Anti-syrischer Abgeordneter Ghanem Ziel des Attentats: Mindestens neun Tote bei Anschlag in Beirut
zuletzt aktualisiert: 19.09.2007 - 20:45Beirut (RPO). Kurz vor Beginn der Präsidentschaftswahl im Libanon ist am Mittwoch ein tödliches Attentat auf einen anti-syrischen Abgeordneten verübt worden. Bei dem Autobombenanschlag in einem Vorort von Beirut starben neben dem Parlamentarier Antoine Ghanem nach Polizeiangaben mindestens acht weitere Menschen, dutzende wurden verletzt.
Syrien verurteilte das Attentat scharf und nannte es einen "kriminellen Akt", wie die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete. Damaskus sei die Einheit des Libanon sowie dessen Stabilität sehr wichtig. Am kommenden Dienstag soll das Parlament in Beirut zusammentreten, um einen neuen Staatschef zu wählen.
Der Anschlag ereignete sich am Nachmittag in der Nähe der Residenz des früheren Präsidenten Amin Gemayel in dem von Christen bewohnten Viertel Sin el Fil. Der 64-jährige Anwalt Ghanem gehörte dem libanesischen Parlament seit dem Jahr 2000 an. Er war wie Gemayel Mitglied der Partei Phalange ("Phalanx"). Auch mindestens einer seiner Leibwächter soll bei dem Anschlag getötet worden sein.
Bei einem ähnlichen Anschlag waren am 13. Juni zehn Menschen getötet worden, unter ihnen der anti-syrische Abgeordnete Walid Eido. Gemayels Sohn, Industrieminister Pierre Gemayel, war am 21. November vergangenen Jahres ermordet worden. Im Februar 2005 war der ehemalige libanesische Ministerpräsident Rafik Hariri ebenfalls bei einem Autobombenanschlag getötet worden.
Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) zeigte sich bestürzt über den tödlichen Anschlag auf Ghanem. Der Anschlag sei ein weiterer Versuch, das Land zu destabilisieren und eine Verständigung zwischen den libanesischen Parteien zu verhindern. "Dies ist inakzeptabel und darf nicht gelingen", erklärte Steinmeier am Mittwoch in Berlin.
"Die USA verurteilen diesen Anschlag auf das Schärfste", sagte ein Sprecher des Weißen Hauses in Washington. Die USA würden weiterhin an der Seite derjenigen im Libanon stehen, die für Freiheit und Demokratie kämpften. Auch der UN-Sicherheitsrat in New York verurteilte das Attentat. Der französische UN-Botschafter Jean-Maurice Ripert, der derzeit den Vorsitz in dem Gremium innehat, sagte, der Anschlag sei ein weiterer Versuch, den Libanon in einer entscheidenden Phase zu destabilisieren.
Die 128 Abgeordneten in Beirut müssen ab dem 25. September über den Nachfolger des pro-syrischen Staatschefs Emile Lahoud entscheiden, dessen Mandat am 24. November abläuft. Bereits seit Monaten liefern sich die pro-westliche Regierung von Ministerpräsident Fuad Siniora und die pro-syrische Opposition einen erbitterten Machtkampf. Im November vergangenen Jahres verließen sechs pro-syrische Minister das Kabinett Sinioras. Seither bestreitet die Opposition die Legitimität der Regierung.
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