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Flüchtlingsdrama: Marokko startet Luftbrücke zur Abschiebung

zuletzt aktualisiert: 10.10.2005 - 21:27

Oujda/Madrid (rpo). Eine Luftbrücke zur Abschiebung tausender schwarzafrikanischer Flüchtlinge in ihre Heimatländer hat Marokko am Montag gestartet. In der nordöstlich gelegenen Grenzstadt Oujda hob gegen Mittag eine erste Maschine mit rund 140 Einwanderern an Bord Richtung Senegal ab. Marokko wird international für seinen Umgang mit den Flüchtlingen kritisiert.

Insgesamt sollten von dort mehr als tausend Flüchtlinge abgeschoben werden. Zugleich war nach Angaben regierungsunabhängiger Organisationen ein Buskonvoi mit mehr als tausend illegalen Einwanderern Richtung mauretanischer Grenze unterwegs. Gegen 14 Uhr startete die erste Maschine der Royal Air Maroc mit Einwanderen aus dem Senegal Richtung Dakar.

Die 140 Flüchtlinge wurden bei ihrem Rückflug von 16 bewaffneten Polizisten eskortiert. In fünf weiteren Flügen binnen 48 Stunden sollten insgesamt mehr als tausend Flüchtlinge überwiegend aus dem Senegal und aus Mali von Oujda aus nach Dakar und Bamako gebracht werden.

Die Menschen hatten ihre Heimatländer vor mehreren Monaten, zum Teil bereits auch schon vor Jahren verlassen, um in die spanischen Exklaven Melilla und Ceuta im Norden Marrokos vorzudringen und so in die Europäische Union einzuwandern. Nachdem viele von ihnen nach eigenen Angaben von marokkanischen Sicherheitskräften ohne Wasser und Lebensmittel in der Wüste ausgesetzt worden waren, wurden sie am Sonntag in Bussen nach Oujda gebracht.

Nach Angaben der regierungsunabhängigen marokkanischen Organisation für Angehörige von Opfern der illegalen Einwanderung (AFVIC) wurden in der Nacht zum Montag zudem hunderte Flüchtlinge in Bussen in Richtung mauretanische Grenze gebracht. 28 Busse mit jeweils bis zu hundert Insassen seien in den Südwesten des Landes gefahren, sagte AFVIC-Chef Hicham Rachidi der Nachrichtenagentur AFP. Die Flüchtlinge kämen unter anderem aus Kamerun, Nigeria, Ghana und Togo.

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (Médecins sans Frontières - MSF) schätzte, dass in dem Buskonvoi rund 1400 Einwanderer transportiert wurden. MSF hatte in den vergangenen Tagen über die Aussetzung von Flüchtlingen ohne Wasser und Lebensmittel in der Wüste berichtet; nach internationalen Protesten hatte die Regierung in Rabat begonnen, die Flüchtlinge wieder einzusammeln.

Der spanische Außenstaatssekretär Bernardino Léon zeigte sich in Madrid erschüttert über die Berichte. Die Behörden seines Landes stünden in ständigem Kontakt mit den marokkanischen; sie böten ihre Hilfe an und äußerten ihre Besorgnis, sagte Léon.

In Berlin erklärte die stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, es sei völlig unklar, "ob die marokkanischen Behörden nicht wieder Flüchtlinge mit Handschellen gefesselt sammeln, um sie in einer anderen unwirtlichen Gegend Marokkos auszusetzen". Sie forderte eine Sonderkonferenz der Europäischen Union, um klare Regeln für den Umgang mit Flüchtlingen unter strikter Beachtung der Genfer Konvention festzulegen.

In der marokkanischen Tageszeitung "Aujourd'hui le Maroc" hieß es, das Ansehen Marokkos sei durch das Flüchtlingsdrama erheblich beschädigt. Dabei sei das Land Opfer einer "beispiellosen Wanderungsbewegung". Spanien wurde in einem Leitartikel vorgeworfen, an seinen "lächerlichen kolonialen" Exklaven festzuhalten. Der Präfekt der Stadt Oujda, Mohamed Ibrahimi, sagte, die EU dürfe das Einwanderungsproblem nicht auf Spanien und Marokko begrenzt sehen.

In den vergangenen Wochen hatten hunderte Flüchtlinge die Sperrzäune um Melilla und Ceuta überquert. Spanien hatte daraufhin mit deren Abschiebung begonnen und sich auf ein Abkommen mit Marokko aus dem Jahr 1992 berufen. Die illegalen Einwanderer werden von Melilla nach Spanien geflogen und sollen von dort in ihre Heimatländer gebracht werden. Diejenigen, die es nicht in die Exklaven schafften, werden nun von den marokkanischen Behörden abgeschoben.

Quelle: afp

 
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