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Simbabwe: Mugabes letzte Waffe ist der Hunger

VON WOLFGANG DRECHSLER - zuletzt aktualisiert: 09.06.2008 - 11:08

Kapstadt (RP). Trifftige Gründe brauchen die Sicherheitskräfte in Simbabwe schon lange nicht mehr, um Wahlveranstaltungen der Opposition zu sprengen oder ihren Führer Morgan Tsvangirai zu verhaften. Gleich zweimal wurden letzte Woche Simbabwes Oppositionschef und alle seine Begleiter vorübergehend inhaftiert, seine Kundgebungen verboten.

Beobachter glauben, dass sich an diesem Muster auch in den drei Wochen bis zur Stichwahl zwischen Tsvangirai und Staatschef Mugabe am 27. Juni wenig ändern wird. Denn alle Anzeichen deuten darauf hin, dass Tsvangirai einen klaren Sieg über Langzeitdiktator Mugabe erringen wird, der seit der Unabhängigkeit 1980 ununterbrochen über Simbabwe herrscht.

Für Mugabe, aber auch die meisten anderen Führer in Afrika sind Mugabes Rivale Tsvangirai und die in Simbabwe tätigen Hilfsorganisationen nichts anderes als Büttel des Westens. Ihr Ziel es sei, das Regime in Harare zu stürzen und dieses durch willfährige Politiker zu ersetzen. Diese aberwitzige Komplotttheorie nahm Mugabe nun zum Vorwand, gegen alle Hilfsorganisationen ein totales Arbeitsverbot zu verhängen. Dabei kommt es Mugabe sehr gelegen, dass die verarmte Landbevölkerung gerade jetzt dringend auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen ist. Denn Hunger ist im Kampf um die Gunst der Wähler eine noch mächtigere Waffe als Drohungen oder Gewalt.

Um Nahrungsmittel zu bekommen, so James MC Gee, US-Botschafter in Simbabwe, müssten Oppositionsanhänger ihre Personalausweise an Regierungsbeamte abgeben, die die Dokumente dann bis nach den Wahlen einbehalten – und den Betroffenen dadurch die Teilnahme am Urnengang verwehren. Im Gegensatz dazu könnten Anhänger des Zanu-Regimes von Robert Mugabe ihre Ausweise behalten – und somit wählen. „Es ist eine Schande, “ sagte Mc Gee.

Ohne die Hilfsorganisationen dürften die Nahrungsmittellieferungen an mehr als vier Millionen Menschen in Simbabwe erheblich erschwert werden. Die Not im Land ist groß. Mehr als die Hälfte der 13 Millionen Einwohner lebt von weniger als einem US-Dollar am Tag. Wie sehr Simbabwe wirtschaftlich am Boden liegt, zeigt eine Zahl: Gestern erhielt man für einen einzigen US-Dollar sage und schreibe eine Milliarde Simbabwe-Dollar.

Quelle: RP

 
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