Gruppe "Ärzte für Menschenrechte": "Mugabe begeht Verbrechen gegen die Menschlichkeit"
zuletzt aktualisiert: 13.01.2009 - 15:34Johannesburg (RPO). Korruption und Misswirtschaft kosten nach Angaben einer internationalen Ärztegruppe in Simbabwe zahllose Menschen das Leben. Der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) solle eine Untersuchung gegen Präsident Robert Mugabe einleiten, forderte die Gruppe Ärzte für Menschenrechte.
In einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP forderte die Gruppe weiter, dass angesichts der nahezu 1.800 Toten einer Cholera-Epidemie die Vereinten Nationen das kollabierte Gesundheitssystem des Landes übernehmen sollten.
Auch sollten die UN die Trinkwasserversorgung wieder herstellen. Nur dadurch könnten zahllose Tode verhindert werden. Zu diesen Schlussfolgerungen kommt ein Bericht der Gruppe, der am Dienstag in Südafrika vorgestellt werden sollte. Die vormalige irische Präsidentin Mary Robinson sollte die Ergebnisse bei den UN in New York präsentieren. Der Bericht sei ein weiterer Versuch, die internationale Gemeinschaft wachzurütteln und "dringend zu handeln, um Leben zu retten und dem Sterben Einhalt zu gebieten", sagte der Vorsitzende der US-Menschenrechtsorganisation, Frank Donaghue, bei dem Gespräch am Montagabend in Südafrika.
Nahrungsmittelhilfe als politische Waffe
Recherchen der Gruppe in Simbabwe hätten ergeben, dass Mugabe internationale Hilfslieferungen manipuliere. "Es gibt viele Beweise dafür, dass sie (die Nahrungsmittelhilfe) als politische Waffe eingesetzt wird", erklärte die Gruppe. Die UN schätzen, dass rund fünf Millionen Menschen und damit etwa die Hälfte aller noch im Land verbliebenen Simbabwer hungern und auf Lebensmittelhilfe angewiesen sind.
Nach Ansicht der Ärzte für Menschenrechte sind die seit August offiziell angegeben rund 1.800 Cholera-Toten nur ein Bruchteil aller Opfer des zusammengebrochenen Gesundheitssystems. Eine unbekannte Zahl Menschen sterbe jeden Tag an heilbaren Krankheiten. Der Bericht bekräftige außerdem Hinweise, dass "Mugabe sich Verbrechen gegen die Menschlichkeit schuldig macht", hieß es. Daher sollte der IStGH in Den Haag Ermittlungen einleiten.
Unter der gut 28-jährigen Herrschaft Mugabes hat sich die einstige Kornkammer des südlichen Afrikas zu einem Armenhaus gewandelt. Die Wirtschaft ist komplett zusammengebrochen, die Inflation dürfte inzwischen weit über der offiziell angegebenen Rate von 230 Millionen Prozent liegen. Viele staatliche Krankenhäuser haben geschlossen. Es fehlt ihnen an den wichtigsten Gütern; Ärzte und Schwestern können wegen der galoppierenden Inflation längst nicht mehr von ihrem Gehalt leben.
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