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Trump und Moon erhöhen Druck
Südkorea hält nach Nordkoreas Atomtest Militärübungen ab

Nach Atomtest Nordkoreas: Südkorea hält Militärübungen ab
Panzer der südkoreanischen Armee bei einer Militärübung in Paju nahe der Grenze zu Nordkorea. FOTO: dpa, AY lis wie
Seoul/Washington/Peking. Nach dem Atomtest Nordkoreas demonstriert Südkorea mit neuen Manövern militärische Stärke. Die USA drücken im UN-Sicherheitsrat aufs Tempo. Sie wollen härtere Sanktionen. China und Russland mahnen einen kühlen Kopf an.

Nach dem Atomtest Nordkoreas hat die südkoreanische Marine eine Militärübung vor der Küste der Koreanischen Halbinsel abgehalten. Dabei waren eine 2500 Tonnen schwere Fregatte, ein Patrouillenschiff und mehrere Schiffe mit Raketenvorrichtungen zum Einsatz gekommen, teilte das südkoreanische Verteidigungsministerium am Dienstag mit. Zweck der Manöver sei gewesen, sofort auf potenzielle Provokationen Nordkoreas antworten zu können. Bis Samstag seien noch mehrere Marinemanöver geplant, hieß es aus Seoul.

Das Land hob zudem in Absprache mit den USA die Größenbegrenzung seiner Raketen auf. Bereits am Montag hatte Südkoreas Militär als Reaktion auf den bisher größten Atomtest Nordkoreas einen Angriff mit Raketen auf das nordkoreanische Atomtestgelände im Nordosten des Nachbarlandes simuliert.

Trump und Moon erhöhen den Druck

Die USA wollen nun Nordkoreas Wirtschaftspartner ins Visier nehmen, um Pjöngjang zu isolieren. US-Präsident Donald Trump telefonierte mit seinem Seouler Amtskollegen Moon Jae In und vereinbarte, dass die Nutzlast der südkoreanischen Raketen nicht mehr begrenzt sei, wie Moons Büro am Montag mitteilte. Das Weiße Haus erklärte, Trump habe Moon gesagt, dass er den südkoreanischen Vorstoß für ein Ende der Nutzlastbegrenzung unterstützte. Trump habe "konzeptionell" zugestimmt, dass Südkorea US-Waffen und -Militärausrüstung im Wert von Milliarden Dollar kauft.

Trump und Moon seien überein gekommen, den Druck auf Nordkorea mit allen verfügbaren Mitteln zu vergrößern. Dazu zähle die Zusage, ihre gemeinsamen militärischen Kapazitäten zu verstärken, so das Weiße Haus. Das etwa 40-minütige Telefonat war das erste Gespräch zwischen den beiden Präsidenten seit Nordkoreas jüngstem Atombombentest. Trump und Moon seien sich einig gewesen, dass der Test eine bedenkliche Provokation sei, die "beispiellos" sei, berichtete Moons Büro.

Trump und Moon vereinbarten nach Angaben des Weißen Hauses zudem, härtere UN-Sanktionen gegen Nordkorea anzustreben. "Die Vereinigten Staaten werden jedes Land, das mit Nordkorea Geschäfte betreibt, als Land betrachten, das deren rücksichtslosen und gefährlichen nuklearen Absichten Hilfe leistet", sagte die US-Botschafterin an die Vereinten Nationen, Nikki Haley. Es könne nicht mehr auf dem Spiel stehen. Ihr Land werde in dieser Woche eine entsprechende Resolution vorschlagen in der Hoffnung, dass diese nächste Woche verabschiedet werde. Trump bekräftigte zudem in einem Telefonat mit Japans Regierungschef Shinzo Abe, die USA und ihre Verbündeten verteidigen zu wollen. 

Russland und China für Deeskalation

Präsident Wladimir Putin, der zum Gipfel der Brics-Staaten Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika in der chinesischen Hafenstadt Xiamen ist, setzte sich einem Telefonat mit Moon für eine Aufnahme von Verhandlungen mit Pjöngjang ein. Alle politisch-diplomatischen Mittel müssten genutzt werden. Russlands UN-Botschafter Wassili Nebensja sagte: "Wir müssen unbedingt einen kühlen Kopf bewahren und ein Vorgehen vermeiden, das zu weiteren Spannungen führen kann." Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sicherte Südkoreas Präsidenten in einem Telefonat die Solidarität Deutschlands zu.

Chinas UN-Botschafter Liu Jieyi mahnte vor dem Sicherheitsrat eine friedliche Lösung des Konfliktes an: "Wir werden niemals Chaos und Krieg auf der koreanischen Halbinsel erlauben." Alle an dem Konflikt beteiligten Seiten müssten einer weiteren Eskalation entgegenwirken. Chinesische Experten diskutierten eine Drosselung der Öllieferungen nach Nordkorea, zeigten sich aber skeptisch, ob sich Kim Jong Un dadurch von neuen Provokationen abhalten lässt. Auch fürchtet Peking einen Kollaps des Nachbarlandes mit unkalkulierbaren Folgen.

Australiens Premierminister Malcolm Turnbull appellierte an China, die Regierung in Pjöngjang "zur Vernunft zu bringen". Ein Krieg in der Region wäre eine Katastrophe, sagte Turnbull dem australischen Radiosender Nova 96.9 in Sydney. "Jeder, der Einfluss auf Nordkorea hat, sollten diesen nutzen, um sie zur Vernunft zu bringen", sagte Turnbull.

Nordkorea hatte eigenen Angaben zufolge am Sonntag eine Wasserstoffbombe getestet, mit der Interkontinentalraketen (ICBM) des Landes bestückt werden sollen. Der sechste Atomversuch seit 2006 löste weltweit scharfe Kritik aus. Das Raketen- und Atomprogramm wird in der Region und weltweit als ernste Bedrohung angesehen.

(oko/dpa/AP)
 
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