Frank Stronach aus Österreich: Millionär und Euroskeptiker gründet Partei
VON NICOLAS BERTHOLD - zuletzt aktualisiert: 27.09.2012 - 18:02Düsseldorf (RPO). Frank Stronach hat Einiges erreicht in seinem Leben: den Automobilzulieferer Magna gegründet und damit Millionen Euro verdient. Nun hat der gebürtige Österreicher in seinem Heimatland seine neue Partei vorgestellt. Und skurrile Ideen gleich mitgeliefert.
Es sind eindringliche Worte, die Frank Stronach wählt, wenn er die Lage Österreichs beschreibt. Das Land müsse dringend einer "geistigen Revolution" unterzogen werden, wie er auf der Internetseite seines Stronach-Instituts schreibt. Die Alpenrepublik stehe vor gewaltigen Herausforderungen, die die aktuell Regierenden nicht stemmen würden.
"Wir haben keine wirkliche Demokratie in Österreich", sagte er im März in einem Interview mit der österreichischen Zeitung "Die Presse". Er selbst, Multi-Millionär und früherer Unternehmenschef des Automobilzulieferers Magna, sehe sich indes in der Lage, die gravierenden Probleme anzupacken.
"Team Stronach" vorgestellt
Dazu hat er eigens eine Partei gegründet, die er am Donnerstag unter dem Namen "Team Stronach" vorgestellt hat.
In einem Interview mit dem österreichischen Fernsehen vor wenigen Tagen nannte der 80-Jährige die Gründe für sein aufflammendes, politisches Engagement: "Ich bin sehr unabhängig, ich vertrete keine Interessen, ich vertrete nur die Interessen der Bürger."
Kernpunkte sickerten bereits durch
Mit welchen programmatischen Kernpunkten er die Interessen der Österreicher vertreten will, sickerte bereits durch. Wie "Die Presse" vorab berichtete, baut Stronach auf eine neue Einheitswährung für die Eurozone. Der Euro solle demnach zwar weiterhin bestehen bleiben, nur sollten die Staaten ihre frei konvertierbaren Währungen erhalten.
Im Klartext bedeutet dies: Spanien bekäme den Spanien-Euro geben, Frankreich den Frankreich-Euro usw. Als Leit-Euro solle der Deutschland-Euro dienen, alle anderen Euro-Währungen würden in einem flexiblen Wechselkurs das Ungleichgewicht in der Eurozone ausgleichen.
Rückkehr zum Schilling?
Eine Rückkehr zum Schilling käme für den Euroskeptiker nur dann in Betracht, wenn sein Währungsmodell keine Zustimmung fände. Flankiert wird Stronachs "Währungsreform" von einer Steuerreform. Zentraler Baustein hier: die "Flat Tax". Schließlich ist er schon länger zu dem Urteil gekommen, das Steuersystem sei "kompliziert, ungerecht und hat viele Schlupflöcher.“
Eine "Flat Tax" sähe eine Besteuerung in Höhe von 20 Prozent vor. Zudem sollen nach Stronachs Vorstellungen Bürokratie und Verwaltung massiv abgebaut werden. Sein Ziel: Minus zehn Prozent in den kommenden fünf Jahren.
Keine neuen Schulden
Mit diesen und anderen Vorhaben möchte der millionenschwere Industrielle und Euroskeptiker im kommenden Jahr ins Wiener Parlament einziehen. Stronach konnte bereits vier Abgeordnete für sich gewinnen, einen Sozialdemokraten und drei Mitglieder der rechtspopulistischen BZÖ.
Das Anforderungsprofil des Parteichefs ist streng: Die Neu-Mitglieder verpflichten sich, einen Ehrenkodex zu unterzeichnen, in dem fest geschrieben ist, keine Schulden mehr zu machen.
Skurrile Thesen
So skurril einige seiner Thesen sein mögen, Beobachter sehen gute Chancen für die neue Partei, im kommenden Jahr ins Parlament einzuziehen. Die in Österreich geltende Vier-Prozent-Hürde dürfte sie bei den Wahlen im Herbst 2013 überwinden.
Stronachs selbst definiert ambitioniertere Ziele. Er hoffe auf ein Wahlergebnis von 20 bis 30 Prozent. Mit einem Einzug ins Parlament würde das "Team Stronach für Österreich" dann neben den beiden großen Parteien SPÖ und ÖVP sowie den Grünen und den beiden rechtspopulistischen Parteien FPÖ und BZÖ vertreten sein.
Der 80-Jährige versuchte sich bereits 1988 als Kandidat der Liberalen Partei im kanadischen Ontario, unterlag damals jedoch seinem konservativen Kontrahenten. Doch die jetzt gegründete Partei "Team Stronach für Österreich" dürfte im Herbst 2013 den Einzug in den Nationalrat schaffen.

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