Washington: Missbrauchsskandal: Papst kritisiert US-Bischöfe
zuletzt aktualisiert: 17.04.2008 - 06:18Washington (RPO). Papst Benedikt XVI. hat erneut den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche in den USA angesprochen. Das Kirchenoberhaupt kritisierte den Umgang der US-Bischöfe mit den Missbrauchsfällen. Manchmal sei "sehr schlecht" auf die Situation reagiert worden, so der Papst.
Es sei nicht leicht gewesen, auf den Missbrauch von Kindern durch Geistliche zu reagieren "und manchmal, wie der Präsident Ihrer Bischofskonferenz (Francis George) sagte, wurde es sehr schlecht gehandhabt", sagte Benedikt am Mittwoch bei einem Gebet mit mehreren hundert US-Bischöfen in Washington. George hatte zuvor gesagt, die "manchmal sehr schlechte Handhabung" habe sowohl die Gläubigen als auch die Kirche selbst erschüttert.
Es sei die "gottgegebene Verantwortung" der Bischöfe, gegen jene vorzugehen, die sich so schwerer Vergehen schuldig machten, betonte der Papst. Man müsse aber auch daran erinnern, dass die ganz große Mehrheit der Priester treu der Kirche und ihren Gemeinden dienten.
Bereits bei seiner Ankunft hatte Benedikt erklärt, der Sexskandal in der katholischen Kirche erfülle ihn mit "tiefer Scham". Später stellte er die Verfehlungen in der Kirche in einen breiteren Zusammenhang und beklagte eine "Übersexualisierung" der Gesellschaft. "Was bedeutet es, von Kinderschutz zu sprechen, wenn Pornografie und Gewalt in so vielen Heimen durch allgemein zugängliche Medien betrachtet werden können?", fragte er.
Vor dem Treffen mit den Bischöfen war Benedikt im und vor dem Weißen Haus ein herzlicher Empfang bereitet worden. Rund 13.500 Menschen gratulierten ihm gemeinsam mit Präsident George W. Bush zum 81. Geburtstag, sangen "Happy Birthday" und auch eine große Torte fehlte nicht.
Das hielt Benedikt nicht davon ab, die USA zur Konfliktlösung mit diplomatischen Mitteln zu mahnen. "Ich bin zuversichtlich, dass die Sorge um die größere menschliche Familie weiterhin Ausdruck in der geduldigen Unterstützung diplomatischer Bemühungen zur Lösung von Konflikten und der Förderung des Fortschritts findet", sagte er im Weißen Haus.
In einem 45-minütigen Gespräch mit Bush im Oval Office bekräftigten beide ihre "völlige Ablehnung von Terrorismus sowie die Manipulation von Religion, um unmoralische und gewaltsame Akte gegen Unschuldige zu rechtfertigen".
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