Zahl steigt seit 1995 stetig an: Mehr als eine Milliarde Menschen leiden Hunger
zuletzt aktualisiert: 14.10.2009 - 14:56Rom/Berlin (RPO). Mehr als eine Milliarde Menschen auf der Welt leiden Hunger - so viele wie nie zuvor. Der traurige Rekord ist eine Folge hoher Lebensmittelpreise in Kombination mit den Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise, wie die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) am Mittwoch in Rom erklärte.
FAO-Generaldirektor Jacques Diouf appellierte, die Investitionen in Landwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion müssten drastisch gesteigert werden. Die Zahl der unterernährten Menschen steigt seit 1995 unaufhörlich an. Im Juni dieses Jahres durchbrach sie laut FAO erstmals die Marke von einer Milliarde. Gegenwärtig leiden demnach 1,02 Milliarden Menschen Hunger, vor einem Jahr waren es 963 Millionen.
Die Welthungerhilfe warnte am Mittwoch, das 21. Jahrhundert drohe "zum Hungerjahrhundert" zu werden. "Jeder sechste hat nicht ausreichend zu essen", erklärte Verbandspräsidentin Bärbel Dieckmann anlässlich der Vorstellung des Welthunger-Index 2009. Am schlimmsten ist die Lage demnach in der Republik Kongo, wo drei Viertel der Bevölkerung hungern, gefolgt von Burundi, Eritrea, Sierra Leone, dem Tschad und Äthiopien.
"Krise ist historisch beispiellos"
Laut FAO leben 642 Millionen hungerleidende Menschen in Asien und dem Pazifischen Raum, 265 Millionen in Afrika südlich der Sahara und 53 Millionen in Lateinamerika und der Karibik. Insgesamt sind 30 Länder auf Lebensmittelhilfe angewiesen, davon 20 in Afrika.
"Die gegenwärtige Krise ist historisch beispiellos", erklärte die FAO. Weil die Entwicklungsländer stärker in die Weltwirtschaft integriert seien als noch vor 20 Jahren, seien sie auch viel anfälliger für Krisen auf den internationalen Märkten.
Nach Schätzungen der UN-Organisation müsste die Nahrungsmittelproduktion weltweit um 70 Prozent gesteigert werden, um die 9,1 Milliarden Menschen zu ernähren, die einer Prognose zufolge im Jahr 2050 auf der Erde leben. Dafür würden Entwicklungsländer jedes Jahr Hilfe in Höhe von 44 Milliarden Dollar für die Landwirtschaft benötigen - verglichen mit derzeit knapp acht Milliarden Dollar.
Stärkung von Frauen gefordert
Der Studie der Welthungerhilfe zufolge sind 70 Prozent der 1,4 Milliarden Armen weltweit Frauen. Sie müssen mit weniger als einem Euro pro Tag auskommen. "Die Stärkung von Frauen ist ein Schlüssel im Kampf gegen Hunger und Armut, der noch zu wenig beachtet wird", sagte Dieckmann.
Als Präsidentin einer der größten Hilfsorganisationen in Deutschland appellierte Dieckmann an Bundeskanzlerin Angela Merkel, nach der Regierungsbildung die Themen Armutsbekämpfung und ländliche Entwicklung in den Mittelpunkt der Entwicklungszusammenarbeit zu stellen. "Deutschland hat trotz wachsender Probleme hierzulande eine globale Verantwortung", betonte sie.
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