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Proteste gegen G-8-Gipfel: Mehr als 150 Verletzte bei Krawallen in Rostock

zuletzt aktualisiert: 02.06.2007 - 22:18

Rostock (RPO). Brennende Autos, Molotow-Cocktails und Wasserwerfer - schwere Straßenschlachten haben am Samstag den ansonsten friedlichen Protest zehntausender Globalisierungskritiker in Rostock überschattet. Mehr als 150 Menschen wurden verletzt, davon 25 Polizisten schwer. 52 Personen wurden bis zum Abend festgenommen.

25 Polizisten erlitten schwere und schwerste Verletzungen. Sie werden wegen teils offener Brüche an Arm und Fuß sowie wegen Platzwunden an Kopf und anderen Körperteilen in Krankenhäusern behandelt, wie eine Sprecherin der mit der Gipfelvorbereitung beauftragten Polizeibehörde "Kavala" am Abend auf ddp-Anfrage sagte.

Mehrere tausend Autonome lieferten sich am Rande der Demonstration gegen den G-8-Gipfel heftige Straßenschlachten mit der Polizei. Fast 150 Polizisten wurden teils schwer verletzt, auch unter den Demonstranten gab es zahlreiche Verletzte. Die Autonomen errichteten Straßenbarrikaden, zündeten ein Auto an und stürzten Mülltonnen um. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas ein.

Die Lage eskalierte am Rande der Großkundgebung mit laut Polizei rund 25.000 und laut Veranstaltern rund 80.000 Teilnehmern am Rostocker Hafen, wo gegen 16 Uhr auch eine große Abschlusskundgebung startete. Laut Polizei kam es wiederholt zu "massiven Angriffen" aus einer Gruppe von insgesamt bis zu 3000 teils vermummten Autonomen. Die Demonstranten seien grundlos auf Polizisten losgegangen, hätten ein Polizeiauto zerstört und mehrere Beamte verletzt. Es spielten sich tumultartige Szenen ab, Rettungsfahrzeuge fuhren heran.

Polizei setzte Wasserwerfer ein

Gegen 17.30 Uhr eskalierte die Lage. "Die Autonomen schlagen alles kurz und klein, was sich ihnen in den Weg stellt", sagte ein Polizeisprecher. Gehwegplatten wurden herausgerissen, Parkscheinautomaten zerstört. Schwarzer Rauch zog durch die Straßen. Die Polizei versuchte mit Tränengas und Wasserwerfern, die Demonstranten in Schach zu halten.

Auf beiden Seiten gab es laut Polizei mehrere teils Schwerverletzte. 146 Polizisten wurden verletzt, 25 davon schwer. Bis zum Abend wurden 52 Personen in Gewahrsam genommen, zwei wurden nach der Identitätsfeststellung wieder entlassen. Zahlreiche Demonstranten verließen wegen der Krawalle die friedliche Abschlusskundgebung nur wenige hundert Meter entfernt.

Bereits kurz nach Beginn der Demonstration hatte es laut Polizei erste Angriffe gegeben. Ein Demonstrant verletzte einen Polizisten mit einem Messer. Farbbeutel, Flaschen und Steine flogen, auch ein Hotel, wo eine Delegation US-Gesandter wohnen soll, war Ziel der Attacke. Mehrere Schaufensterscheiben in der Stadt gingen zu Bruch.

Veranstalter distanzieren sich von Gewalt

Die Veranstalter distanzierten sich von den Gewalttätern. "Es gibt keinerlei Rechtfertigung für den Angriff auf Personen", sagte Attac-Aktivist Werner Rätz. Der Protestmarsch unter dem Motto "Eine andere Welt ist möglich" war von zahlreichen Gruppen aus dem In- und Ausland organisiert worden. Die Demonstranten wandten sich unter anderem gegen die Existenz von Atomwaffen und die Irak-Politik der USA. Zudem warfen sie den Industriestaaten Ausbeutung der Dritten Welt vor und forderten Maßnahmen gegen den Klimawandel.

Der Innenminister von Mecklenburg-Vorpommern, Lorenz Caffier, kritisierte die Ausschreitungen scharf. "Diese von vornherein auf Konfrontation ausgerichteten Chaoten konterkarieren das berechtigte Ansinnen der friedlichen Demonstranten", sagte er.

Um Ausschreitungen zu verhindern, war die Polizei mit einem Großaufgebot vor Ort und hatte strenge Sicherheitsauflagen erlassen. Insgesamt sollen bei den Protesten und zum Schutz des G-8-Gipfels vom 6. bis 8. Juni in Heiligendamm 16.000 Polizisten eingesetzt werden.

In Schwerin waren eine Kundgebung der rechtsextremistischen NPD sowie eine Gegendemonstration verboten worden. Am Bahnhof wurden am Mittag rund 200 Autonome in Gewahrsam genommen. Vor dem Brandenburger Tor in Berlin demonstrierten rund 100 NPD-Anhänger, laut Polizei kam es zu 13 Festnahmen. In Lüneburg demonstrierten 350 NPD-Anhänger, rund 130 wurden in Gewahrsam genommen.

Quelle: ap

 
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