Den Haag: Mutmaßlicher Kriegsverbrecher Gotovina plädiert auf "nicht schuldig"
zuletzt aktualisiert: 12.12.2005 - 15:26Den Haag (rpo). Der auf Teneriffa festgenommene kroatische Ex-General Ante Gotovina hat bei seinem ersten Auftritt vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag auf "nicht schuldig" plädiert. Dem 50-jährigen General werden Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen. Ihm wird der Tod von 150 serbischen Zivilisten bei der Rückeroberung der Krajina zur Last gelegt.
Ein Gericht in Belgrad verurteilte unterdessen 14 frühere serbische Milizionäre wegen Kriegsverbrechen zu Haftstrafen bis zu 20 Jahren. Die Angeklagten waren der Tötung von 200 kroatischen Kriegsgefangenen im Jahre 1991 für schuldig befunden worden - eines der schlimmsten Massaker während des damaligen Krieges auf dem Balkan. Acht Männer erhielten am Montag die Höchststrafe von 20 Jahren, die übrigen müssen für fünf bis 15 Jahre ins Gefängnis. Zwei der ursprünglich 16 Angeklagten wurden freigesprochen. Der Prozess galt als Test für die Entschlossenheit der serbischen Justiz, Kriegsverbrechen ihrer Landsleute selbst zu ahnden.
Der 50-jährige Kroate Gotovina war seit 2001 auf der Flucht und stand auf Platz drei der meistgesuchten Kriegsverbrecher des Haager Tribunals. Der Exgeneral wird für den Tod von mindestens 150 Serben, die Vertreibung von 150.000 Menschen und die Zerstörung von mindestens elf Dörfern in der Krajina verantwortlich gemacht. Richter Agius verlas am Montag die Namen von 31 der 150 Opfer - Frauen und Männer von 45 bis 90 Jahren. Einem von ihnen war die Kehle aufgeschlitzt worden.
In der überwiegend von Serben bewohnten Region im Osten Kroatiens fand 1995 eine der letzten Offensiven des Balkankriegs statt. Dabei eroberten Gotovinas Truppen das vier Jahre zuvor von den Serben besetzte Gebiet zurück. Der General soll seinen Soldaten freie Hand für Plünderungen und Verbrechen gegeben haben.
Ein Sprecher des UN-Tribunals erklärte am Montag, es gebe noch kein Datum für den Prozessbeginn. Gotovina werde ausreichend Zeit für das Studium der Anklage und die Vorbereitung seiner Verteidigung gegeben.
Die Forderung nach Gotovinas Auslieferung hatte in diesem Jahr die Aufnahme von Beitrittsgesprächen der EU mit Kroatien verzögert. Mit Gotovinas Festnahme steigt der Druck auf die serbische Regierung, die Suche nach dem einstigen Volksgruppenführer der bosnischen Serben, Radovan Karadzic, und Exgeneral Ratko Mladic zu verstärken. NATO-Truppen durchsuchten am Montag in Pale das Haus von Dragan Stajcic, einem früheren Redakteur des Radiosenders St. John. Er wird verdächtigt, zum Netzwerk zu gehören, das Karadzic auf seiner Flucht unterstützt.
Der frühere jugoslawische Präsident Slobodan Milosevic bat das UN-Tribunal derweil um vorübergehende Haftentlassung. Er wolle Herzspezialisten in Moskau aufsuchen, erklärte er zur Überraschung der Justiz in Den Haag. Richter Patrick Robinson nannte es unglaublich, dass Milosevic einen solchen Vorschlag unterbreite. Der Prozess wurde für sechs Wochen unterbrochen. Drei Wochen sind Winterpause, drei weitere Wochen wurden Milosevic zur Erholung von den Strapazen der vergangenen Wochen gewährt. Dem früheren Präsidenten Serbiens und später Jugoslawiens werden insgesamt 66 Kriegsverbrechen in Kroatien, Bosnien-Herzegowina und im Kosovo in den 90er Jahren zur Last gelegt.
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