Viele Kinder unter den Opfern: Mindestens 50 Tote bei Anschlägen in Neu-Delhi
zuletzt aktualisiert: 29.10.2005 - 18:57Neu-Delhi (rpo). Bei einer Anschlagsserie in Neu Delhi sind mindestens 50 Menschen ums Leben gekommen. Nach Polizeiangaben kam es am Samstagnachmittag zur Haupteinkaufszeit binnen weniger Minuten zu drei Explosionen auf zwei belebten Märkten und in einem Bus.
Unter den Opfern befanden sich Augenzeugen zufolge viele Kinder. Mindestens 70 Menschen wurden laut der indischen Nachrichtenagentur PTI verletzt, darunter auch Ausländer. Die Polizei ging von koordinierten Anschlägen aus, die Ursache war zunächst unklar. Indiens Premierminister Manhoman Singh machte "terroristische Elemente" verantwortlich. Pakistan sprach von einem "verbrecherischen Terrorakt".
Die erste Explosion ereignete sich gegen 17.40 Uhr (14.10 Uhr MESZ) im Einkaufsviertel Paharganj, das auch bei westlichen Rucksacktouristen sehr beliebt ist. Nur wenige Minuten später gab es zwei weitere Detonationen auf dem stark besuchten Makrt Sarojini Nagar im Süden der Hauptstadt sowie in einem Bus bei einem Industriegebiets. Zu dem Zeitpunkt waren dort zehntausende Menschen unterwegs, die sich für das bevorstehende hinduistische Diwali-Lichterfest eindeckten.
Ein Sprecher der Feuerwehr bezeichnete die Situation an den Anschlagsorten als "grauenvoll". Rettungswagen und Feuerwehrautos rasten durch die Stadt. Die Wucht der Detonation hatte demnach mehrere Läden auseinandergerissen. Auf den Straßen lägen Trümmerberge. Ein Fotograf sagte, auf dem Markt von Saojini Nager sei ein Großfeuer ausgebrochen. Unter den Opfern seien vor allem Kinder gewesen, die an Ständen Essen verkauft hätten.
Noch kein Bekennerschreiben
Bis zum späten Abend bekannte sich niemand zu den Anschlägen. Nach Einschätzung des führenden Terrorismusexperten Rohan Gunaratna könnten dahinter zwei Gruppen stehen, die den derzeitigen Friedensprozess zwischen Indien und Pakisten ablehnen. Beide Gruppen, Laskar-e-Toeba und Jaish-e-Mohammad, seien zu derartigem Terror in der Lage. Er erinnerte daran, dass neben dem Lichterfest der Hindus auch das Ende des moslemischen Fastenmonats Ramadan gefeiert werde.
Die beiden Atommächte Indien und Pakistan betreiben seit Januar vergangenen Jahres eine Politik der vorsichtigen Annäherung. Nach dem verheerenden Erdbeben Anfang Oktober verhandeln sie sogar über eine Öffnung der Grenze in der umstrittenen Region Kaschmir, um den Opfern besser helfen zu können. Auch der pakistanische Experte Hasan Askeri schätzt, dass Gegner eines Friedens zwischen den beiden Nachbarn die Gespräche möglicherweise torpedieren wollen. Ein Sprecher des pakistanischen Außenministers verurteilte die Anschläge aufs Schärfste.
Singh sagte, Indien werde sich nicht von seinem Kampf gegen den Terrorismus abbringen lassen. Der indische Regierungschef fügte hinzu, Ziel der Angriffe seien eindeutig "unschuldige Zivilisten" gewesen. Indien werde es nicht zulassen, dass "terroristische Elemente" versuchten, Chaos zu säen und damit den Frieden zu stören. Singhs Sprecher kündigte an, der Premier werde umgehend seinen Besuch im Bundesstaat Tripura abbrechen und nach Neu Delhi zurückkehren.
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