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Pentagon bestätigt Einsatz in Libyen
Dschihadistenführer Belmokhtar ist offenbar tot

Mokhtar Belmokhtar ist offenbar tot - Dschihadistenführer in libyen getötet
Mokhtar Belmokhtar im Januar 2013. FOTO: afp, AO/ACR
Bengasi. Die international anerkannte libysche Regierung hat den Tod des berüchtigten algerischen Dschihadistenführers Mokhtar Belmokhtar bei einem US-Luftangriff in Libyen verkündet.

Bei dem Einsatz im Osten Libyens seien auch mehrere libysche Mitglieder einer Terrororganisation gestorben, teilte die Regierung mit Sitz in Tobruk am Sonntagabend über das Online-Netzwerk Facebook mit. Das Pentagon bestätigte lediglich, dass Belmokhtar "Ziel" eines Militäreinsatzes in Libyen gewesen sei.

"Amerikanische Flugzeuge haben eine Operation durchgeführt, die zum Tod von Mokhtar Belmokhtar und einer Gruppe von Libyern führte, die zu einer Terrororganisation im Osten des Landes gehörten", teilte die international anerkannte libysche Regierung mit. Der Einsatz sei "nach Konsultation mit der libyschen Übergangsregierung" erfolgt.

Die libysche Nachrichtenagentur Lana berichtete unter Berufung auf einen Vertreter der international anerkannten Regierung, der US-Luftangriff in der Nacht zum Sonntag habe einem Bauernhof in Adschdabija, rund 160 Kilometer westlich von Bengasi, gegolten. Dort habe sich Belmokhtar mit anderen Anführern extremistischer Gruppen getroffen, darunter die Islamistengruppe Ansar Ascharia, die von der UNO als Terrororganisation gelistet wird.

Auf Dschihadisten-Seiten in den sozialen Netzwerken war von sieben Todesopfern die Rede. Auf der Facebook-Seite einer Islamistengruppe wurden die Namen sowie Fotos der Leichen der angeblich Getöteten veröffentlicht. Einen Hinweis auf Belmokhtar gab es dort nicht.

Dementi aus Extremistenkreisen

Unterdessen hat ein Islamist mit Verbindungen zu Extremistengruppen in Libyen Berichte dementiert, wonach Belmokhtar getötet worden ist. Der Angriff in Adschdabija habe Belmokhtar wahrscheinlich verfehlt und stattdessen vier andere Menschen getötet, sagte der Mann am Montag der Nachrichtenagentur AP. Belmokhtar habe sich zum Zeitpunkt nicht an dem Ort befunden, dem der amerikanische Angriff gegolten hatte, sagte der Islamist. Die Getöteten stammten demnach von der terroristischen Miliz Ansar al-Scharia.

Das US-Verteidigungsministerium erklärte, der einäugige Terrorist sei das "Ziel" des Angriffs in der Nacht zum Sonntag gewesen. Die Ergebnisse des Luftangriffs würden noch weiter ausgewertet, gab Pentagon-Sprecher Steve Warren an. Zunächst hatte er nur mitgeteilt, dass die US-Armee einen Angriff auf ein "terroristisches" Ziel mit Verbindungen zum Terrornetzwerk Al-Kaida geflogen habe.

Belmokhtar wird für eine Reihe von Anschlägen und Geiselnahmen in mehreren afrikanischen Ländern verantwortlich gemacht. Er war früher der Anführer des Terrornetzwerks Al Qaida im Islamischen Maghreb (Aqmi) und wurde später Chef der Dschihadistengruppe Al-Mourabitoun. Die Gruppe war 2013 aus Belmokhtars algerischer Islamistengruppe Die mit Blut unterzeichnen und der in Mali aktiven Bewegung für Einheit und Dschihad in Westafrika (Mujao) hervorgegangen.

Drahtzieher vieler Anschläge

Die Gruppe hatte sich unter anderem zu einem Anschlag auf das bei westlichen Gästen beliebte Restaurant "La Terrasse" in Bamako bekannt. Bei dem Angriff im März wurde ein 30-jähriger Franzose erschossen, bei der anschließenden Flucht des Angreifers mit einem Komplizen wurden zudem ein belgischer Wachmann, zwei malische Polizisten und ein malischer Wachmann getötet.

Belmokhtar soll außerdem der Drahtzieher des Angriffs auf das algerische Gasfeld In Amenas im Jahr 2013 gewesen sein, bei dem 38 zumeist westliche Geiseln getötet wurden. Kurz darauf hatte die Armee des Tschad erklärt, sie habe den 1972 geborenen Islamistenführer in Mali getötet. Vergangenes Jahr verlautete allerdings aus Sicherheitskreisen, Belmokhtar sei am Leben und mittlerweile in Libyen.

Dort herrscht seit dem Sturz des langjährigen Staatschefs Muammar al-Gaddafi 2011 Chaos und Gewalt. Eine islamistische Regierung herrscht von Tripolis aus, die international anerkannte Regierung floh nach Tobruk. Deren Chef Abdullah al-Thani begrüßte den US-Luftangriff auf Belmokhtar. Dieser sei "Teil der internationalen Hilfe", die seine Regierung seit langem im Kampf gegen den Terrorismus fordere, erklärte der Regierungschef auf Facebook.

Vor einem Monat hatten die mauretanische Nachrichtenagentur Al-Akhbar und das auf die Überwachung islamistischer Internetseiten spezialisierte US-Unternehmen Site gemeldet, Belmokhtar habe einen zuvor verkündeten Treueschwur seiner Dschihadistengruppe gegenüber der Dschihadistenorganisation Islamischer Staat (IS) dementiert. Vielmehr unterstütze Al-Mourabitoun das Terrornetzwerk Al-Kaida. Dies wurde als Hinweis auf einen Richtungsstreit bei Al-Mourabitoun gewertet.

(AFP)
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