Letzte deutsche Journalisten ausgewiesen: Massiver Truppenaufmarsch in Tibet
zuletzt aktualisiert: 20.03.2008 - 09:43Peking (RPO). Erstmals hat die chinesische Regierung am Donnerstag Angaben über die Unruhen außerhalb Tibets gemacht. Es habe in zwei weiteren Provinzen Proteste gegeben, man habe dort mit verstärkter Truppenpräsenz reagiert. Nach Angaben des deutschen Korrespondenten Georg Blume hat China seine Truppenpräsenz in der Hauptstadt Lhasa massiv verstärkt. Inzwischen wurden die letzten deutschen Journalisten aus Tibet ausgewiesen.
Er habe einen Konvoi von mindestens 200 Armeefahrzeugen mit je 30 Soldaten gesehen - das seien rund 6000 Sicherheitkräfte, die binnen eines Tages in Lhasa unterwegs gewesen seien, sagte Blume der britischen BBC, kurz bevor er Donnerstagfrüh Tibet verlassen musste.
Blume schreibt unter anderem für die Hamburger Wochenzeitung "Die Zeit". Ein in West-China ansässiger BBC-Journalist berichtete, er habe mehr als 400 Militärfahrzeuge gezählt, die in Konvois von rund 80 Fahrzeugen in Richtung Tibet unterwegs seien.
Einige Soldaten seien mit automatischen Waffen ausgerüstet, andere trügen Kampfanzüge und Schutzschilde, sagte der BBC-Journalist. "Es sieht so aus, als stocke China seine Truppen in Tibet wenige Tage nach den Protesten in Lhasa drastisch auf", sagte der BBC-Reporter. Andere BBC-Journalisten berichteten, sie hätten rund zwei Dutzend Fahrzeuge von Sicherheitskräften auf einem Zug gesehen, der von West-China nach Tibet fahre.
Auf einem der Fahrzeuge habe gestanden, dass es sich um die Schnelle Eingreiftruppe der chinesischen Polizei handle. Auch in der südwestchinesischen Provinz Sichuan, die an Tibet grenzt, waren nach einem Augenzeugenbericht vom Mittwoch große Truppenbewegungen auszumachen. Armeefahrzeuge seien auf Landstraßen an der Grenze zu Tibet unterwegs.
"Viele, viele Soldaten da"
Eine Tibeterin im Nordwesten von Sichuan sagte telefonisch: "Es sind viele, viele Soldaten da. Ich habe Angst, das Haus zu verlassen." Sie habe von zahlreichen Verhaftungen gehört, sagte die Bewohnerin des Bezirks Aba.
Offenbar kommt es in den tibetisch besiedelten Regionen der Nachbarprovinzen Sichuan und Gansu weiterhin zu vereinzelten Protestaktionen. Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete am Donnerstag erstmals von Unruhen in diesen Provinzen. In Aba, das auf Tibetisch Ngawa heißt, seien am Sonntag Geschäfte und Regierungsgebäude angegriffen worden, meldete Xinhua. Ähnliche Vorfälle habe es in fünf Regionen der Provinz Gansu gegeben.
Die chinesischen Behörden haben Tibet und die angrenzenden Provinzen weiter für alle Ausländer abgeriegelt, die letzten zwei deutschen Journalisten mussten Tibet verlassen. Damit wird eine Region isoliert, die vier Mal so groß wie Frankreich ist.
Die chinesische Regierung hat "besorgt" auf die Ankündigung des britischen Premierministers Gordon Brown reagiert, er wolle den Dalai Lama treffen. "China ist zutiefst besorgt", sagte ein Sprecher des Außenministeriums am Mittwoch in Peking laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Xinhua. "Wie wir es immer wieder gesagt haben, ist der Dalai Lama ein politischer Flüchtling, der mit seinen Aktivitäten unter dem Deckmantel der Religion China spalten will", sagte der Sprecher weiter.
Brown hatte am Mittwoch im britischen Parlament gesagt, er werde den Dalai Lama treffen, wenn dieser in London sei. Sein Büro nannte kein Datum für die geplante Zusammenkunft. Laut der britischen Tibet-Gesellschaft wird das geistliche Oberhaupt der Tibeter am 22. Mai zu einer Veranstaltung in der Royal Albert Hall in der britischen Hauptstadt erwartet.
Browns Vorgänger Tony Blair war 2004 heftig kritisiert worden, weil er ein Treffen mit dem religiösen Führer abgelehnt hatte. Der Empfang des Dalai Lama durch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im Kanzleramt im September vergangenen Jahres sorgte für monatelange diplomatische Verstimmungen zwischen Deutschland und China.
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