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"Tiefes Bedauern" reicht nicht: Moslembrüder wollen "echte Entschuldigung" von Benedikt XVI.

zuletzt aktualisiert: 16.09.2006 - 22:20

Düsseldorf (rpo). Papst Benedikt XVI. hat am Samstag öffentlich sein Bedauern für seine umstrittenen Aussagen über den Islam ausgedrückt. Die einflussreiche Moslembruderschaft in Ägypten akzeptierten das nicht als Entschuldigung. Aus der Türkei hingegen kamen gemäßigtere Töne. Die Empörung über die Papst-Rede war bei Muslimen in aller Welt in Gewalt umgeschlagen. 

Benedikt XVI. "bedauere sehr, dass einige Passagen seiner Rede die Gefühle von Moslems verletzt haben könnten", hatte der Vatikan-Staatssekretär Tarcisio Bertone am Samstag in Vatikanstadt erklärt. Der Papst habe Hochachtung vor den Muslimen und hoffe, dass seine Worte richtig verstanden und die derzeitigen Schwierigkeiten überwunden würden.

Bei seiner umstrittenen Ansprache in der Universität Regensburg sei es dem Papst um eine klare und radikale Zurückweisung religiös motivierte Gewalt gegangen, von welcher Seite auch immer sie komme, stellte Bertone klar. Der Papst bedauere, dass die Äußerungen in einer Weise interpretiert worden seien, die nicht seiner Absicht entsprochen habe. Der Wille des Papstes zum Dialog zwischen den Religionen und Kulturen sei unmissverständlich.

"Keine Entschuldigung"

Der einflussreichen Moslembruderschaft in Ägypten geht das Bedauern von Papst Benedikt XVI. nicht weit genug. Es "handelt sich nicht um eine Entschuldigung" an die Moslems, erklärte Führungsmitglied Abdel Moneim Abul Futuh am Samstag. Der Papst habe einen Fehler begangen: "Er muss ihn anerkennen und sich entschuldigen".

Zuvor hatte die Moslembruderschaft die Regierungen der islamischen Staaten aufgefordert, dem Vatikan mit Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu drohen.

Nach Ansicht des Parlamentsabgeordneten Mehmet Dülgereines in der Türkei hat der Papst mit seiner Erklärung den Streit allerdings aus der Welt geschafft. "Er hat sich entschuldigt, das muss man akzeptieren", sagte er. Aus seiner Sicht gebe es nun kein Hindernis mehr für die geplante Türkei-Reise des Papstes. Die Zeitung "Hürriyet" berichtete, der geplante Papst-Besuch sei nach Auffassung Ankaras eine "gute Gelegenheit", die Wogen zwischen christlicher und islamischer Welt wieder zu glätten. Der Bericht wurde in Regierungskreisen bestätigt.

Der Zentralrat der Muslime ist zufrieden mit der Klarstellung von Papst Benedikt XVI. Der Vorsitzende Ayyub Axel Köhler sagte am Samstag in der ARD, er sei "sehr froh und glücklich" über das vom Papst geäußerte Bedauern. "Die Muslime werden sich schnell wieder beruhigen", betonte er. 

Irakische Extremisten drohen mit Anschlägen

Bevor das Bedauern des Papstes öffentlich gemacht wurde, hatte eine bewaffnete irakische Gruppe mit Anschlägen in Rom und gegen den Vatikan gedroht. In einer am Samstag im Internet veröffentlichten Erklärung drohte die Gruppe mit Namen Dschaisch el Mudschahedin den "widerlichen Kreuzrittern" damit, "nicht eher zu ruhen, bis eure Throne und eure Kreuze auf eurem eigenen Territorium zerstört sein werden".

Mit direktem Bezug auf Rom und den Vatikan heißt es in der Erklärung, deren Echtheit nicht zunächst geklärt werden konnte: "Wir schwören, dass wir ihr Kreuz im Herzen von Rom zerstören werden (...) und dass ihr Vatikan getroffen wird". Der Botschaft waren sechs Filmsequenzen beigefügt, die Anschläge auf das US-Militär im Irak zeigten.


 
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