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Saddam-Prozess: Mordkomplott gegen Ermittlungsrichter

zuletzt aktualisiert: 27.11.2005 - 16:36

Bagdad (rpo). Die irakische Polizei hat ein Mordkomplott gegen den Ermittlungsrichter im Prozess gegen Ex-Diktator Saddam Hussein aufgedeckt. Bei acht verhafteten Sunniten wurde ein Dokument gefunden, in dem zur Ermordung des Richters Raid Dschuhi aufgerufen wird.

Das teilte Polizeioberst Anwar Kadir am Sonntag in Kirkuk mit. Der Mordaufruf stammt den Angaben zufolge von Issat al Duri, einem ehemaligen Stellvertreter Saddam Husseins. Al Duri ist der höchstrangige Vertreter des gestürzten irakischen Regimes, der sich noch in Freiheit befindet. Er gilt als Führungsfigur des sunnitischen Aufstands gegen die von den USA unterstützte Regierung.

Richter Dschuhi bereitete die Anklage gegen den gestürzten Staatschef vor. Dabei geht es um ein Massaker an mehr als 140 schiitischen Bewohnern des Dorfes Dudschail im Jahr 1982. Der Prozess wird nach fünfwöchiger Unterbrechung am Montag fortgesetzt. Dabei werden die ersten Zeugenaussagen erwartet.

Vor der irakischen Parlamentswahl am 15. Dezember setzten amerikanische und irakische Truppen ihre Einsätze gegen mutmaßliche Zentren der sunnitischen Aufstandsbewegung fort. Vor Sonnenaufgang leiteten etwa 350 irakische Soldaten eine Razzia in der Nähe von Bakuba ein, 60 Kilometer nordöstlich von Bagdad. Dabei wurden nach irakischen Armee-Angaben 15 Personen verhaftet.

Aufständische verhandlungsbereit

Der irakische Präsident Dschalal Talabani sagte am Sonntag, dass mehrere Gruppen der Aufstandsbewegung seinem Gesprächsangebot gefolgt seien und Kontakt mit der Regierung aufgenommen hätten. Das Büro des Präsidenten bat nach Angaben eines Informanten aus der Provinz Anbar vier Gruppen, einen gemeinsamen Vertreter für Gespräche mit der Regierung zu benennen.

Dabei handelt es sich um die Irakisch-Islamische Armee, die Revolution 1920, die Mudschahedin-Armee und um die Al-Dschamea-Brigaden. Talabani sagte, die ausländischen Truppen im Irak seien keine Besatzungstruppen, das neue Parlament werde entscheiden, wann sie das Land verlassen sollten.

Zehn Tote bei Anschlägen

Bei zwei Bombenanschlägen wurden am Samstag zehn Menschen getötet. In Samarra nördlich von Bagdad riss ein Selbstmordattentäter sechs Menschen an einer Tankstelle in den Tod. In Bagdad detonierte eine Autobombe, als zwei gepanzerte Wagen vorbeifuhren, in denen Ausländer saßen. Von diesen wurde niemand verletzt, doch kamen bei dem Anschlag vier Iraker ums Leben.

Die Lage der Menschenrechte im Irak kritisierte am Sonntag der ehemalige Ministerpräsident Ajad Allawi. Die Situation sei so schlecht geworden wie unter Saddam Hussein, teilweise sogar noch schlechter, sagte Allawi der britischen Zeitung "The Observer". So gebe es wieder Todesschwadronen und geheime Folterzentren, für die schiitische Regierungsmitglieder verantwortlich seien. Allawi, selbst ein Schiit, wurde nach der Wahl des Übergangsparlaments Ende Januar von der Regierung abgelöst. Er kandidiert bei der Parlamentswahl am 15. Dezember.

Vor dem Innenministerium in Bagdad demonstrierte am Sonntag eine Gruppe von Frauen, die Auskunft über das Schicksal ihrer von Sicherheitskräften abgeführten Männer verlangten. "Was haben sie falsch gemacht?" fragte eine der Frauen. "Wenn sie getötet wurden, soll uns wenigstens gesagt werden, wo ihre Leichen sind."

Quelle: ap

 
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