Verdächtige festgenommen: Mohammed-Karikaturist sollte getötet werden
zuletzt aktualisiert: 12.02.2008 - 13:41Kopenhagen (RPO). Die dänische Polizei hat offenbar einen Anschlag auf einen der Mohammed-Karikaturisten vereitelt. Am Dienstag nahmen die Beamten mehrere Verdächtige fest.
Bei Razzien in Aarhus im Westen des Landes wurden am Dienstag drei Männer festgenommen, wie der Geheimdienst der Polizei (PET) mitteilte. Nach Angaben der Zeitung "Jyllands-Posten" war ihr Karikaturist Kurt Westergaard Ziel des geplanten Anschlags. Der 73-Jährige stehe seit Monaten unter Polizeischutz.
Bei den Festgenommenen handele es sich um zwei Tunesier und einen Dänen marokkanischer Abstimmung, teilte der PET mit. Die Sicherheitskräfte hätten in einem frühen Stadium der Anschlagspläne zugegriffen, um einen "im Zusammenhang mit Terrorismus stehenden Mord" zu verhindern. Der Rundfunksender DR berichtete von fünf Verdächtigen mit muslimischem Hintergrund, darunter Dänen und Ausländer.
"Jyllands-Posten" hatte die Mohammed-Karikaturen von Westergaard und elf weiteren Zeichnern als erste am 30. September 2005 veröffentlicht. Als daraufhin Drohungen eingingen, wurden die Redaktionsräume mehrfach evakuiert, und in den Büros in Aarhus und der Hauptstadt Kopenhagen wurden Wachleute eingesetzt.
"Es gab konkrete Mordpläne"
"Es gab sehr konkrete Mordpläne gegen Kurt Westergaard", sagte Chefredakteur Carsten Juste. Der Karikaturist erklärte auf der Website des Blattes, er fürchte natürlich um sein Leben, wenn die Polizei von Mordplänen gegen ihn berichte. Seine Angst habe sich jedoch "in Ärger und Verbitterung" verwandelt. Der 73-Jährige und seine Frau erhalten der Zeitung zufolge seit mehr als drei Monaten Polizeischutz.
Die Mohammed-Karikaturen wurden später auch von anderen westlichen Zeitungen abgedruckt und lösten Anfang 2006 wütende Massenproteste aus. Westergaards Cartoon gehörte dabei zu den am heftigsten kritisierten: Er zeigte Mohammed, der einen Turban in der Form einer Bombe mit einer brennenden Zündschnur trägt. "Jyllands-Posten" lehnte es zunächst ab, sich bei den Muslimen wegen der Karikaturen zu entschuldigen und erklärte, der Abdruck sei ein Protest gegen die Selbstzensur, die bei Künstlern im Zusammenhang mit dem Thema Islam zu beobachten sei. Später äußerte das Blatt Bedauern darüber, dass die Zeichnungen die muslimische Gemeinschaft angegriffen hätten.
Das Thema werde nie zur Ruhe kommen, erklärte der stellvertretende Vorsitzende des dänischen Journalistenverbandes, Fred Jacobsen, am Dienstag. "Es ist abscheulich, dass es Todesdrohungen gegen Leute gibt, einfach nur weil sie ihre Arbeit machen."
In den vergangenen Monaten deckten dänische Ermittler mindestens zwei mutmaßliche Anschlagspläne auf. Im November wurden zwei muslimische Einwanderer und ein Däne zu Haftstrafen verurteilt. In abgehörten Gesprächen hatten sie unter anderem die Büros von "Jyllands-Posten" als mögliches Anschlagsziel genannt. Im September wurden nach Geheimdienstangaben bei einer Razzia gegen militante Islamisten acht Verdächtige festgenommen, die Verbindungen zu ranghohen Al-Kaida-Führern hatten.
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