Schröder in Bahrain: Milliardendeal ist verschoben
zuletzt aktualisiert: 02.03.2005 - 09:07Doha (rpo). Bundeskanzler Gerhard Schröder hat seine Reise durch die Golfregion in Bahrain fortgesetzt. Am Mittwochmorgen traf er in der Hauptstadt Manama mit Ministerpräsident Scheich Chalifa bin Salman Al Chalifa zusammen. Der Kanzler nannte das kleinste Land auf der arabischen Halbinsel einen "Anker der Stabilität" in der Region.
Ein geplanter Milliardenauftrag für die deutsche Firma Linde wurde noch nicht abgeschlossen. Dabei geht es um die Errichtung einer petrochemischen Anlage. Die Finanzierung sei noch nicht geklärt, hieß es. Das Auftragsvolumen würde 1,3 Milliarden Euro betragen.
Der Kanzler wollte in Bahrain politische Gespräche führen und den Grundstein für eine Euro-Universität legen. Ein solches Projekt zeige "die weitreichende Perspektive" der Beziehungen zwischen beiden Ländern, sagte er. Bei seiner letzten Reise in die Region hatte Schröder 2003 ein ähnliches Hochschulprojekt eröffnet: Eine deutsche Universität in der ägyptischen Hauptstadt Kairo.
Bahrain besteht aus 36 Inseln und hat rund 660.000 Einwohner. Im Vergleich zu den Nachbarstaaten sind die Ölreserven des Königreichs bescheiden. Mit 170 Banken und anderen Finanzinstitutionen ist Bahrain aber das führende Finanzzentrum der Region. Wirtschaftspolitisch gilt das Land als das liberalste am Golf.
Bei den Gesprächen Schröders in Manama könnte es auch um den Transrapid gehen. Im Gespräch ist eine bis zu 800 Kilometer lange Trasse durch die Golfregion. Bahrain und Katar planen eine Bahnverbindung, die die Hauptstädte beider Länder über eine mehr als 40 Kilometer lange Brücke verbinden soll und in die Vereinigten Arabischen Emirate verlängert werden könnte. Das Projekt war bereits am Dienstag beim Besuch Schröders in Katar Thema. Konkrete Vereinbarungen wurden allerdings nicht getroffen. Die Gespräche sollen nun auf Expertenebene mit politischer Beteiligung fortgesetzt werden.
Vor der Schröder-Reise hatte es Spekulationen gegeben, eine Absichtserklärung über eine Machbarkeitsstudie für den Transrapid könnte bereits während des Besuchs unterzeichnet werden. Langfristig planen die Golfstaaten eine Bahnverbindung über 2.000 Kilometer von Kuwait im Norden der arabischen Halbinsel bis Oman im Süden.
Weiterreise in den Jemen
Am Nachmittag reist der Kanzler in den Jemen weiter. In der Hauptstadt Sanaa wird er Präsident Ali Abdullah Saleh und Ministerpräsident Abdul Kader Badschammal treffen. Neben einem neuen Investitionsschutzabkommen und einem Doppelbesteuerungsabkommen für die Luftfahrt sollen am Rande des Besuchs Wirtschaftsverträge in dreistelliger Millionenhöhe unterzeichnet werden. Siemens will für 150 Millionen Euro Gasturbinen und Leittechnik für ein Kraftwerk in den Jemen liefern, die Lürssen Werft will zehn Patrouillenboote für 80 Millionen Euro an die jemenitische Küstenwache verkaufen.
Im Gegensatz zu seinen von Ölreichtum geprägten Nachbarn zählt Jemen mit einem Bruttoinlandsprodukt von weniger als 400 Euro pro Kopf zu den ärmsten Ländern der Welt. Seit 1978 hat Deutschland das Land mit mehr als 700 Millionen Euro Entwicklungshilfe unterstützt.
Schröder war am Sonntag zu seiner einwöchigen Reise aufgebrochen und hat bereits Saudi-Arabien, Kuwait und Katar besucht. Die letzten beiden Stationen werden Oman und die Vereinigten Arabischen Emirate sein.
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