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Mindestens 150 Tote bei Überfall auf Flüchtlingslager: Massaker in Burundi: Sicherheitsrat fordert Bestrafung der Täter

zuletzt aktualisiert: 16.08.2004 - 11:54

Gatumba/Burundi (rpo). Hutu-Rebellen haben in einem Flüchtlingslager der Vereinten Nationen in Burundi ein Blutbad angerichtet. Nach UN-Angaben wurden bei dem Überfall am Freitagabend mindestens 150 Menschen getötet, zumeist Frauen und Kinder. Daraufhin schlossen die Behörden der ostafrikanischen Republik am Sonntag die Grenze zum Kongo. Unterdessen hat der Weltsicherheitsrat die Tat scharf verurteilt.

Wie der burundische Innenminister Simon Nyandwi in der Hauptstadt Bujumbura mitteilte, soll die Schließung der Grenze die Untersuchung der Vorfälle in dem grenznahen Flüchtlingslager Gatumba ermöglichen.

Die Angreifer hätten das Lager in Gatumba an der kongolesischen Grenze in Brand gesteckt und ihre Opfer erschossen oder auf sie eingehackt, teilte ein Behördensprecher mit.

Zu dem Überfall bekannte sich am Samstag die Gruppe Nationale Befreiungskräfte (NLF). NLF-Sprecher Pasteur Habimana erklärte, seine Kämpfer hätten Soldaten verfolgt, die sich nach einem Angriff der NLF auf einen nahe gelegenen Militärstützpunkt in dem Lager versteckt hätten. Bei ihrer Ankunft seien die Rebellen von bewaffneten Bewohnern angegriffen worden. Es handele sich überhaupt nicht um ein Flüchtlingslager, sondern um ein Hauptquartier von Banyamulenge-Milizionären, sagte Habimana. In dem Lager leben viele Banyamulenge-Tutsi, die vor Kämpfen im Nachbarstaat Kongo geflohen sind.

Der burundische Präsident Domitien Ndayizeye widersprach nach einem Besuch vor Ort der Darstellung der Rebellen. "Ich habe keine einzige Leiche von Soldaten gesehen, sondern nur von kleinen Kindern, Frauen und alten Menschen", erklärte er. Ein Sprecher des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) bestätigte allerdings, dass die Angreifer vor dem Überfall auf das Lager auch einen Militärstützpunkt angegriffen hätten. Sie seien mit Granaten, Macheten und Maschinengewehren bewaffnet gewesen.

Der UN-Hochkommissar für Flüchtlingsfragen, Ruud Lubbers, verurteilte den Überfall als "abscheuliches Massaker an unschuldigen Zivilpersonen". Die Regierung in Burundi rief er auf, den Tutsi-Flüchtlingen ein neues Lager zur Verfügung zu stellen und sie in der Zwischenzeit zu beschützen. Um diesen Forderungen Nachdruck zu verleihen, soll ein UNHCR-Team am (morgigen) Montag nach Burundi reisen.

Der burundische Präsident Ndayizeye bezeichnete das Massaker als Schande für sein Land. Er bat die kongolesische Regierung um Hilfe bei den Ermittlungen zu dem Vorfall. Der kongolesische Präsident Laurent Kabila verurteilte die Tat ebenfalls und forderte eine internationale Untersuchung. Sein Vizepräsident Azarias Ruberwa sprach von Völkermord. Ruberwa hatte das Lager noch am Donnerstag besucht, um die Flüchtlinge zur Heimkehr zu bewegen.

Nach Angaben der UN-Mission im Kongo wird untersucht, ob der Angriff von Kämpfern eines kongolesischen Stammes unterstützt wurde. Auch einer etwaigen Beteiligung ruandischer Rebellen, die im Ostkongo operieren, soll nachgegangen werden, wie UN-Sprecherin Elisabeth Nabaa mitteilte.

Weltsicherheitsrat fordert Verurteilung der Täter

Auf Drängen Frankreichs kam der Weltsicherheitsrat in New York zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen. In einer von allen 15 Mitgliedern angenommenen Erklärung wird das Massaker "mit der größten Schärfer" verurteilt, wie Ratspräsident Andrej Denissow aus Russland mitteilte. In dem Text werden weder Täter noch Opfer identifiziert.

Der UN-Gesandte in Burundi wird aufgerufen, so schnell wie möglich die Fakten zu klären und dem Sicherheitsrat zu übermitteln. Auch UN-Generalsekretär Kofi Annan äußerte sein "Schock und Zorn" über das Blutbad. Er forderte eine umgehende Untersuchung, damit die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden können.

Quelle: ap

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