Staatengemeinschaft unterstützt Wiederaufbau: Mehr als 20 Milliarden Dollar für Afghanistan
zuletzt aktualisiert: 12.06.2008 - 21:09Paris (RPO). Den Wiederaufbau in Afghanistan will die internationale Gemeinschaft in den kommenden Jahren mit rund 21 Milliarden Dollar (13,6 Milliarden Euro) unterstützen. Zusagen in dieser Höhe kamen am Donnerstag auf einer Geberkonferenz in Paris zusammen.
Das erklärte der französische Außenminister Bernard Kouchner am Abend. Die Staatengemeinschaft billige zugleich ein Entwicklungsprogramm von Präsident Hamid Karsai bis 2013, das eine bessere Koordinierung der Hilfe vorsieht.
"Wir brauchen eine bessere Führung in Kabul und wesentlich bessere Koordinierung", hatte der neue UN-Sonderbeauftragte für Afghanistan, Kai Eide, zuvor gefordert. "Ein 'Weiter so' darf es nicht geben", erklärte auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier. Ein entschiedenes Vorgehen gegen Korruption und eine stärkere Förderung der Landwirtschaft seien notwendig. Im Abschlussdokument der Konferenz bekannten sich die Staatengemeinschaft und die afghanische Regierung ausdrücklich zu diesen Zielen.
Die Zusagen summierten sich trotz der Kritik schließlich auf 21 Milliarden Dollar und übertrafen damit die Erwartungen deutlich. Der größte Beitrag (10,2 Milliarden Dollar) kommt von den USA, Deutschland steuert in den kommenden zwei Jahren 420 Millionen Euro bei, Großbritannien umgerechnet 714 Millionen Euro.
Karsai braucht für seinen Entwicklungsplan in den kommenden fünf Jahren insgesamt 50 Milliarden Dollar. Seine Strategie sieht die Bekämpfung von Armut und Korruption vor, eine Verbesserung der Sicherheit, Gesundheitsversorgung und Bildung sowie eine Stärkung der Rechtstaatlichkeit. Sechseinhalb Jahre nach dem Sturz der Taliban trete sein Land in eine neue Phase ein, sagte der Präsident.
Bereits 15 Milliarden Dollar geflossen
Seit Beginn des Wiederaufbaus nach einem Vierteljahrhundert Krieg sind bereits 15 Milliarden Dollar Hilfszahlungen nach Afghanistan geflossen. Zwei Jahre nach der letzten Geberkonferenz in London zogen die Vertreter von rund 80 Staaten und Organisationen in Paris auch eine Zwischenbilanz.
"Der Prozess ist sehr fragil und muss stabilisiert werden", sagte der UN-Sonderbeauftragte Eide. 80 Prozent der Afghanen haben noch keine Elektrizität, in vielen Provinzen gibt es noch so gut wie keine Straßen. "Aber 85.000 Kinder sind in den ersten Lebensmonaten nicht gestorben, weil sich die Gesundheitsversorgung verbessert hat", betonte Steinmeier.
Karsais Entwicklungsplan sieht die schrittweise Übernahme der Verantwortung durch die afghanische Regierung vor. Steinmeier bekräftigte das Ziel der EU, die Anstrengungen für die Ausbildung der afghanischen Sicherheitskräfte zu verdoppeln. Auf Spekulationen in Deutschland, Berlin werde sein Truppenkontingent in Afghanistan von 3.500 bis auf 4.800 Mann erhöhen, ging Steinmeier nicht konkret ein.
Landwirtschaft soll Priorität erhalten
Neben der Sicherheit soll der Aufbau einer legalen Landwirtschaft Priorität erhalten. Der Opiumanbau ist dramatisch gestiegen, aus Afghanistan kommen 90 Prozent des weltweit gehandelten Heroins. "Die Entwicklung der Landwirtschaft wurde vernachlässigt, sie ist der zentrale Baustein gegen die Drogenwirtschaft", sagte Karsai.
Deutlicher als bislang bekannte sich der Präsident zu seiner eigenen Verantwortung. "Schlechtes Regieren ist ein Grund für die fehlende Effizienz", sagte er und versprach, Antikorruptionsmaßnahmen umzusetzen. Die Weltbank ist allerdings skeptisch. Nach ihrer Einschätzung hat das Vertrauen in die afghanischen Institutionen abgenommen.
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