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Jahrgang 1930
Früherer französischer Premierminister Rocard ist tot

Michel Rocard ist tot: Trauer um ehemaligen französischen Premier
FOTO: afp
Paris. Der frühere französische Premierminister Michel Rocard ist tot. Rocard sei am Samstag im Alter von 85 Jahren gestorben, teilte sein Sohn Francis mit.

Der Sozialist Rocard war von 1988 bis 1991 Regierungschef unter dem damaligen Präsidenten François Mitterrand. Rocard starb nach Angaben seines Sohnes am Nachmittag in einem Pariser Krankenhaus. Die Todesursache war zunächst nicht bekannt. 2012 war er fünf Tage lang in einem Stockholmer Krankenhaus behandelt worden, wo ihm ein Blutgerinnsel aus dem Gehirn operiert wurde.

Präsident François Hollande würdigte den Parteifreund als "große Figur der Republik und der Linken". Rocard verkörpere einen "Sozialismus, der Utopie und Modernität miteinander versöhnte". "Er war ein realistischer Träumer, ein radikaler Reformer", erklärte Hollande am Abend.

Premierminister Manuel Valls nannte Rocard einen "Aktivisten, einen Visionär und einen Staatsmann". Er selbst sei dank Rocard in die Politik gegangen, fügte Valls hinzu.

Der 1930 geborene Rocard durchlief die Elite-Hochschule "Sciences Po" sowie die Elite-Verwaltungshochschule ENA. Er trat 1974 der Sozialistischen Partei bei, wo er sich vor allem in wirtschaftspolitischen Fragen engagierte. Aufgrund seiner Theorien spricht man auch vom "Rocardisme".

Der Vertreter des sozialliberalen Flügels der Parti Socialiste (PS) wurde 1988 von Mitterrand als Nachfolger des konservativen Regierungschefs Jacques Chirac berufen. Unmittelbar nach Amtsantritt unterzeichnete er das Abkommen von Matignon, mit dem die Autonomie von Neu-Kaledonien anerkannt und die dortigen Unruhen beendet wurden.

Als Chef einer Minderheitsregierung musste Rocard mit wechselnden Mehrheiten arbeiten. Im Mai 1991 trat Rocard von der Regierungsspitze zurück, weil er kaum noch die nötigen Mehrheiten fand. Der Pro-Europäer übernahm 1993 handstreichartig die Führung der PS. Doch gelang es ihm nicht, die Flügelkämpfe in der Partei zu überwinden, so dass er bereits ein Jahr später zurücktrat. 1995 wurde Rocard in den Senat gewählt.

Immer wieder gab es Spannungen mit Staatschef Mitterrand, deren Rivalität wuchs. Rocards Ambitionen auf die Präsidentschaft haben sich nie erfüllt. Der Politiker war zweimal verheiratet und hinterlässt vier Kinder.

(AFP)
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