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Algerien Demonstration Panorama, AFP 2011-0212
  Foto: AFP, AFP
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Polizei greift Demonstranten an: Mehr als 400 Festnahmen in Algerien

zuletzt aktualisiert: 12.02.2011 - 17:08

Algier (RPO). Bei einem Protest von tausenden Menschen gegen die Regierung in Algerien sind nach Angaben eines algerischen Menschenrechtsaktivisten mehr als 400 Menschen festgenommen worden, darunter Frauen und ausländische Journalisten.

Rund 28.000 Sicherheitskräfte seien in der algerischen Hauptstadt Algier stationiert, sagte Ali Yahia Abdenour am Samstag. Sie blockierten demnach den Protestmarsch und lösten Menschenmengen auf. Nach Angaben der Organisatoren der Protestaktion nahmen rund 10.000 Menschen daran teil. Die Behörden sprachen hingegen von 1500 Teilnehmern.

Wie Korrespondenten der Nachrichtenagentur AFP berichteten, versuchten rund 2000 Menschen am Samstag für einen "Systemwechsel" im nordafrikanischen Algerien zu demonstrieren. Der Protestmarsch war jedoch von den Behörden nicht genehmigt worden. Ein Großaufgebot der Polizei versuchte deshalb, die Kundgebung zu unterbinden. Neben den 30.000 Sicherheitskräften waren entlang der Route hunderte gepanzerte Fahrzeuge und Wasserwerfer aufgestellt.

Kurz vor dem geplanten Beginn des Protestmarschs überwanden etliche Demonstranten kurzzeitig eine Absperrung am Platz des 1. Mai, um ihren Demonstrationszug durch die Innenstadt wie geplant abzuhalten. Journalisten zufolge kam es zwischen hunderten Demonstranten und der Polizei zu gewaltsamen Zusammenstößen. Das algerische Innenministerium sprach von 250 Regierungsgegnern. 14 Menschen wurden demnach vorübergehend festgenommen.

"Freies Algerien" und "Weg mit dem Regime" riefen die Demonstranten. Ihnen stand eine kleine Gruppe von Anhängern von Bouteflika gegenüber: "Bouteflika ist nicht Mubarak", schrien sie in Anspielung auf den ägyptischen Präsidenten, der am Freitag unter dem Druck von Massenprotesten zurückgetreten war. Am frühen Nachmittag kam der Straßenverkehr in dem bis dahin streng bewachten Stadtzentrum wieder langsam in Gang.

Algeriens Präsident Bouteflika hofft auf eine dritte Amtszeit. Foto: RPO

Wie in zahlreichen anderen arabischen Staaten auch hatten in Algerien zu Jahresbeginn viele Menschen gegen hohe Lebenshaltungskosten und Arbeitslosigkeit protestiert. Dabei kamen fünf Menschen ums Leben. Zu dem Demonstrationszug am Samstag hatte die Nationale Koordinierung für den Wandel und die Demokratie (CNCD) aufgerufen, ein Bündnis aus Oppositionsparteien, unabhängigen Gewerkschaften und zivilgesellschaftlichen Akteuren.

 Ägypten und Tunesien als Vorbild

Der Erfolg der Protestbewegung in Ägypten und der Sturz des tunesischen Staatschefs Zine El Abidine Ben Ali im benachbarten Tunesien haben der algerischen Opposition und ihrer Forderung nach politischen Reformen neuen Auftrieb gegeben.

Am 22. Januar war es zu Zusammenstößen zwischen der Polizei und Demonstranten gekommen, die für Versammlungsfreiheit auf die Straße gegangen waren. Die Demonstranten hatten die Abdankung von Präsident Bouteflika gefordert.

Wie in vielen anderen Ländern Nordafrikas gärt es auch in Algerien. Anfang Januar kam es zu Protesten gegen die heraufgesetzten Preise für Grundnahrungsmittel wie Milch, Zucker und Mehl sowie die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit. Zwei Demonstranten wurden getötet. In dieser Woche traten Mitarbeiter von Krankenhäusern und Bankangestellte in den Streik.

Der Ausnahmezustand wurde verhängt, als das nordafrikanische Land Anfang der 90er Jahre in einem Bürgerkrieg zwischen militanten Islamisten und Regierungstruppen zu versinken drohte. Bis zu 200.000 Menschen kamen damals ums Leben. Die Gewalt hat in den vergangenen Jahren jedoch nachgelassen, Anschläge gibt es nur noch sporadisch.

Quelle: apd/afp/felt/das

 
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