Dreiergipfel: Merkel bewegt sich auf glattem Parkett
zuletzt aktualisiert: 23.09.2006 - 17:30Compiègne (rpo). Deutschland, Frankreich und Rußland haben sich bei einem Dreiergipfel in der Nähe von Paris als verläßliche Partner präsentiert. Sie wollen gemeinsam für den Frieden eintreten und in strategischen Bereichen wie Energie und Flugzeugbau kooperieren.
Mit Blick auf die russische Energiepolitik hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im nordfranzösischen Compiègne eine Kooperation zwischen beiden Ländern angemahnt. Die Zusammenarbeit "muss darauf beruhen, dass wir zuverlässige Partner sind", sagte Merkel am Samstag beim deutsch-französisch-russischen Dreiergipfel. Die Kanzlerin forderte eine für beide Seiten profitable Situation.
Der russische Präsident Wladimir Putin erwiderte, sein Land habe in punkto Energieversorgung "die Absicht, alle unsere Verpflichtungen gegenüber unseren europäischen Partnern zu erfüllen". Merkel haben ihn bereits gebeten zu prüfen, ob Russland gewisse Lieferungen künftig nach Westeuropa ausrichten könnte, sagte Putin.
Dies wäre auch "durchaus möglich". Der Energiekonzern Gazprom prüfe dies. Allein das Gasförderfeld von Schtokman gewährleiste "50 bis 75 Jahre" Lieferungen. "Dies schafft eine stabile und zuverlässige Situation im Bereich der europäischen Energiepolitik und vor allem für Deutschland."
Zwischen Verbrauchern und Lieferanten von Energie bestehe eine "gegenseitige Abhängigkeit", sagte Putin. Es handele sich aber um eine "positive Abhängigkeit", welche die Zusammenarbeit stärke. Offenbar mit Blick auf den umstrittenen Plan einer Ostsee-Pipeline fügte er hinzu, Russlands Projekte seien "gegen niemanden ausgerichtet". Es gehe nur um eine "Diversifizierung der Transportwege". Die bisherigen Energie-Transitländer "werden weiter eine wichtige Rolle spielen".
Glattes diplomatisches Parkett
Während Wladimir Putin und Jacques Chirac beim Dreiergipfel ganz in ihrem Element waren, ist für Angela Merkel das diplomatische Parkett dagegen an diesem Wochenende etwas glatt. Während Franzosen und Russen das Treffen ihrer Präsidenten mit Merkel im Kaiserschloss von Compiègne bei Paris zufrieden als Demonstration ihrer eigenen Wichtigkeit verstehen, versucht Merkel, bloß keinen zu verprellen - immer mit Blick auf die vielen Partner, die nicht geladen sind und derartige Gipfel stets mit Argwohn verfolgen.
Das Treffen sei gegen niemanden gerichtet, sagt Merkel. Die Gipfel gebe es seit 1998. Wenn Deutschland und Frankreich sich mit Russland träfen, so leiste dies einen Beitrag zur Vertiefung der Beziehungen zwischen der gesamten Europäischen Union und Russland. Vor allem aus den baltischen Staaten und aus Polen war im Vorfeld Kritik an den Gipfeltreffen laut geworden.
In einem Monat wird Putin als Gast beim EU-Gipfel im finnischen Lahti erwartet. Im Mittelpunkt wird dabei die "Energiepartnerschaft" stehen, welche die Kundschaft in Europa mit Russland schmieden möchte - das wiederum seine Vorkommen an Öl und Gas möglichst Gewinn bringend verkaufen will. Auch in Compiègne steht Energie im Mittelpunkt, als Wirtschaftsfaktor mit großer strategischer Bedeutung.
"Zuverlässige Partner"
In diesem Bereich seien "zuverlässige Partner" gefragt, sagt Merkel, und die Botschaft scheint bei Putin anzukommen: Er beteuert, Russland wolle bei den Energielieferungen "alle Verpflichtungen erfüllen". Ganz marktwirtschaftlich sieht der Kremlchef eine "gegenseitige Abhängigkeit" zwischen Verbrauchern und Lieferanten, eine "positive Abhängigkeit", wie er sagt.
Dabei geht Putin kurz auch auf die geplante Ostsee-Pipeline ein, deren Bau er noch mit Merkels Vorgänger Gerhard Schröder (SPD) vereinbart hatte. Damit hatte Schröder vor allem die Regierung in Warschau gegen sich aufgebracht. Die Kanzlerin hingegen will Polen und auch die Balten stärker einbinden.
Deswegen müht sie sich in Compiègne, die Gipfelkontakte zur alten osteuropäischen Vormacht Russland in nüchternem Licht erscheinen zu lassen: "Wir haben gemeinsame Interessen und die Notwendigkeit, uns auszutauschen", sagt sie über die Verbindungen zu Moskau. Das Treffen nutze den Beziehungen zwischen der EU und Russland.
Wirtschaftsabkommen in Milliardenhöhe
Putin scheut sich dagegen nicht, das Treffen in der Art eines zufriedenen Geschäftsmanns zu bilanzieren. Wirtschaftsabkommen im Umfang von mehr als zehn Milliarden Dollar (gut 7,8 Milliarden Euro) habe er mit Chirac unter Dach und Fach gebracht.
Am Rande lässt der russische Staatschef seine Einschätzung der Dinge kurz aufblitzen. Da wird er von einer kleinen Gruppe russischer Journalisten gefragt, warum bloß Deutsche und Franzosen den russischen Einstieg beim Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS mit soviel Misstrauen begegnen: "Weil wir groß und reich sind", antwortet Putin nur halb im Scherz.
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