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Flugzeugabsturz
Ukrainische Rakete schoss MH17 ab - vielleicht aber auch nicht

Fotos: Helfer räumen Trümmerfeld nach MH17-Absturz auf
Fotos: Helfer räumen Trümmerfeld nach MH17-Absturz auf FOTO: dpa, ki sh
Moskau/Amsterdam. Der erste Jahrestag des Abschusses der malaysischen Passagiermaschine im Kriegsgebiet Ostukraine naht. Und weil die Katastrophe immer noch nicht aufgeklärt ist, reißen auch die Spekulationen um die Ursache nicht ab. Was geschah mit Flug MH17? Russland verdächtigt die Ukraine, die Ukraine verdächtigt Russland.

Gut zehn Monate nach dem Absturz des Passagierflugs MH17 im ukrainischen Konfliktgebiet Donbass sind die Umstände immer noch nicht eindeutig geklärt. Alle 298 Menschen an Bord starben am 17. Juli 2014. Am meisten verbreitet ist die Version, wonach eine Rakete von dem bodengestützten Luftabwehrsystem Buk die Boeing traf. Russland hat wiederum auch Hinweise auf einen Abschuss durch ein anderes Flugzeug. Zum Stand der Ermittlungen einige Fragen und Antworten:

Was ist gesichertes Wissen zum MH17-Absturz und was nicht?

Unumstritten ist, dass die Passagiermaschine über dem Kriegsgebiet abgeschossen wurde. Verbreitet ist dabei die Meinung, dass es sich um eine Rakete gehandelt haben könnte, die von einem bodengestützten Luftabwehrsystem des Typs Buk abgefeuert wurde. Gestritten wird aber darüber, wer das System bedient und das Geschoss abgefeuert hat. Die Ukraine geht davon aus, dass Russland das Buk-System in das von Separatisten kontrollierte Kriegsgebiet lieferte. Russland weist dies zurück.

Wie reagiert Russland auf die Schuldvorwürfe?

Die russische Führung verlangt unvoreingenommene Ermittlungen durch die internationale Untersuchungskommission in den Niederlanden. Dort sind auch die Wrackteile der Maschine. Die Niederlande leiten die Ermittlungen, weil die meisten der 298 Opfer von dort stammten. Kremlchef Wladimir Putin hatte der Ukraine die Schuld an der Tragödie gegeben, weil sie trotz bekannter Gefahren den Luftraum über dem Kriegsgebiet nicht komplett für die zivile Luftfahrt gesperrt hatte. Separatisten hatten vor dem Absturz der MH17 mehrere Militärflugzeuge abgeschossen.

Gibt es Beweise für eine Schuld Russlands oder der Separatisten?

Russland hat vor allem auch die USA immer wieder aufgefordert, Beweise vorzulegen. Der russische Hersteller der für das Buk-System produzierten Raketen wies in dieser Woche darauf hin, dass die Ukraine eine Vielzahl solcher Waffen besitze. Das US-Außenministerium betonte in einer Reaktion wiederum, dass die ukrainische Luftwaffe kein Buk-System in der Nähe des Absturzortes im Einsatz gehabt habe. Es sei auch "keine einzige Boden-Luft-Rakete" während des gesamten Konflikts abgefeuert worden. Die USA werfen Russland vor, stets neue Versionen zu präsentieren.

Wie ist der Stand der Ermittlungen in Russland?

Von Anfang an forderten die Russen eine Prüfung ihres Verdachts, dass ein anderes Flugzeug die Passagiermaschine abgeschossen haben könnte. Später präsentierte die oberste Ermittlungsbehörde dazu auch einen mutmaßlichen Zeugen. Es handelt sich um einen ehemaligen ukrainischen Militärangehörigen, der sich nach Russland abgesetzt hatte. Der 22-Jährige belastete einen Kampfpiloten aus seiner Einheit, der den Flug MH17 von einem Suchoi-Bomber Su-25 abgeschossen haben soll. Die Ukraine hatte dies zurückgewiesen. Der geflüchtete Ukrainer steht im staatlichen russischen Zeugenschutzprogramm. Die Behörden in Moskau gehen aber nach eigenen Angaben auch anderen Hinweisen nach.

Wie ist der offizielle Stand der Ermittlungen?

Der niederländische Sicherheitsrat schloss in seinem ersten Zwischenbericht zur Ursache im September 2014 technisches und menschliches Versagen sowie einen Terroranschlag aus. Der Abschlussbericht soll im Herbst vorliegen. Die Ermittlungen der niederländischen Staatsanwaltschaft weisen in Richtung eines Abschusses durch eine Abwehrrakete. Es wurden deutliche Indizien für eine Verantwortung prorussischer Rebellen veröffentlicht.

Gibt es Beweise durch Satellitenbilder?

In den USA gab es Berichte über eigene Satellitenbilder, die das belegen sollen. Sie wurden aber nicht veröffentlicht. Russland präsentierte am 21. Juli Satellitenbilder, wonach ukrainische Truppen ein Buk-System nahe der Absturzstelle stationiert hatten. Experten streiten aber darüber, ob die Bilder echt sind. Die Rechercheplattform Bellingcat hatte zuletzt nach eigener Darstellung den Russen eine Fälschung der Bilder nachgewiesen. Andere westliche Experten wiederum meinten, eine Manipulation sei nicht erwiesen.

(dpa)
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