Mussawis Neffe unter den Opfern: Mehrere Tote bei Protesten im Iran
zuletzt aktualisiert: 27.12.2009 - 16:32Teheran (RPO). Im Iran eskaliert die Gewalt: Bei den Protesten gegen die Führung in Teheran sind bis zu acht Menschen getötet worden. Unter den Opfern soll sich der Neffe von Oppositionsführer Mir-Hossein Mussawi befinden. Ausländische Medien wurden bei der Berichterstattung behindert.
Am schiitischen Aschura-Fest ist es in Teheran zu den schwersten Zusammenstößen seit der Protestwelle gegen die Präsidentenwahl im Juni gekommen. Dabei wurden nach Angaben aus Oppositionskreisen und Augenzeugenberichten mindestens vier Menschen getötet, darunter auch ein Neffe von Oppositionsführer Mir Hossein Mussawi. Gewaltsame Zwischenfälle bei Demonstrationen wurden auch aus den Städten Isfahan, Schiras und Nadschafabad gemeldet. Die Polizei dementierte indes, dass Menschen zu Schaden gekommen seien.
Mit Sprechchören wie "Tod dem Diktator" gingen in Teheran mehrere tausend Anhänger der Oppositionsbewegung auf die Straße. Auf der Enghelab-Straße gaben die staatlichen Einsatzkräfte zunächst Warnschüsse in die Luft ab und gingen mit Tränengas und Schlagstöcken gegen die Menschenmenge vor. Schließlich hätten sie direkt auf Demonstranten geschossen, berichteten Augenzeugen und die dem Reformlager nahestehende Website Rah-e-Sabs.
Ali Mussawi sei später im Krankenhaus seinen Schusswunden erlegen, erklärte ein Berater von dessen Onkel. Diese Nachricht war auch einer Webseite der Reformbewegung zu entnehmen. In einem Amateurvideo war zudem zu sehen, wie eines der Todesopfer, ein älterer Mann mit blutüberströmten Gesicht, von Oppositionsanhängern weggetragen wurde. Aufgebrachten Demonstranten riefen: "Ich werde die Täter umbringen, die meinen Bruder getötet haben." Sie warfen Steine auf die Einsatzkräfte und setzten Dutzende Motorräder in Brand, wie sie von den Bassidsch-Milizionären eingesetzt werden.
Nach Angaben des französischen Außenministeriums sind möglicherweise bis zu acht Menschen ums Leben gekommen. In einer in Paris herausgegebenen Erklärung verurteilte das Ministerium am Sonntagabend die Gewalt von Sicherheitskräften gegen oppositionelle Demonstranten und rief zu einer politischen Lösung der wachsenden Krise im Iran auf. Das iranische Staatsfernsehen bestätigte inzwischen, dass es Tote gegeben habe. Die Polizei sprach von vier Opfern.
Ausländische Reporter am Berichten gehindert
Journalisten internationaler Nachrichtenmedien war es verwehrt, über die Kundgebung zu berichten. Wie in der Vergangenheit bei ähnlichen Zusammenstößen wurde das Mobilfunknetz abgeschaltet, Internetleitungen waren auf eine minimale Bandbreite gedrosselt. Deutlich sichtbar war jedoch, dass über dem Zentrum von Teheran zeitweise schwarze Rauchwolken aufstiegen. Sirenen von Rettungswagen waren zu hören, Polizeihubschrauber kreisten über den Straßen.
Bereits am Samstag kam es zu ersten Zusammenstößen, wie die Betreiber von Rah-e-Sabs berichteten. Dabei wurden Tränengas und Pfefferspray gegen Demonstranten eingesetzt.
Die Spannungen im Iran begannen im Juni nach der umstrittenen Wiederwahl von Präsident Mahmud Ahmadinedschad. Die Situation verschärfte sich vor einer Woche nach dem Tod des regimekritischen Geistlichen Ayatollah Hossein Ali Montaseri. Am vergangenen Montag nahmen mehrere zehntausend Menschen an dessen Beisetzung in der heiligen Stadt Ghom teil.
Hardliner stören Rede Chatamis
Am Samstagabend sprengten rund 50 regierungstreue Aktivisten eine Rede des populären früheren Präsidenten Mohammad Chatami. Wie die reformerische Website Salaam News berichtete, wurden einige der Zuhörer geschlagen, mehrere Menschen seien verletzt worden. Die Angreifer hätten dem obersten geistlichen Führer Ayatollah Ali Chamenei in Parolen ihre Unterstützung bekundet. Chatami sprach im Norden Teherans in der früheren Residenz des verstorbenen Gründers der islamischen Republik, Ayatollah Ruhollah Chomeini.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum