parlament die Befugnis zur Verabschiedung wichtiger Gesetze an sich zog. Dutzende ausländische Regierungen haben erklärt, sie würden diese Versammlung nicht anerkennen.

(dpa/ap)
 
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