Weltwirtschaftsforum in Davos: Merkel wirbt für Weltwirtschaftsrat
zuletzt aktualisiert: 30.01.2009 - 18:47Davos (RPO). Bundeskanzlerin Angela Merkel hat angesichts der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise einen Weltwirtschaftsrat bei den Vereinten Nationen vorgeschlagen. Sie regte am Freitag auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos eine internationale Charta für nachhaltiges Wirtschaften an. Diese könne in einen Weltwirtschaftsrat, ähnlich dem Sicherheitsrat münden.
Merkel rief zu einer kraftvollen internationalen Zusammenarbeit auf. "Die Welt hat schon ganz andere Herausforderungen bewältigt", sagte die CDU-Chefin. "Nichts ist unmöglich". Notwendig sei ein klarer Kompass, damit es in einigen Jahren nicht wieder zu der gleichen Krise komme. Exzesse, die ohne Verantwortungsbewusstsein begangen worden seien, müssten verhindert werden. Die soziale Marktwirtschaft mit ihrer staatlichen Ordnungsfunktion sei ein gelungenes Beispiel mit Prinzipien, "auf die wir uns weltweit einigen sollten", sagte Merkel.
Als weitere wichtige Punkte nannte sie den Klimaschutz, Armutsbekämpfung, eine offene Weltwirtschaft und globale Strukturen für ein funktionierendes Finanzsystem. Diese Prinzipien sollten international festgelegt werden, zum Beispiel in einer Charta für nachhaltiges Wirtschaften.
Ban mahnt Hilfe für Arme an
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon mahnte, die Wirtschaftskrise drohe andere weltweite Probleme wie den Klimawandel und den Kampf gegen die Armut in den Hintergrund zu drängen. "Die Armen auf der Welt brauchen mehr denn je Hilfe. Überseht sie nicht." Unterstützt wurde er in seiner Forderung von Bill und Melinda Gates. Die Investitionen zur Verbesserung des Gesundheitssystems in Entwicklungsländern müssten gerade in Zeiten der Krise aufrechterhalten werden, erklärte die Stiftung der beiden. "In diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten sind die Armen die Menschen, die am härtesten getroffen werden", sagte Melinda Gates der Nachrichtenagentur AP. Die Hilfsgelder aus den reichen Ländern würden weiter gebraucht und auch das Niveau müsse gehalten werden.
Lehren aus der Finanzkrise
Merkel betonte, es dürfe nicht bei Krisenmanagement bleiben. Es gehe auch darum Lehren aus der Finanzkrise zu ziehen. Die Finanzmärkte müssten künftig wieder ihre dienende Funktion gegenüber der Wirtschaft erfüllen. Notwendig sei dabei auch mehr Transparenz. Sie hoffe in diesem Punkt auch auf die neue US-Regierung unter Präsident Barack Obama. Während ihrer G-8-Präsidentschaft 2007 hatte die Bundesregierung vergeblich versucht, international eine stärkere Kontrolle von Hedgefonds durchzusetzen.
Nach Einschätzung der Kanzlerin werden die G-8, die wichtigsten Industriestaaten der Welt und Russland, die Probleme allein nicht lösen. Sie halte die G-20 auch auf der Ebene der Staats- und Regierungschefs für ein gutes Format. Die G-20, die größten Industrie- und Schwellenländer wollen sich am 2. April in London treffen. Sie bemühen sich seit vergangenem November um eine Neuordnung des Weltfinanzsystems.
Gore dringt auf Klimaschutz
Friedensnobelpreisträger Al Gore rief die Politik in Davos auf, trotz der weltweiten Wirtschaftskrise rasch ein neues Klimaschutzabkommen für die Zeit ab 2013 zu verabschieden. "Wir brauchen eine Vereinbarung in diesem Jahr, nicht nächstes Jahr oder irgendwann sonst", sagte Gore am Freitag auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos an Obama und weitere Staats- und Regierungschefs gerichtet.
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