Sicherheitsrat schaltet sich ein: Militär feuert auf Mönche: Tote in Myanmar
zuletzt aktualisiert: 26.09.2007 - 16:36Rangun (RPO). Soldaten feuern in die Menge, Menschen rennen um ihr Leben, mehrere Demonstranten sind tot: In Rangun, der Hauptstadt von Myanmar, herrscht Chaos. Was mit friedlichen Protesten der Mönche begann, droht sich zu einem Blutbad zu entwickeln. In der Bevölkerung finden die Mönche viel Sympathie.
"Ihr seid Idioten! Idioten!", schallt es am Mittwoch in Rangun aus tausenden Kehlen der Demonstranten für mehr Demokratie in Myanmar. Die Schmähung richtet sich gegen die Soldaten und Polizisten, die erstmals seit Beginn der Massenproteste gewaltsam gegen die friedlichen Demonstranten vorgehen.
Die Volksfeststimmung vom Vortag, als 100.000 von buddhistischen Mönchen angeführte Menschen ungeachtet der Drohungen der Militärs auf die Straße gingen, ist verflogen.
Im Schatten der glitzernden Shwedagon-Pagode, des heiligsten Schreins in ganz Birma, gehen Armee und Antiaufruhr-Polizei gegen die Mönche und ihre Unterstützer vor. Erst feuern sie nur Warnschüsse in die Luft, doch schon bald verlieren Soldaten und Polizisten angesichts der anschwellenden Menge die Nerven und feuern drauflos. Mindestens fünf Menschen, darunter vier Mönche, sollen getötet worden sein. Verletzt wurden mehr als 100, auch hier waren die Mehrzahl der Opfer buddhistische Geistliche.
"Das ist unerträglich. Wir sind total sauer", sagt ein junger Mann, der mit seinen Freunden eilends das Weite sucht. Auf den Straßen entsteht ein Menschenauflauf. Einfache Bürger stürzen aus Büros, Imbissen und Geschäften, andere suchen irgendwo Schutz.
Viele lassen ihre Fahrzeuge auf den völlig verstopften Straßen stehen und rennen um ihr Leben. "So etwas habe ich noch nie gesehen. Wir sind Buddhisten, sie sollten nicht so handeln", sagt eine junge Arbeiterin und fügt hinzu: "Mir tut es sehr leid für die Mönche und die anderen Menschen."
Die Mönche lassen sich auch durch die Schlagstockattacken nicht unterkriegen. Etwa tausend gruppieren sich erneut und setzen ihren Protestzug durch die Innenstadt fort. Tausende Passanten und Schaulustige lassen die kahlgeschorenen Männer in ihren roten und safrangelben Gewändern hochleben, als sie sich der Sule-Pagode nähern.
Gewitterwolken als Zeichen des Himmels
Als sich über ihren Köpfen Gewitterwolken zusammenziehen und die sengende Sonne verdunkeln, geht ein frohes Raunen durch die Menge. In Myanmar, wo sich abergläubische Vorstellungen hartnäckig halten, gilt das Phänomen vielen als gutes Zeichen des Himmels.
Aber die Einsatzkräfte starten einen weiteren Angriff, feuern erneut mit Tränengas und Munition in die Menge. Die Menschen stieben auseinander, um sich in Sicherheit zu bringen. "Sie beleidigen sogar unsere Religion und unsere Mönche", ruft ein etwa 50-jähriger Geschäftsmann, der zusammen mit anderen wegläuft, neben ihm Mönche, die sich feuchte Tücher vors Gesicht halten.
Eine andere Demonstration führt zum Haus der seit Jahren unter Arrest stehenden Oppositionspolitikerin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi. Dort wollen die Mönche es allein mit der Soldateska der Militärregierung aufnehmen. "Lasst uns alleine demonstrieren, bitte reiht Euch nicht ein", rufen sie den Anhängern der Demokratiebewegung zu. Und: "Keine Gewalt, sondern Güte und Liebe".
Noch heute will der Weltsicherheitsrat in einer Dringlichkeitssitzung über die Lage in Myanmar beraten.
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