Simbabwe: Mugabes Monopol ist gebrochen
zuletzt aktualisiert: 15.09.2008 - 15:43Harare (RPO). Das fast drei Jahrzehnte währende Machtmonopol des simbabwischen Präsidenten Robert Mugabe ist gebrochen. Nach monatelangem Ringen unterzeichneten Mugabe und sein langjähriger Rivale Morgan Tsvangirai am Montag ein Abkommen, das das südafrikanische Land aus dem Chaos herausführen soll.
Beide Politiker äußerten die Hoffnung auf einen Neubeginn. Die EU begrüßte die Einigung, will aber die Sanktionen gegen Simbabwe vorerst aufrecht erhalten.
Der 84 Jahre alte Mugabe bleibt Präsident, allerdings mit eingeschränkten Befugnissen. Tsvangirai wird Ministerpräsident, Oppositionspolitiker Arthur Mutambara sein Stellvertreter. Tsvangirais Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC-T) sowie eine Splittergruppe um Mutambara (MDC-M) stellen in der künftigen Regierung der nationalen Einheit 16 der 31 Kabinettsmitglieder. Die restlichen Posten gehen an Mugabes ZANU-PF, die damit erstmals seit der Unabhängigkeit Simbabwes von Großbritannien 1980 nicht mehr allein regiert.
Das Abkommen zur Machtteilung war unter Vermittlung des südafrikanischen Präsidenten Thabo Mbeki zustande gekommen, der bei der feierlichen Unterzeichnung in Harare anwesend war. Tsvangirai dankte Mbeki für seine Bemühungen, eine "für alle Parteien akzeptable" Lösung zu finden. An die Parlamentsabgeordneten gewandt, sagte er: "Wenn Sie gestern meine Feinde waren, so sind wir heute an dieselbe patriotische Pflicht und dasselbe Schicksal gebunden." Der 56-jährige Politiker forderte die Parlamentarier auf, sich von der Hoffnung auf ein besseres Land leiten zu lassen.
Auch Mugabe appellierte an den Patriotismus seiner bisherigen Rivalen: "Wir sind den gleichen Weg gegangen, ohne es zu wissen oder ohne einander anzuerkennen. Letzten Endes sind wir alle Simbabwer", sagte der Präsident.
Katastrophale wirtschaftliche Lage
Die MDC hatte die Parlamentswahl vom 29. März gewonnen, bei der Präsidentenwahl setzte sich Mugabe in einem erbitterten Machtkampf durch. Nachdem Tsvangirai seine Kandidatur wegen massiver Gewalt gegen seine Anhänger zurückgezogen hatte, gewann der Amtsinhaber die international heftig kritisierte Stichwahl am 27. Juni.
Die Einigung auf eine Machtteilung geht Beobachtern zufolge nicht zuletzt auf wirtschaftliche Zwänge zurück: Simbabwe hat die mit Abstand höchste Inflationsrate der Welt. Nach offiziellen Angaben liegt sie bei elf Millionen Prozent, unabhängige Schätzungen gehen von bis zu 40 Millionen Prozent aus.
Die Außenminister der Europäischen Union begrüßten auf ihrer Sitzung in Brüssel das vorläufige Ende der Regierungskrise. Eine mögliche Aufhebung der Sanktionen gegen Simbabwe soll aber von der Umsetzung des Abkommens abhängig gemacht werden. In einer gemeinsamen Erklärung bekräftigten die 27 Minister ihre Forderung nach einem sofortigen Ende jeglicher Form von Einschüchterung und Gewalt.
Ausschreitungen vor dem Kongresszentrum
Nach dem Ende der Unterzeichnungszeremonie in Harare kam es vor dem Kongresszentrum zu Zusammenstößen zwischen Anhängern von Regierung und Opposition. Dabei flogen Steine, die Polizei gab Warnschüsse ab. Mehrere hundert Menschen durchbrachen die Absperrungen und drangen auf das abgeriegelte Gelände vor. Dort brachen sie in laute Jubelrufe über das erzielte Abkommen aus.
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