Aufhebung des Kopftuchverbots: Massendemonstration in Ankara
zuletzt aktualisiert: 02.02.2008 - 17:29Ankara (RPO). In der türkischen Metropole Ankara haben am Samstag rund 100.000 Menschen gegen die Aufhebung des Kopftuchvebotes an türkischen Universitäten demonstriert. "Die Türkei ist ein weltliches Land und wird es auch bleiben", skandierten die Demonstranten auf ihrem Marsch zum Mausoleum von Republikgründer Mustafa Kemal Atatürk. Die islamisch orientierte Regierung verteidigte dagegen ihr Vorhaben.
"Wir wollen alle lächerlichen Verbote in der Türkei aufheben," erklärte Egemen Bagis, ein enger Mitarbeiter von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan. "Wir wollen, dass sich jeder frei bewegen und Bildung erhalten kann, sei es im Minirock oder mit Kopftuch."
Atatürk, der Gründer des modernen türkischen Staates, hatte in der Verfassung das Prinzip des Säkularismus verankert, das insbesondere von den Streitkräften vehement verteidigt wird. Das Tragen eines Kopftuchs wird von liberalen Türken als politische Aussage für einen islamischen Staat gewertet. Senal Saruhan vom Republikanischen Frauenverband, der die Demonstration organisierte, warf der Regierung die "Ausbeutung der Religion" vor.
Vor Beginn der Proteste erklärte der türkische Außenminister Ali Babacan, der Streit um das Kopftuchverbot habe dem Ansehen der Türkei im Ausland geschadet. Die Türkei müsse Fortschritte im Bereich der Menschenrechte machen, um Mitglied in der Europäischen Union werden zu können. Wichtigstes Ziel der Regierung sei es, allen Bürgern Freiheiten zu verschaffen.
Die regierende Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP) hat ein Gesetz im Parlament eingebracht, mit dem das Kopftuchverbot gekippt werden soll. Die Abstimmung wird in den kommenden Tagen erwartet.
Die Gesetzesvorlage beruht auf einer Vereinbarung der islamischen AKP mit der oppositionellen Nationalistischen Aktionspartei (MHP) vom rechten Rand des politischen Spektrums. Demnach sollen Studentinnen künftig ein Kopftuch tragen dürfen, sofern es unter dem Kinn zusammengebunden wird und nicht das Gesicht verdeckt.
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