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Wirbel um Internet-Fotos
Steht auf russischen Bomben "Nach Berlin!"?

Fotos: Russische Bomber über Europa
Fotos: Russische Bomber über Europa FOTO: Action press
Brüssel . Hat die russische Luftwaffe bei Übungen wirklich Bomben mit Aufschriften wie "Nach Berlin!" an Bord? Im Internet sorgen angeblich bei einem Marinemanöver in Kaliningrad aufgenommene Fotos für Aufsehen. Moskau dementiert.

Das Verteidigungsministerium in Moskau ließ zwar am Mittwoch mitteilen, dass es sich bei der Aufschrift entweder um eine "Dummheit" oder eine "Fotomontage" handele.  Es sei allgemein bekannt, dass Bomben bei Übungen niemals Aufschriften hätten, sagte ein Sprecher des Ministeriums in Moskau der Agentur Interfax am Mittwoch. "Das ist entweder eine Dummheit, eine Fotomontage oder der Wunsch, mit antirussischer Stimmung zu spielen", sagte er. Wegen der Ukraine-Krise ist das Verhältnis zwischen Russland und dem Westen auf einem Tiefpunkt.

Das private Internetportal flot.com hatte zuvor von der Marineübung Anfang August in der russischen Ostsee-Exklave Kaliningrad berichtet. Bilder zeigten zwei eher alt aussehende Bomben, auf denen die handschriftlichen Losungen "Nach Berlin!" sowie "Für Stalin!" zu lesen waren. Die Parolen stammen aus dem Zweiten Weltkrieg, als die Rote Armee unter dem Oberbefehl von Josef Stalin bis nach Berlin marschierte.

Das Portal flot.com gehört nach Angaben auf der Webseite zu der in St. Petersburg registrierten  Nichtregierungsorganisation mil.press. Diese berichtet in mehreren Foren im Internet auf Russisch und Englisch über das russische Militär.

Angesichts der aktuellen Spannungen zwischen Russland und dem Westen dürfte die grundsätzliche Diskussion damit aber neuen Zündstoff erhalten. Wie weit haben sich im Zug der Ukrainekrise alte Gräben wieder aufgetan, lautet die Frage. Und wie gefährlich ist diese Entwicklung?

Einen ebenso aufsehenerregenden wie aktuellen Beitrag zur Debatte lieferten am Mittwoch Sicherheitsexperten des European Leadership Network (ELN). Passend zur Diskussion um die Bombenfotos legten sie eine Analyse zu den jüngsten Übungsaktivitäten der Nato und Russlands vor.

Sorge um Manöver der Blöcke

Die jüngsten Manöver zeigten, dass beide Seiten mit Blick auf die Fähigkeiten der jeweils anderen Seite und vermutlich sogar mit Kriegsszenarien im Hinterkopf trainierten, schreibt das Autorenteam um ELN-Direktor Ian Kearns. Die Übungen gäben Anlass zur Sorge und trügen mit dazu bei, die durch den Ukraine-Konflikt entstandenen Spannungen in Europa aufrechtzuerhalten.

"Wir behaupten nicht, dass die Führung einer Seite entschieden hätte, in den Krieg zu ziehen, oder dass ein militärischer Konflikt unausweichlich wäre - aber dass es Tatsache ist, dass sich das Profil der Übungen verändert hat", betonten die Sicherheitsexperten des Netzwerks, zu dem auch deutsche Politiker wie Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt und der frühere Außenminister Hans-Dietrich Genscher zählen. Art und Ausmaß von Manövern deuteten klar darauf hin, dass Russland sich "auf einen Konflikt mit der Nato" und die Nato sich "auf eine mögliche Auseinandersetzung mit Russland" vorbereite.

In der Bündnis-Zentrale in Brüssel gibt man sich angesichts solcher Schlussfolgerungen empört. Eine Nato-Sprecherin kritisierte, in der Analyse würden "in irreführender Weise" Nato-Manöver mit denen Russlands gleichgesetzt. Sie bezeichnete die Aktivitäten des westlichen Bündnisses als angemessene Reaktion auf die "zunehmende russische Aggressivität".

Wie bereits in der Vergangenheit wies die Nato auch Forderungen nach einem intensiveren Informationsaustausch und Dialog mit Russland unter Verweis auf die vorhandenen Kommunikationskanäle zurück.

Selbst unter den Bündnispartnern ist dieses Thema allerdings hochumstritten. Erst vor kurzem hatte die deutsche Vertretung in Brüssel bestätigt, dass sich die Bundesregierung für eine Wiederbelebung des Nato-Russland-Rats einsetzt. Botschafter Martin Erdmann äußerte zudem offen die Einschätzung, dass die Nato aktuell "sehr einseitig" auf sogenannte Rückversicherungsmaßnahmen ausgerichtet sei.

In diese Kategorie fällt genau das, was die ELN-Experten mit Besorgnis sehen: intensive Nato-Manöver im östlichen Teil des Bündnisgebiets.

(dpa)
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