| 19.20 Uhr

IS-Hochburg gefallen
Iraks Ministerpräsident verkündet Befreiung von Mossul

Mossul: Iraks Ministerpräsident al-Abadi verkündet Befreiung von Mossul
Irakische Spezialeinheiten feiern in Mossul am Ufer des Tigris den Sieg über die IS-Anhänger. FOTO: dpa, FD hel abl
Mossul. Auf einigen Straßen wurde schon getanzt und gefeiert, ein paar hundert Meter weiter aber noch heftig gekämpft. Der IS steht in Mossul seit Tagen vor der endgültigen Niederlage. Ministerpräsident Al-Abadi hat nun die Befreiung der Stadt verkündet.

Nach monatelangen Kämpfen hat Iraks Regierungschef Haidar Al-Abadi die bisherige IS-Hochburg Mossul offiziell für befreit erklärt. Regierungstruppen hätten die Stadt vollständig eingenommen, sagte Al-Abadi am Montagabend in einer Fernsehansprache. "Aus dem Herzen Mossuls geben wir den Sieg bekannt", sagte er. "Mit unserem Blut, unseren Opfern und unseren Anstrengungen haben wir den Irak, sein Land und seine Menschen befreit."

Al-Abadi kam am Sonntag in die Stadt, um den Sieg über die Terrormiliz Islamischer Staat zu verkünden und mit den Soldaten zu feiern, wie der staatliche Fernsehsender Al-Irakia berichtete. Allerdings leisteten die letzten verbliebenen IS-Kämpfer in der Altstadt noch erbitterten Widerstand.

Ein offenbar zufriedener Al-Abadi schritt lächelnd zwischen den Soldaten umher und legte sich kurz eine irakische Flagge um die Schultern. Er gratuliere den tapferen Kämpfern und dem Volk zu dem großen Sieg, zitierte der Al-Irakia den Ministerpräsidenten. Dennoch gingen die Kämpfe gegen die Dschihadisten noch weiter. Die IS-Kämpfer hielten zum Schluss nur noch kleine Gebiete am Fluss Tigris.

Irak: So sieht Mossul nach der Befreiung vom IS aus FOTO: afp, AHR

Neun Monate lange Offensive auf Mossul

Über das Wochenende wurde aber immer deutlicher, dass die endgültige Niederlage des IS fast neun Monate nach Beginn der Offensive auf Mossul nicht mehr lange auf sich warten lassen wird. Am Samstag hatte die Bundespolizei erklärt, der ihr zugeteilte Sektor sei vom IS befreit. Am Sonntag tat das auch die 9. Division der irakischen Armee in ihrem Bereich. Spezialeinheiten der Armee gingen allerdings noch gegen die letzten Widerstandsnester in einem kleinen Teil der Altstadt am Ufer des Tigris vor.

Der Vormarsch des Militärs war vor allem in der dicht besiedelten Altstadt immer wieder aufgehalten worden, weil der IS Zivilisten als menschliche Schutzschilde missbrauchte, Selbstmordattentate verübte, Gebäude verminte und den Soldaten mit Scharfschützen auflauerte. Die irakischen Streitkräfte und das von den USA angeführte Militärbündnis bombardierten die Stellungen der Extremisten ohne Unterlass, Menschenrechtler beklagten, dass sie dabei viel zu wenig Rücksicht auf die in der Altstadt lebenden Menschen genommen hätten.

Al-Nuri-Moschee zerstört

Nach den monatelangen Kämpfen gleicht die Gegend am Tigris einem Trümmerfeld. Auch am Sonntag wälzte sich eine lange Kolonne an erschöpften Zivilisten entlang zerbombter Wohnhäuser über die mit Kratern übersäten Straßen. Heba Walid trug das sechs Monate alte Baby ihrer Schwägerin, das bisher nur den Krieg erlebt hat. Die Eltern des Kindes und 15 weitere Familienmitglieder seien ums Leben gekommen, als ein Luftangriff im Juni ihr Haus getroffen habe, sagte sie.

IS sprengt berühmte Moschee in Mossul FOTO: rtr, DH

Der IS hatte Mossul im Sommer 2014 gemeinsam mit vielen weiteren Teilen des Iraks eingenommen. Im Oktober 2016 begann die Offensive zur Rückeroberung der Stadt. Der IS-Anführer Abu Bakr al-Baghdadi war 2014 in Mossul zum ersten und einzigen Mal öffentlich aufgetreten und hatte in der Al-Nuri-Moschee die Gründung eines IS-Kalifats im Irak und in Syrien verkündet. Seine Kämpfer zerstörten die Moschee und deren berühmtes schiefes Minarett Al-Hadba im Juni, als die irakischen Truppen zunehmend näher rückten.

(csr/ap)
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Mossul: Iraks Ministerpräsident al-Abadi verkündet Befreiung von Mossul


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.