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Jahrestag der Eroberung der irakischen Stadt
Mossul – Leben unter der Terrormiliz IS

Mossul – Leben unter der Terrormiliz IS
Dieses Foto vom 11 August 2014 zeigt das leere Haus einer christlichen Familie in Mossul. FOTO: dpa, aj pt vfd
Mossul. Ein Jahr ist es her, dass die Terrormiliz IS die Millionenstadt Mossul im Irak einnahm. Es war der Beginn der Offensive, die bis heute anhält. Wie das Leben in der Stadt seither abläuft, zeigen nun neue Videoaufnahmen. Augenzeugen berichten zudem von der Grausamkeit des IS. Von Dana Schülbe

In einem Überraschungsangriff hatte der IS in der Nacht zum 10. Juni 2014 Mossul überrannt, die irakische Armee leistete praktisch keinen Widerstand. Die Soldaten flüchteten, Waffen, Fahrzeuge und Munition gelangten in die Hände der Terrormiliz. Es war der Beginn der Offensive des IS, der in kürzester Zeit ein Drittel des Irak sowie Gegenden im benachbarten Syrien überrannte und die eroberten Gebiete zum "Kalifat" erklärte.

Seither gelten strikte Regeln für die Einwohner, die nicht flohen, bei Nichteinhaltung drohen drakonische Strafen. Wie das im Alltag der Stadt aussieht, zeigt Videomaterial, das der britische Sender BBC veröffentlicht hat. Über Monate, so schreibt der Sender auf seiner Webseite, seien die Aufnahmen gemacht worden, von Haus zu Haus seien sie geschmuggelt worden, bevor sie aus der Stadt gebracht wurden.

Fotos: IS fällt über assyrische Kulturschätze her FOTO: ap

Zu sehen ist unter anderem ein Viertel, in dem viele Häuser beschlagnahmt wurden. An den Toren prangt jeweils ein rotes N für Nasara, die Bezeichnung für Christen. Denn einst war Mossul eine Christen-Hochburg, doch die meisten flohen nach dem Einzug des IS. Andere Aufnahmen zeigen, wie die Kämpfer der Terrormiliz in Militärfahrzeugen durch die Stadt fahren, diese dann unter Brücken mitten in der Stadt verstecken. Ein Mann namens Zaid sagt, dass sie Vorbereitungen getroffen hätten, falls der Versuch gestartet werde, die Stadt zurückzuerobern. Von Minen berichtet er, von Scharfschützen und zerstörten Tunneln.

Die Aufnahmen, die versteckt gemacht worden sind, wie die mitunter wackeligen Bilder deutlich machen, zeigen leere Schulgebäude, die höchstens für Propaganda-Zwecke genutzt werden. Sie zeigen, wie Moscheen gesprengt werden. Sie zeigen völlig verhüllte Frauen, doch als bei einer Frau eine Hand zu sehen ist, wird sie direkt von einem islamistischen Prediger gerügt. Der Mann namens Zaid sagt, dass die Menschen "das Gesetz des Kalifats" zu befolgen hätten. Wer beim Rauchen erwischt wird, wird ausgepeitscht – die mildeste Strafe. Für einen Seitensprung droht Frauen, gesteinigt zu werden, Männern, von einem Dach geworfen zu werden.

Isis/IS - Islamischer Staat im Irak und Syrien

Fouad war von IS-Kämpfern eingesperrt worden, man habe ihn anstelle seines Bruders mitgenommen, den man nicht gefunden habe, berichtet er. "Sie haben mich mit einem Stromkabel geschlagen." Bis heute sehe man die Stellen an seinem Rücken. 

Eine Frau berichtet, wie sie geschockt war, als sie das erste Mal hörte, sie müsse den Niqab tragen. In einem Restaurant habe ihr Mann dann am Ende gesagt, sie könne nun  ihr Gesicht zeigen, weil keine IS-Kämpfer anwesend seien und dies ein Familienrestaurant sei. Doch der Besitzer habe ihn angefleht, seine Frau möge sich wieder verhüllen, da der IS unangemeldete Kontrollen mache und auch die Restaurantbesitzer bestrafe.

Frau dreht Film in IS-"Hauptstadt" Rakka FOTO: Youtube

Dass sich an der Situation der Einwohner etwas ändert und Mossul genauso wie Tikrit zurückerobert wird, danach sieht es derzeit nicht aus. Zwar kündigte ein Sprecher des US-Pentagton im Frühjahr an, bis zum Auftakt des Ramadan solle die Rückeroberung Mossuls starten, doch auch eine Woche vor dem muslimischen Fastenmonat haben noch nicht einmal die Vorbereitungen begonnen.

(das)
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