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Kampf gegen Terrormiliz
Türkei bombardiert IS-Ziele in Syrien

Nach Suruc-Anschlag: Türkei bombardiert IS-Ziele in Syrien
Ein Kampfjet vom Typ F 16. FOTO: dpa
Ankara. Nach der mutmaßlichen Terrorattacke des IS in der Grenzstadt Suruc hat die Türkei offenbar zurückgeschlagen. In der Nacht zu Freitag sollen türkische Bomber Ziele in Syrien angegriffen haben. Außerdem sollen künftig US-Kampfjets in der Region stationiert werden.

Die Türkei hat nach Angaben von staatlichen Medien im Grenzgebiet zu Syrien Luftangriffe auf Stellungen der Terrormiliz Islamischer Staat geflogen. Vier Kampfjets hätten Raketen auf IS-Ziele im syrischen Dorf Havar abgeschossen, berichtete der TV-Sender TRT. Havar liegt gegenüber der türkischen Grenzprovinz Kilis. Die Kampfjets seien von der Luftwaffenbasis Diyarbakir abgehoben und hätten den syrischen Luftraum nicht verletzt, hieß es.

Eine offizielle Bestätigung der Luftangriffe lag zunächst nicht vor. In den vergangenen Tagen wurde die Türkei zum Ziel mutmaßlicher IS-Terrorangriffe. Am Montag tötete ein Selbstmordattentäter 32 Menschen in der Grenzstadt Suruc. Für die Tat machte Ankara die IS-Miliz verantwortlich. Am Donnerstag wurde ein türkischer Soldat von Syrien aus erschossen. Das türkische Militär schoss zurück und tötete mindestens einen IS-Kämpfer.

Darüber hinaus  erlaubt die Türkei den USA künftig, den strategisch wichtigen Luftwaffenstützpunkt Incirlik für Luftangriffe auf die Terrormiliz Islamischer Staat zu nutzen. Dies teilten ranghohe US-Regierungsbeamte am Donnerstag der Nachrichtenagentur AP mit. Aus Ankara gab es dazu zunächst keine Stellungnahme. Sollten sich die Angaben bestätigen, hätte die Türkei einen Kurswechsel vollzogen. Eine gewichtige Rolle in der US-geführten Anti-IS-Koalition hat sie bislang abgelehnt. Nach mehreren tödlichen Attacken und Anzeichen verstärkter IS-Aktivitäten im Grenzgebiet zu Syrien ist Ankara jedoch alarmiert.

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Auf die Nutzung der Luftwaffenbasis Incirlik habe sich US-Präsident Barack Obama am Mittwoch in einem Telefonat mit seinem türkischen Kollegen Recep Tayyip Erdogan verständigt, sagten die Gewährsleute. Vorausgegangen waren demnach monatelange US-Appelle und Verhandlungen über den Stützpunkt und weitere Militärbasen in der Türkei.

Incirlik liegt im Süden der Türkei, unweit der Grenze zu Syrien und von der IS-Miliz kontrollierten Gebieten wie der Stadt Al-Rakka, die die Dschihadisten zur Hauptstadt ihres Kalifats erklärt haben.

Der Zugang zum Luftwaffenstützpunkt Incirlik werde es den USA daher erlauben, schneller und flexibler IS-Ziele anzugreifen, sagten die US-Regierungsbeamten. Falls der Deal greife, könnte die US-geführte Militärkoalition ihre Aufklärungsflüge über Syrien verbessern sowie schneller als bisher auf Geheimdienstinformationen reagieren.

Isis/IS - Islamischer Staat im Irak und Syrien

Bisher nutzten die USA und ihre Partner für Luftangriffe auf den IS vor allem Startrampen im Irak, Jordanien und den Golfstaaten. Nach der neuen Vereinbarung dürfte das US-Militär bemannte und unbemannte Flüge von Incirlik aus abheben. Zuvor waren lediglich unbemannte Drohnenflüge erlaubt.

Unter Verweis auf Sicherheitsgründe lehnte das Weiße eine Bestätigung des Deals ab. Ein Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats, Alistair Baskey, sagte nur, dass Obama und Erdogan sich auf eine Vertiefung der Kooperation im Kampf gegen den IS verständigt hätten. Die Türkei sei ein wichtiger Partner im Bemühen, die Terrormiliz in die Knie zu zwingen.

Zwar gehört Türkei der Anti-IS-Koalition an, hatte sich aber bisher dagegen gesträubt, sich zu tief in den Konflikt hineinziehen zu lassen. Hintergrund ist der Frust der Regierung in Ankara über die amerikanische Strategie im Umgang mit Syrien. Obama räumt dem Kampf gegen den IS größere Priorität als einem Vorgehen gegen den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad ein, auf dessen Abgang die Türkei pocht.

(ap)
 
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