Erwartungen an Papst hoch: Millionen Menschen wollen Amtseinführung begleiten
zuletzt aktualisiert: 21.04.2005 - 07:37Berlin (rpo). Derzeit bereitet sich Rom auf den nächsten Pilgerstrom vor. Zur offiziellen Amtseinführung von Papst Benedikt XVI. am Sonntag rechnen die Verantwortlichen wieder mit Millionen Gästen. Auch zahlreiche Staats- und Regierungschefs reisen nach Italien. Aus Deutschland kommmen unter anderem Bundeskanzler Schröder und Bundespräsident Köhler. Vor allem die Erwartungen der deutschen Gläubigen an ihren kirchlichen Landsmann sind hoch.
Der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, zeigte sich überzeugt, dass Benedikt XVI. den von seinem Vorgänger eingeschrittenen Weg der Verständigung zwischen Christen und Juden fortsetzen werde.
Zur Amtseinführung des Kirchenoberhaupts am Sonntag in Rom reisen Bundespräsident Horst Köhler und Bundeskanzler Gerhard Schröder ebenso wie Oppositionsführerin Angela Merkel (CDU). Bundestagpräsident Wolfgang Thierse (SPD) schickte dem Kirchenoberhaupt ein Glückwunschschreiben. "Ihre Wahl ist nicht zuletzt auch Ausdruck des hohen Ansehens und der Wertschätzung für Ihre Arbeit in zahlreichen kirchlichen Ämtern und der deutschen Theologie in der Welt insgesamt", schrieb Thierse.
Merkel hob in einem Glückwunschschreiben hervor, dass besonders in Zeiten tief greifender Umbrüche in vielen Ländern Menschen Orientierung brauchten. Das gelte vor allem für die junge Generation. "Ich bin zutiefst überzeugt, dass Sie, Heiliger Vater, den Menschen und Völkern der Erde diese Orientierung in der Ihnen eigenen Tiefe der Gedanken geben werden", schrieb die CDU-Vorsitzende.
Spiegel beglückwünschte Ratzinger im Namen des Zentralrats der Juden Ratzinger. Auch wenn der bisherige Kardinal in der Vergangenheit "nicht mit allem einverstanden war, was der charismatische Johannes Paul II. sich und seiner Kirche an Reformen und Öffnungen zumutete, so genoss er doch über zwei Jahrzehnte hinweg das volle Vertrauen seines Vorgängers".
FDP-Chef Guido Westerwelle sagte: "Ich hoffe und setze darauf, dass Papst Benedikt fortschrittlicher sein wird als Kardinal Ratzinger." Der Kirchenexperte der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, Hermann Kues, schloss nicht aus, dass Papst Benedikt XVI. seinen Kritikern noch "freudige Überraschungen" bereiten werde. Er erhoffe sich das eine oder andere an Öffnung und Bewegung, sagte Kues, der Ratzinger aus persönlichen Gesprächen kennt.
Köhler und Schröder gehörten am Dienstagabend mit zu den ersten Gratulanten. Köhler hatte sich gewiss gezeigt, dass Benedikt XVI. den Erwartungen an ihn mit Klugheit und Glaubensfestigkeit begegnen werde. Innenminister Otto Schily (SPD) sagte, dem Kirchenoberhaupt sei eine bedeutende Mission anvertraut worden, "die auch mit Frieden und Ausgleich zwischen den Konfessionen zu tun hat".
In den letzten Jahren habe sich eindrücklich gezeigt, welches Gewicht die Stimme des Papstes weit über den Kreis der Katholiken habe, schrieb SPD-Vorsitzender Franz Müntefering in seiner Gratulation an den Papst. "Alle Menschen hoffen auf die Fortsetzung des Einsatzes für mehr Gerechtigkeit und die Verständigung zwischen den Weltreligionen." Viele warteten auf Orientierung in Zeiten des Umbruchs.
Glos: "ein mutiges Programm"
Ratzinger habe dazu beigetragen, die Kirche in wandelnder Zeit fest zu verankern, erklärte der stellvertretende CDU-Vorsitzende Christoph Böhr. Ähnlich wie Thüringens Regierungschef Dieter Althaus (CDU) äußerte der saarländische Ministerpräsident Peter Müller (CDU) die Hoffnung, dass er die christlichen Werte betone und gleichzeitig den Mut zu Reformen aufbringe.
CSU-Landesgruppenchef Michael Glos erwartete "ein mutiges Programm": "Unerschrockenheit in schwieriger Zeit, ein offenes Herz für die Nöte aller Menschen und ein klares Zeugnis für die christliche Botschaft." Die Rolle der Frauen mahnte die Grünen-Politikerin Christa Nickels an und appellierte an den Papst, den Reformstau aufzulösen.
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